APP geht's!
Apps machen Smartphones erst richtig interessant. Wer die kleinen Programme selber entwickelt und verkauft, wird zwar nicht automatisch reich, ist dafür aber bei Unternehmen in jedem Fall gefragt – unabhängig vom Studienfach.
Da ist er wieder, der regelmäßig beklagte Fachkräftemangel: Rund 3.000 App-Entwickler würden deutschlandweit gesucht, meldet BITKOM, der Branchenverband der Informationswirtschaft, Telekommunikation und neuen Medien – weit mehr, als aktuell auf dem Markt zur Verfügung stünden. „Für viele Unternehmen, egal ob aus dem Bereich Medien, Verkehrsbetriebe oder Energiekonzerne, sind Mobile-Apps derzeit ein Riesenthema“, erklärt Arbeitsmarktexperte Stephan Pfisterer. Und um diesen Bedarf zu bedienen, würden definitiv mehr Leute gesucht, als zu haben sind.
Dabei sind mit der Zahl sogar nur jene Stellen gemeint, die ausdrücklich mit dem Entwickeln und Programmieren der kleinen Programme zu tun haben. Unzählige Jobs, bei denen das Know-how als Zusatzqualifikation überaus hilfreich wäre, weil sie direkt oder indirekt mit Apps als Produkt zu tun haben, kommen noch hinzu. „Logisch, dass wir dieses Know-how in der Entwicklung brauchen – aber eben auch im Marketing, im Vertrieb und in der Beratung“, erklärt Lars Lippert, der bei Microsoft unter anderem die akademischen Aktivitäten des Unternehmens verantwortet.
Von Apps gehört haben reicht nicht aus
Bei der Telekom klingt das ganz ähnlich: „Aktuelles technisches Know-how ist bei uns auch in Bereichen wie Produktmanagement und Marketing sehr gefragt“, betont André Zehl, Leiter Technology Management im Unternehmensbereich Products & Innovation, ganz besonders am Thema Apps gehe derzeit kein Weg vorbei. Stefan Pieper, Sprecher bei ATOS, einem weltweit operierenden Konzern für IT-Services, beschreibt den Wunsch-Kandidaten seines Unternehmens so: „Im Idealfall geht ein Mitarbeiter, der ganz andere Produkte betreut, zum Kunden und sagt: Ich zeige dir, wie du mit Apps deine Kundenbindung verbessern kannst.“ Entsprechend suche man bei ATOS vor allem Nachwuchs, der Erfahrung im Umgang mit neuen Technologien wie Mobile Apps vorweisen kann.
Doch wie umfassend muss das Wissen über die kleinen Programme eigentlich sein? Ab wann gilt man in der IT-Branche als interessanter Kandidat? Reicht es, ein paar Vorlesungen über Apps besucht zu haben? „Man sollte mehr als nur davon gehört haben“, ist BITKOM-Experte Pfisterer überzeugt, was zähle, sei die Praxis. Dem pflichtet Lars Lippert bei: „Man muss nicht Informatik studiert haben, auch ein Germanist kann ein heißer Kandidat für Microsoft sein – wenn er denn ein erfolgreiches App-Projekt vorzuweisen hat, das seinen Umgang mit und sein Interesse für mobile Technologie dokumentiert.“
„Entscheidend ist, dass jemand eine App in den Store gebracht hat“
Erfolgreich bedeutet dabei übrigens nicht, dass die App reißenden Absatz finden muss. Die „Erfahrung mit der Entwicklung einer App vom Plan bis zur Umsetzung“ sei das Entscheidende, ist André Zehl überzeugt. Ideen oder Ansätze aus bereits realisierten Projekten seien unabhängig von ihrem Absatzerfolg oft die Keimzelle für neue Ideen in einem anderen Anwendungsfeld. „Entscheidend ist, dass jemand eine App in den Store gebracht hat“, sagt auch Lars Lippert. Das beweise in seinen Augen dreierlei: Kreativität, technologisches Know-how und Durchhaltevermögen.
Wer jetzt ebenfalls plant, sich an der Entwicklung von Apps zu versuchen, sollte so früh wie möglich starten. „Je mehr Erfahrung mit der Entwicklung von Apps jemand schon während des Studiums gesammelt hat, desto besser“, meint André Zehl. Außerdem brauche es Zeit, eine App soweit zu entwickeln, dass sie reif für den Store ist. „Am besten sich nicht zuviel vornehmen, sondern klein anfangen“, rät Lars Lippert. Wer seine App zu früh, das heißt noch zu fehlerhaft auf den Markt bringe, ernte negative Kritik – und das sei demotivierend für zukünftige Projekte.










