Der Schnitt macht den Film
Deutsche Film-Studentin gewinnt beim internationalen Mishmash-Wettbewerb

- Foto: Thinkstock - Hemera
... Licht, Kamera – und Action! Nach dem Dreh eines Films geht die Arbeit im Schneideraum erst los. Linda Bosch ist dann in ihrem Element: sie studiert an der Filmakademie Baden-Württemberg Schnitt & Montage. Die 28-Jährige hat bislang nicht nur an zahlreichen Filmen mitgewirkt, sondern mit ihrem Können und ihrem Talent weltweit Preise eingeheimst. UNICUM.de hat mit Linda über ihr spannendes Studium gesprochen und zeigt ihr Sieger-Video "Passion".
Berufswunsch Editing
Abitur, eine Ausbildung zur Medienassistentin für Bild- und Tontechnik, ein Praktikum bei einem Filmunternehmen, Schnittassitenzen und seit 2009 das Schnitt-Studium: so lässt sich der berufliche Werdegang von Linda Bosch kurz zusammenfassen.
Mit ihrer Leidenschaft für den Filmschnitt hat die gebürtige Stuttgarterin schon bei zwei Wettbewerben überzeugt. 2010 wurde Linda Zweite bei der "Slamdance/Adobe Re-Cut Competition" in Utah/USA, in diesem Jahr überzeugte sie die internationale Jury des Video-Remix-Wettbewerbs "Mishmash": Bei dem von Getty Images initiierten Wettbewerb konnte sie mit dem Video "Passion" als bester deutscher Beitrag punkten.
Im Interview

- Linda Bosch | Foto: Privat
UNICUM: Wie ist die Idee zu deinem Clip "Passion" entstanden?
Linda Bosch: Ich wollte etwas Dynamisches, Schnelles, mit viel Bewegung machen. Da lag Sport schon sehr nah. Eine große Herausforderung war die einzelnen Sportarten sinnvoll miteinander zu verbinden, so dass diese selbst in den Hintergrund treten und die Leidenschaft der Sportler verdeutlicht wird. Nicht was man macht zählt, sondern wie man es macht.
Was ist das Besondere an „Passion“?
Mir gefällt besonders der Rhythmus und das Tempo des Clips. Durch die Verknüpfungen der Bewegungen entsteht der Eindruck, dass die Sportler, obwohl sie alle was anderes machen und an unterschiedlichen Orten sind, etwas gemeinsam haben, was sie verbindet.
Wie bist du bei der Arbeit zu deinem Video vorgegangen?
Das ganze Material stammt von Getty Images, es war sehr zeitintensiv in dem Angebot die richtigen Clips zu finden. Nachdem das Konzept da war, konnte ich jedoch gezielt suchen. Da ich im Schnitt normalerweise Material angeliefert bekomme, war es toll sich diesmal selbst aus dieser riesigen Auswahl an Bildern zu bedienen.
Hast du mit dem Erfolg bei dem Wettbewerb gerechnet?
Nein, überhaupt nicht. Es waren ja fast 300 Einsendungen und ich habe meinen Beitrag zudem erst 10 Minuten vor der Deadline eingereicht und hatte somit kaum mehr eine Chance auf den Publikumspreis. Der wurde über ein Online-Voting bestimmt. Und einige Clips hatten schon mehrere hundert Stimmen. Umso mehr habe ich mich dann über den Jurypreis gefreut.
Du studierst an der Filmakademie Baden-Würtemmberg Schnitt/Montage. Inwiefern hat dir dein Studium bei der Arbeit an "Passion" geholfen?
Bei jedem Projekt, das ich schneide, fließen die Erfahrungen, die ich bei anderen Projekten gesammelt habe, mit ein. Ich habe schon einmal einen Film geschnitten, bei dem eine Balletttänzerin mit einem Snowboarder "tanzt". Das war sicherlich von der Thematik ähnlich und hat mir beim Schneiden von "Passion" geholfen.
Würdest du deinen Studiengang anderen empfehlen?
Wenn jemand die Leidenschaft hat, Filme zu machen, dann kann ich es nur empfehlen. Man wird in dem Studium sehr gefordert und braucht viel Ausdauer und die Bereitschaft, eigentlich immer zu arbeiten. Der Studiengang "Schnitt/Montage" ist sehr praxisorientiert – das ist super, bedeutet aber auch, dass am Wochenende und an freien Tagen das erledigt werden muss, was man unter der Woche wegen des Unterrichts nicht mehr geschafft hat. Die Ausbildung ist wirklich sehr intensiv und man lernt jeden Tag etwas Neues. Als Schnittstudent muss man im 2. Jahr am analogen Schneidetisch einen 16mm-Film schneiden: Diese Chance bekommt man sonst kaum noch. Das ist eine wahnsinnig lehrreiche Erfahrung und ist überhaupt nicht mit dem digitalen Schnitt am PC zu vergleichen.
Welche beruflichen Ziele verfolgst du nach dem Studium?
Am interessantesten wäre es für mich, später Kinofilme zu schneiden. Allerdings versuche ich zum Beispiel auch viel für die Werbung oder das Fernsehen zu arbeiten. Vielseitigkeit ist in diesem Beruf sehr wichtig und macht den Job auch sehr abwechslungsreich.
Was wird man als nächstes von dir sehen?
Da unser Studium so praxisorientiert ist, entstehen einfach viele Filme. Das nächste Projekt, das ich schneide, wird ein szenischer Kurzfilm werden. Es geht um den Fahrer eines Geldtransporters, der von seinem Bruder überfallen wird. Das spannend un beinhaltet auch ein wenig Action. Darauf freue ich mich schon: auch, weil es mich beim Schneiden wieder vor neue Herausforderungen stellt. Infos dazu findet ihr übrigens unter www.indiegogo.com/brueder-brothers
Am Mishmash-Wettbewerb dürfen nur Videos teilnehmen, die unter Verwendung des Materials von Getty Images erstellt werden. Die Einsendungen werden von Experten beurteilt. Es wird ein globaler und ein europäischer Sieger sowie der beste Beitrag aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gekürt. Zudem findet ein öffentliches Voting statt: wer hier die meisten Stimmen bekommt sichert sich den Publikumspreis. Weitere Infos: mishmash.gettyimages.com









