Arbeitslos nach dem Studium - Was tun?

von Gloria Wilhelm

Ihr steht kurz vor dem langersehnten Hochschulabschluss und habt keine Ahnung, wie es danach weitergehen soll? Keine Sorge, ihr seid nicht die einzigen. UNICUM.de verrät euch, was jetzt wichtig ist, was ihr tun solltet und was ihr nun tun müsst.

Früher war ein Studienabschluss eine direkte Eintrittskarte in das Berufsleben. Durch den demographischen Wandel in Deutschland und einer breiter werdenden akademischen Bildungsschicht wird es für Hochschulabsolventen immer schwieriger einen Job direkt nach dem Abschluss zu bekommen.

Laut der Bundesagentur für Arbeit waren im August 2011 insgesamt 169.924 Menschen mit akademischer Ausbildung arbeitslos, die meisten in Nordrhein-Westfalen und in Berlin. Das sind insgesamt 9.604 weniger Arbeitslose als noch im Vorjahresmonat. Trotzdem ist auf dem Arbeitsmarkt die Arbeitslosigkeit von Akademikern kaum ein Thema. Das liegt daran, dass Akademiker mit einer Arbeitslosenquote von etwa 2,5 Prozent als vollbeschäftigt gelten.

Beraten lassen

Trotz guter Noten und einschlägiger Praktika ist es nicht immer leicht eine Einstellung zu bekommen. Wer bald vor dem Abschluss steht oder diesen schon besitzt, aber noch keine Stelle in Aussicht hat, sollte sich schlau machen, was für Möglichkeiten er hat. Auch wenn euch Existenzängste und Selbstzweifel plagen, weil ihr nach etlichen Bewerbungen immer noch keinen Job habt, solltet ihr die Hoffnung nicht aufgeben. Es gibt mehrere Anlaufstellen, bei denen ihr euch Hilfe holen könnt. Die Bundesagentur für Arbeit bietet fachkundige Beratung an. Schon bei der Terminvergabe dort ist es gut, darauf hinzuweisen, dass ihr bereits ein Studium absolviert habt, denn in größeren Arbeitsagenturen stehen speziell geschulte und erfahrene Vermittlungsfachkräfte für Studenten (Hochschulteams) zur Verfügung. Eine frühzeitige Beratung kann nicht nur die Zeit in der ihr arbeitslos seid sparen, sondern auch Geld, wenn ihr irgendwann Bezüge beantragen wollt. Auch die Studienberater an eurer Hochschule könnten euch Tipps und Hilfe verschaffen.

Studenten müssen sich nicht arbeitslos melden

Wie fälschlicher Weise oft angenommen, besteht keine Pflicht für Studenten sich arbeitslos oder arbeitsuchend melden. Sinnvoll ist das aber trotzdem, da die Bundesagentur für Arbeit bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle behilflich sein kann und ihr eventuell Bezüge erhalten könnt. Wie viel Geld ihr vom Amt bekommt hängt davon ab, ob und in welchem Verhältnis ihr vor oder während des Studiums gearbeitet habt. Eine größere Summe könnt ihr allerdings selten erwarten.

Wer Angst hat mit der Arbeitssuche zu viel Zeit zu verlieren, kann sich einen Nebenjob suchen oder ein Praktikum absolvieren. Die sind selten so arbeitsintensiv, dass es nicht möglich wäre, nebenher Bewerbungen zu schreiben und zu Bewerbungsgesprächen oder Einstellungstests gehen zu könnten. Ein Auslandsaufenthalt oder ein freiwilliges Soziales Jahr sind zwei längerfristige Alternativen. Sinnvoll ist das besonders, wenn euch große Lücken im Lebenslauf drohen. Wichtig ist, sich nicht hängen zu lassen und auch noch nach der fünfzigsten Absage weiterzusuchen. Vertraut euch euren Freunden und Verwandten an, die euch sicherlich aufbauen werden. Denn: Geht ihr mit einem mangelnden Selbstvertrauen in ein Bewerbungsgespräch, merken das die Personaler meist.

Umorientierung ist manchmal der einzige Ausweg

Es ist immer schwer, wenn es im Leben nicht so klappt, wie man es sich gewünscht hat. Doch macht euch bewusst, dass ihr nicht die einzigen seid. Vielen anderen geht es wie euch. Solltet ihr in eurer Traumbranche auch nach etlichen Versuchen keinen Fuß fassen können, seht euch nach anderen Berufen um, die euch auch gefallen könnten. Im besten Fall sucht ihr in einer Branche, bei der euer Studium einen Vorteil durch euer Studium darstellt und der dazu passt. Habt ihr beispielsweise Spanisch und Englisch studiert, weil ihr Dolmetscher werden wollt, könntet ihr euch auch nach Jobs in internationalen Firmen, beispielsweise Speditionen oder technischen Betrieben oder beim Auswärtigen Amt umsehen. 

Zusatzausbildungen oder ein weiteres Studium können euch auch weiterbringen. Fragt euch aber vorher, ob diese Weiterbildung sinnvoll ist, euch wirklich weiterbringt und ihr danach nicht wieder vor demselben Problem steht  wie zuvor. Ein zusätzlicher Tipp ist, sich auch mal in anderen Regionen oder sogar Ländern zu bewerben. Auch wenn euch eure Heimatstadt am Herzen liegt, kann eine Einstellung an einem anderen Ort euch erfüllen. Sollte es euch nicht gefallen, könnt ihr immer noch zurückkehren, vielleicht sogar mit einer beruflichen Erfahrung, die euch einen Job in eurer Heimat verschafft. Wenn alles nichts hilft, könnt ihr überlegen, ob ihr eine ganz andere Richtung einschlagen und vielleicht eine Ausbildung oder eine anderes Studium absolvieren wollt. 

Keine Angst einjagen lassen

Ihr solltet euch aber in keinem Fall zu viel Angst einjagen lassen. Seit fünfzig Jahren liegt die Akademikerarbeitslosigkeit in Deutschland unter fünf Prozent, und die Wahrscheinlichkeit, dass sich das in der nächsten Zeit verschlechtert, ist eher gering. Die Arbeitslosenquote von Akademikern ist die niedrigste aller Qualifikationsgruppen. Jede Berufsgruppe ist unterschiedlich stark betroffen, was die Struktur der Wirtschaftskrise widerspiegelt. Mit höherer Arbeitslosigkeit machten sich in den letzten Jahren Krisenauswirkungen ebenso im Medienbereich bei Redakteuren und Journalisten, aber auch bei Juristen, Wirtschaftswissenschaftlern und Geisteswissenschaftlern bemerkbar. Weiter zurückgegangen ist dagegen die Arbeitslosenzahl bei Sozialarbeitern, Ärzten, Apothekern und Therapeuten. Kaum verändert hat sich die Arbeitslosigkeit bei Naturwissenschaftlern und Lehrkräften.

Wenn ihr ein bisschen flexibel in der Spezifizierung, dem Ort und vielleicht der Branche seid, euch Mühe gebt und Ausdauer zeigt, findet ihr mit ziemlicher Sicherheit einen Job, der euch gefällt. Im Studium dürftet ihr gelernt haben, dass euch nichts in den Schoß fällt – und das ist im Arbeitleben leider auch so.


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