"Die Muse des Mörders": Zwei Studentinnen schreiben Krimi-Remake
Die Autorinnen mit Hang zum Abgründigen im UNICUM Interview
Nadine d'Arachard und Sarah Wedler studieren Sozialwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum und haben gerade ihrer Bachelorarbeiten abgegeben – Sarah: Helden und Bösewichte in Hollywoodfilmen und die dahinter stehenden Männlichkeitskonzepte; Nadine: Vergleich und Analyse von „Twilight“ und „Feuchtgebiete“. Noch spannender ist, dass die beiden Schriftstellerinnen sind, die sich gerade über das Erscheinen ihres ersten Romans freuen konnten.
Mit „Die Muse des Mörders“ legen die an menschlichen Abgründen aller Art interessierten Autorinnen einen trotz des Remake-Charakters eigenständigen Krimi vor. Die Geschichte geht auf eine rätselhaften Mordserie im Paris des 17. Jahrhunderts zurück, ist jedoch hier in die heutige Zeit versetzt und inhaltlich weit über das Originalstück aus dem 19. Jahrhundert hinaus erweitert. UNICUM sprach mit Nadine d’Arachard und Sarah Wedler über ihr Buch, das Schreiben, das Studieren und die Zukunft.
Euer gerade erschienener Kriminalroman „Die Muse des Mörders“ ist angelehnt an einen der ersten deutschsprachigen Krimis, wenn man so will, nämlich die Novelle „Das Fräulein von Scuderi“ von E.T.A. Hoffmann aus dem Jahr 1819. Wer hatte die Idee zu diesem „Remake“?
Nadine d’Arachart: Das war Bernhard Salomon, der Chef des Labor-Verlags, der unser Buch nun herausgegeben hat. Er saß in der Jury eines Kurzgeschichten-Wettbewerbs, an dem wir teilgenommen hatten, und hat uns gefragt, ob wir nicht auch mal was Größeres machen wollten. Und kam dann mit dem Vorschlag, aus der Novelle von dem Fräulein von Scuderi einen Krimi zu machen. Wir kannten den Hoffmann-Text vorher gar nicht.
Wann habt ihr denn mit eurer „Muse des Mörders“ angefangen?
Sarah Wedler: Im Sommer 2010 haben wir den Vorschlag bekommen. Anfang 2011 haben wir dann angefangen, auch eine Recherchereise nach Wien gemacht. Und dann waren wir im Sommer 2011 im Prinzip schon fertig.
Hat dann der Verlag noch stark in euer Manuskript eingegriffen?
Sarah Wedler: Nein überhaupt nicht, das hat uns sehr gewundert. Es hieß nur, bringt noch ein paar Laptops und Twitter rein … An einer Stelle haben wir geschrieben: Da liegt Kies. Aber an dieser Stelle in Wien liegt gar kein Kies … Also wirklich nur Kleinigkeiten.
Ihr seid beide noch Studentinnen und studiert Sozialwissenschaft in Bochum. Wissen eure Kommilitonen überhaupt, was ihr so „nebenbei“ macht?
Sarah Wedler: Wir haben da gar keinen so großen Kontakt.
Kommt ihr denn neben dem Schreiben überhaupt noch zum Studieren?
Sarah Wedler: Wir haben jetzt gerade unsere Bachelorarbeit geschrieben!
Auch zusammen?
Sarah Wedler: Wir wollten, aber das darf man bei uns an der Uni nicht.
Wie funktioniert das eigentlich, zu zweit zu schreiben?
Nadine d’Arachart: Wir kennen uns schon seit Ewigkeiten und haben mit zwölf Jahren angefangen, zusammen zu schreiben. Deswegen kennen wir das gar nicht anders.
Sarah Wedler: Ich könnte gar nicht alleine schreiben.
Denkt ihr euch jeden Satz gemeinsam aus?
Sarah Wedler: Nein. Eine von uns schreibt einen Absatz, die andere guckt drüber, und am Ende vermischt sich das so, dass man nicht mehr sagen kann, wer was geschrieben hat.
Nadine d’Arachart: Das Grundgerüst stellen wir zusammen auf, aber nicht zu eng. Die Figuren charakterisieren wir auch zusammen.
Ich stelle mir das interessant vor, den Figuren Namen zu geben. Wie macht ihr das?
Sarah Wedler: Ich denk mir immer Namen aus, die sind dann blöd, und Nadine ersetzt sie durch andere. Bei der „Muse des Mörders“ war‘s jetzt ein bisschen anders, da sind wir nah am Original geblieben.
Der Trailer zu "Die Muse des Mörders":
Welche Autoren findet ihr denn gut oder habt ihr gerne gelesen?
Nadine d’Arachart: Wir haben früher beide Dean Koontz und Stephen King gelesen.
Sarah Wedler: Aber nur die alten Sachen!
Nadine d’Arachart: Mittlerweile lesen wir alles, was neu rauskommt, um zu wissen: Was schreiben die anderen? Da kann man immer was lernen.
Sarah Wedler: Man liest anders als früher, unter anderen Gesichtspunkten. Wenn man etwas gut findet, überlegt man gleich: Warum ist das jetzt so besonders gut? Und bei etwas Schlechtem genauso.
Seid ihr eigentlich schon Profis als Schriftsteller, also könntet ihr vom Schreiben leben?
Nadine d’Arachart: Nur von den Romanen im Moment noch nicht. Wir schreiben auch Artikel fürs Internet, wofür wir Geld bekommen.
Habt ihr berufliche Pläne, wollt ihr auf euer Studium aufbauen?
Sarah Wedler: Nein!
Nadine d’Arachart: Nein, das war nie so geplant. Das Studium wollten wir nur als zweites Standbein haben. Wenn es mit den eigenen Büchern nicht klappen sollte, dann wollen wir wenigstens als Lektorinnen arbeiten oder so.
Ihr habt auch schon einige Drehbücher geschrieben.
Sarah Wedler: Wir haben früher, als wir noch zu Schule gegangen sind, angefangen, Low-Budget-Filme zu drehen und haben dafür Drehbücher geschrieben. Dann haben wir aufgehört, die Filme zu drehen, und nur noch Drehbücher geschrieben. 2008 gab es einen Wettbewerb, da sollte es um etwas Umweltpolitisches gehen. Da haben wir dann über eine Bergarbeiterstadt in Peru geschrieben. Dieses Drehbuch liegt bei einer Produktionsfirma in Berlin, die versucht, das irgendwann umzusetzen.
Würde euch das reizen, mal einen Tatort zu schreiben?
Sarah Wedler: Ich habe noch nie einen Tatort gesehen …
Nadine d’Arachart: Das ist komisch: Unsere Drehbücher sind eher sozialkritisch und haben mit Krimi gar nichts zu tun.
Was wäre für euch schriftstellerisch ein Erfolg?
Nadine d’Arachart: Ich wäre zufrieden, wenn ich von der Schreiberei leben könnte.
Sarah Wedler: Ja.
Wie sehen denn eure konkreten Pläne für die nächste Zeit aus?
Nadine d’Arachart: Unser zweiter Roman kommt im Mai als E-Book heraus. Dieses Buch haben wir noch vor der „Muse des Mörders“ geschrieben. Das zweite Buch im Labor-Verlag wird dann wieder ein Remake, aber wir können noch nicht sagen, welches … Und im Moment sitzen wir schon an einem vierten Buch.
Noch ein Schlusswort, an die potentiellen Leser der „Muse des Mörders“?
Nadine d’Arachart: Die Leute sollen das Original nicht vorher lesen!
Sarah Wedler: Oder googlen!
Mehr zu den Autorinnen:
www.write-fever.de (Website der Autorinnen)
www.facebook.de/darachart.wedler
Nadine d'Arachart und Sarah Wedler:
Die Muse des Mörders
ISBN 978-3-902800-03-9
256 Seiten, ca. 20 Euro
www.labor-verlag.at











