Google – Auf Nummer sicher
Dossier Internet-Sicherheit, Teil 5

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Am 1. März 2012 ändert Google seine Datenschutzbestimmungen. Das nehmen wir zum Anlass, um dem US-amerikanischen Unternehmen auf den Zahn zu fühlen: Was weiß Google über euch? Welche Datenschutz-Mechanismen stellt es zur Verfügung und wie könnt ihr diese nutzen?
Wo sich Internetnutzer in den 1990ern noch an elendig langen URL-Würmern abarbeiten durften, reicht heute eine kleine Suchanfrage bei Google. Aber Google ist weit mehr als eine Suchmaschine. Google-Services gehört heute so sehr zum Internetnutzer wie Nintendo- und Sega-Konsolen zum Kinderzimmer in den 90ern. Mit mehr als sechzig Services ist Google der EDEKA unter den Suchmaschinen. Gab es bis zu diesem Jahr noch mehrere dutzend Datenschutz- bzw. Nutzungsbedingungen für die einzelnen Services des Dienstleisters, wird es ab dem ersten März 2012 einheitliche AGBs und Datenschutzbestimmungen geben. Das erspart euch eine Menge Lese- und den Mitarbeitern von Google viel Arbeitszeit, da der Verwaltungssaufwand mit nur einem Dokument viel geringer wird.
Doch leicht haben es die neuen Datenschutzrechtlinien auf keinen Fall. Bereits im Vorfeld gab es von einigen Seiten heftige Kritik. Während Kurt Sagatz im Tagesspiegel schon nach Alternativen zu Google-Diensten sucht, bittet die „Artikel 29 Arbeitsgruppe“, ein unabhängiges Gremium von europäischen Datenschützern, den Internetdienstleister lediglich um Aufschub. Trotz der Bitte macht Google weiter wie geplant. Auch im eigenen Land regt sich der Widerstand. Die US-amerikanische Non-Profit-Organisation Electronic Privacy Information Center (EPIC) ist bestrebt, die Einführung von AGBs und Datenschutzbestimmungen notfalls auch per Gerichtsbeschluss zu stoppen. Das Verfahren läuft. Laut Heise wird Google nicht einknicken und die Aktualisierung aussetzen. Im Gegenteil: Man hat ein „erstklassiges Programm zur Einhaltung von Datenschutzgrundsätzen erstellt“ und ist zuversichtlich, dass AGBs und Datenschutzbestimmungen von einer externen Behörde bestätigt werden.
Die Aktualisierung der AGBs und der Datenschutzbestimmungen nehmen wir als Anlass, um Google auf den Zahn zu fühlen: Was weiß Google über euch und was geschieht mit euren Daten? Welche Datenschutz-Mechanismen stellt Google zur Verfügung und wie könnt ihr diese nutzen? Und die wichtigste Frage von allen: warum speichert Google überhaupt meine Suchanfragen?
Warum speichert Google meine Suchanfragen?
Am Anfang war die Suchmaschine. Google arbeitet beständig an der Verbesserung seiner Suchalgorithmen. Zu diesem Zweck speichert es alle Suchanfragen – seitdem Google ein großer Player auf dem Internet-Dienstleistungsmarkt ist, spielen auch Produktentwicklung und Werbeanzeigen eine Rolle. Das neueste Update des Suchalgorithmus „Search plus Your World“ soll die Ergebnisse der Suchmaschine noch mehr auf die Bedürfnisse seiner Benutzer anpassen.
Was weiß Google über mich?
Google weiß nur so viel von dir, wie du bereit bist zu teilen. Eine genaue Auflistung der Informationen, die Google von dir haben könnte – jeder nutzt die Google-Services im unterschiedlichen Maße –, findest du in den aktuellen Datenschutzbestimmungen.
Wie finde ich heraus, welche Google-Dienste ich benutze?
Wenn du vergessen hast, welche Google-Services du nutzt, hilft der Menüpunkt Dashboard. Dort findest du eine detaillierte Auflistung der Google-Dienste, die mit deinem Konto verknüpft sind. Das Dashboard ist ein zentraler Ort, um Einstellungen für Blogger, Kalender, Text & Tabellen, Google Mail und Picasa manuell zu verändern. Transparenz obsiegt! Nutzerführung ebenso!
Kann ich meine Google-Daten exportieren?
Via Google Takeout kannst du ein Archiv mit allen Daten anfordern, die mit deiner IP-Adresse oder deinem Google-Konto verknüpft sind. Takeout lässt sich auf einzelne Services beziehen, bietet aber auch ein Komplettarchiv an. Google Takeout bietet sich auch an, wenn du fortan eine andere Suchmaschine nutzen und auf deine Daten nicht verzichten möchtest.
Gibt es die Möglichkeit meinen Suchverlauf komplett oder nur teilweise zu löschen?
Ja, die gibt es. Über die Webprotokoll-Einstellungen lässt sich entweder der komplette Suchverlauf oder nur einzelne Suchaufträge löschen.

- Foto Google.com
Wie schalte ich personenbezogene Werbung aus?
Jeder mit einem Google Mail-Account weiß, dass für Google sämtliche Mailinhalte transparent sind und sie sogar in diesem – eigentlich privaten Umfeld – personalisierte Werbung anbieten. Das ist zumeist sehr ärgerlich, wenn man anhand seiner Suchbegriffe oder seiner Mailinhalte zum gläsernen Menschen wird. Abhilfe schafft der Anzeigenvorgaben-Manager, über den sich verschiedene Anzeigenformate deaktivieren lassen.
Für Google Mail: Anzeigenvorgaben -> Anzeigen in der Suche und Google Mail -> Deaktivieren
Für die Google Suche: Anzeigenvorgaben -> Anzeigen im Web -> Deaktivieren
Können meine Suchbegriffe von Dritten abgefangen werden?
Ganz einfach: ja! Dazu benötigen Hacker heutzutage lediglich ein Smartphone und die passende App. Eine unverschlüsselte Suche ist vergleichbar mit offenen Briefen, die von A nach B verschickt werden. Doch keine Panik: Der Suchverkehr zwischen deinem Computer und Google lässt sich verschlüsseln. Mit der verschlüsselten Suche surfst du auf der richtigen Seite.

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Google Chrome: Anonymes Browsen leicht gemacht
Eine zweite Möglichkeit seinen Suchverkehr zu anonymisieren, bietet der Google-Browser Chrome. Über „Google Chrome anpassen -> neues Inkognito Fenster öffnen“ gelangst du in den Inkognito-Modus, der verhindert, dass aufgerufene Seiten im Browser- oder Suchverlauf erscheinen. Zudem werden nach dem Schließen aller offenen Inkognito-Fenster keine anderen Spuren wie etwa Cookies auf deinem Computer gespeichert.
Anonymes Browsen einschalten: Google Chrome anpassen (Werkzeugsymbol oben rechts) -> neues Inkognito Fenster öffnen
Mehr Infos zum sicheren Surfen mit Google Chrome findest du hier.
Google Analytics deaktivieren
Mit dem Monitoring-Tool Google Analytics messen Homepage-Betreiber den Traffic auf ihren Seiten. Damit können sie herausfinden, wie oft bestimmte Artikel angeklickt und die eigene Seite besucht wird. Falls du als Homepage-Besucher anonym bleiben möchtest und nicht von Google Analytics erfasst werden möchtest, dann lässt sich Google Anlytics mit Hilfe eines Add-Ons deaktivieren.
Street View: Wie schütze ich Haus und Hof vor fremden Blicken?
Als Google den Service 2008 ankündigte, sorgten viele Bundesbürger dafür, dass ihr privates Anwesen auch privat bleibt. Zum Schutz der Privatsphäre werden Gesichter und Autokennzeichen seit 2008 automatisch unkenntlich gemacht. Wer verpasst hat, Waldis Hundehütte zu verpixeln, kann dies nachträglich tun. Die Unkenntlichmachung von Bildern kann an dieser Stelle beantragt werden.


