Castor-Demonstrationen im Wendland

- Alle Bilder | Nina Weymann-Schulz
Tausende Atomkraftgegner kamen ins Wendland. Friedliche Demonstrationen und illegale Aktionen fanden am letzten November-Wochenende in der Region um Gorleben statt.
Der endlose Konvoi von Traktoren knattert über die Allee zwischen winterlichen Feldern. Vom Straßenrand umjubeln sie Demonstranten mit rot-gelben Flaggen. „Atomkraft -Nein Danke“ ist die Botschaft. 400 Traktoren und rund 8.000 Atomkraftgegner nehmen am Konvoi und Sternmarsch zur Auftaktkundgebung in Dannenberg teil.
„Es war uns schon immer klar, dass das Scheiße ist“
Sophia (26) ist aus Hannover angereist. Sie demonstriert hier mit Geschwistern und Cousins. Ihre ganze Familie kommt aus dem Wendland. „Wenn man in Dannenberg groß wird, wird man mit dem Castor Protest groß“, erzählt die Innenarchitektur-Studentin. Gerade hat sich die ganze Truppe mit schrillen Tröten ausgestattet. Ihre Eltern waren von Anfang an dabei. Seit über 30 Jahren versuchen sich Anwohner gegen die Endlagerung von radioaktivem Material in ihrer Region zu wehren. „Es war uns schon immer klar, dass das Scheiße ist“, sagt Sophia am Rande der Großkundgebung. Das „Berlin Boom Project“ spielt Reggae Hymnen. Danach kommen Betroffene aus Fukushima auf dieBühne. „Ich konnte es nicht verhindern und meine Kinder davor bewahren“, appelliert eine von ihnen.
„Schön, dass ihr da seid.“
Zur selben Zeit hat Nick Neufeld (24) ein anderes Gesicht der Anti-Atom-Bewegung erlebt. Der Fotografiestudent war an den Gleisen für die Berichterstattung unterwegs. Immer wieder kommt es neben den friedlichen Demos auch zu illegalen Blockaden und Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei. „Das war heute viel Laufen durch den Wald und Suchen nach guten Bildern“, erzählt er etwas enttäuscht. Er ist dieses Wochenende in einer Scheune im Wendland untergekommen. Hier sortiert er seine Fotos, wenn er nicht gerade bei Aktionen mit der Kamera dabei ist. Viele Hofbesitzer bieten Schlafplätze und warmes Essen an. „Schön, dass ihr da seid.“ steht auf Aushängen.
Sie stehen staunend am Straßenrand
Es ist beeindruckend wie sich die Wendländer engagieren und wie entschlossen sie gegen das Endlager protestieren. Sie stehen staunend am Straßenrand und winken dem langen Traktorenkonvoi zu. „Ich glaube, das waren jetzt schon über 400“, sagen sie und sehen sie den Fahrzeugen nach. Sie sind erstaunt und gleichzeitig ein bisschen wehmütig. Bald sind Demonstranten, Fotografen und Polizisten weg. Das Wendland wird wieder zu einer strahlenden Idylle.




















