Frau Schavan und die Plagiats-Vorwürfe: Was bisher geschah

Stellungskrieg / Warten auf Schiedsspruch der Uni Düsseldorf

von Stephan Hammers
Annette Schavan | Foto: Getty Images
Annette Schavan im Mai 2012 am Kabinettstisch | Foto: Getty Images

Ist Bundesbildungsministerin Annette Schavan zurecht Doktor der Philosophie oder muss sie ihren Titel abgeben? Diese Frage steht im Raum und kann wirksam nur von der Universität Düsseldorf beantwortet werden. Dort wird zurzeit die über 30 Jahre alte Arbeit überprüft. UNICUM fasst zusammen, was bisher geschah.

Verglichen mit der hitzigen, vor den Augen der Öffentlichkeit ausgetragenen Schlacht um den Doktortitel von Karl-Theodor zu Guttenberg ist die Auseinandersetzung von Annette Schavan und den „Plagiatsjägern“ ein kalter oder höchstens ein Stellungskrieg. 

Beide Seiten verharren auf ihren Positionen und warten auf den entscheidenden Schiedsspruch.  Den kann nur die Universität Düsseldorf  verkünden – wann das sein wird, ist noch nicht klar. Wir haben zur Übersicht noch einmal knapp zusammengefasst, was in Sachen Dissertation von Annette Schavan bisher geschah. 

1980 

Annette Schavan reicht eine Dissertation mit dem Titel „Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung“ bei der Universität Düsseldorf ein. Erstgutachter ist Proferssor Dr. Gerhard Wehle. Die Arbeit wird mit "magna cum laude" bewertet. Frau Schavan darf einen Doktortitel führen.

2011 

Nach den Plagiatsfällen von u.a. Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Europaabgeordneter Silvana Koch-Mehrin gerät auch die Dissertation von Annette Schavan ins Visier der Plagiatsjäger. Plagiatsjäger der Plattform VroniPlag (benannt nach Veronica Saß, der Tochter von Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber, deren Dissertation als erste untersucht und die schließlich ihren Doktortitel verloren hat) nehmen sich die Arbeit vor. 

Da die beanstandeten Fundstellen nur rund zehn Prozent der Arbeit ausmachten, entscheiden sich die Aktivisten, die Vorwürfe nicht auf ihrer Plattform zu veröffentlichen.

Martin Heidingsfelder, einer der Plagiatsjäger, führt die Untersuchungen auf der Seite SchvanPlag weiter. 

2012

Ende Mai sollen laut Heidingsfelder 110 der 350 Seiten der Arbeit Plagiate enthalten (Vgl. Suddeutsche.de, 30.5.2012). Frau Schavan wird vorgeworfen, bei sich selbst abgeschrieben zu haben, Zitate über Sekundärliteratur statt aus den Originalquellen zu referieren sowie fremde Formulierungen nicht als solche gekennzeichnet zu haben.

Frau Schavan sagt in einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ (27.05.2012): „Ich habe die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen erstellt … Ich kann gut das Ergebnis der Bewertung durch die Universität abwarten“.

Aktuell

Die Vorwürfe stehen im Raum, Frau Schavan hält still, die Universität untersucht. Wann das entscheidende Ergebnis bekanntgegeben wird, steht noch nicht fest.

 

Was sagt ihr zu der ganzen Sache? Diskutiert mit im Forum!


Inhalts-Schnipsel

Wer einen kleinen Einblick bekommen, möchte, was Frau Schavan in ihrer Dissertation geschrieben hat, hier eine der beanstandeten Stellen:

"Zum In-sein gelangt der Mensch nicht erst durch das Erkennen, im Gegenteil: nur weil ihm das Seiende bekannt ist, er darüber verfügt und damit vertraut ist in den verschiedensten Weisen des Besorgens, kann er sich auf das Erkennen einlassen. Erkennen setzt also immer schon den Bezug zur Welt voraus."

Vgl.: http://schavanplag.wordpress.com/2012/05/25/seite-33/


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