Berliner Studenten starten Diskussionsportal „Direkt zu Wulff“

von Martin Przegendza
Auf Direkt zu Wulff können Bürger Fragen an den Bundespräsidenten richten
Foto: Direkt zu Wulff

Bundespräsident Christian Wulff steht durch die Kredit- und Medienaffäre immer noch am Pranger der Öffentlichkeit. Weil er immer nur so viel zugibt, wie die neuesten Recherchen ergeben, haben die Studenten Tobias Röcker und Patrick Tammer die Diskussionsplattform „Direkt zu Wulff“ gegründet.

Die Salamitaktik scheint sich während der politischen Krisen und Affären des vergangenen Jahres als Kommunikationsmittel bewährt zu haben. Karl-Theodor gab in der Plagiatsaffäre immer nur so viel zu, wie die Öffentlichkeit bereits wusste. Geholfen hat es ihm nicht. Er musste als Verteidigungsminister seinen Hut nehmen. Ob Bundespräsident Christian Wulff ein ähnliches Schicksal widerfährt, ist ungewiss. Seine scheibchenweisen Eingeständnisse in der Kredit- und Medienaffäre sorgen weiterhin für Unmut in der Bevölkerung.

Auch Tobias Röcker und Partick Tammer sehen weiterhin Aufklärungsbedarf in der Causa Wulff. Die beiden Politikstudenten wollten aber nicht auf die nächste Wurstscheibe warten und haben die Internet-Initiative „Direkt zu Wulff!“ gestartet. „Die Idee entstand in den Weihnachtsferien“, sagt Tammer im Gespräch mit UNICUM.de. „Wir haben nach einem Weg gesucht, der Klarheit schafft und die Fragen der Bürger direkt beantworten kann.“ 

Ein neuer Stil der politischen Kommunikation

Auf dem Portal können Bürger ihre Fragen direkt an den Bundespräsidenten stellen. Dort werden sie nach Themen zusammengefasst und strukturiert. Nutzer können die Fragen einsehen und bewerten. Am Ende der Woche werden dann die drei bestbewerteten Fragen an das Bundespräsidialamt weitergeleitet. „Uns wurde telefonisch zugesichert, dass Bürgeranfragen beantwortet werden“, sagt der 20-Jährige. Die Antwort soll dann unter der Frage eingefügt werden, wo sie weiter kommentiert werden kann. 

Obwohl die beiden Politikstudenten Mitglieder der Grünen sind, geht es ihnen nicht um Parteipolitik. „Wir sind beide der Meinung, dass der Bundespräsident in der Bringschuld ist, Klarheit in der Sache zu schaffen. Die Onlineplattform bietet hier ja auch Herrn Wulff die Möglichkeit, Licht ins Dunkel zu bringen.“ Im Kern gehe es Tammer und Röcker, die beide im dritten Semester Politik an der FU Berlin studieren, darum, einen neuen Stil der politischen Kommunikation“ publik zu machen. Sie wollen direktere Kommunikationswege zu unseren Volksvertretern schaffen. „Unabhängig von aller aktuellen Kritik möchten wir die Chance bieten, Vertrauen wiederherzustellen.“ Das Web 2.0, mit seinen partizipatorischen Möglichkeiten, sei hierfür ein ideales Mittel.

Ganz neu ist die Idee nicht. Schon vor „Direkt zu Wulff“ existierte mit „Direkt zur Kanzlerin“ eine Diskussionsplattform mit derselben technischen Grundlage. „Die Software stammt von der Firma relevantec. Wir kennen die Gründer persönlich, da sie Absolventen der Freien Universität Berlin sind“, erklärt Tammer. „Sie haben uns bei der technischen Realisierung der Initiative geholfen.“ Im Gegensatz zur bereits etablierten Webseite Abgeordnetenwatch.de, auf der Bürger Abgeordnete befragen können, setzen die „Direkt zu“ Plattformen auf die Bündelung von Fragen und Anliegen. Politiker können sich nicht aussuchen, auf welche Frage sie antworten und auf welche nicht. Alleine der Zuspruch der Öffentlichkeit zählt.

Wulff lehnt Rücktritt weiterhin ab

Wie lange die Bürger noch Fragen an den Bundespräsidenten Christian Wulff stellen können, ist ungewiss. Trotz des immensen öffentlichen Drucks lehnt Wulff weiterhin einen Rücktritt ab. Laut „Bild am Sonntag“ soll er bei einem Neujahrsempfang für seine Mitarbeiter gesagt haben, dass die Krise „in einem Jahr vergessen und dieses Stahlgewitter bald vorbei ist.“ Unterdessen demonstrierten am Samstag 400 Bürger vor dem Schloss Bellevue. In Anlehnung an die arabische Geste hielten sie neben Plakaten auch ihre Schuhe in die Luft – ein Zeichen der Verhöhnung und tiefen Verachtung. Organisiert wurde die Aktion übrigens im Web: auf Facebook. 

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