Hi Condi! Studenten auf Tuchfühlung mit Weltpolitikern
Campus Symposium in Iserlohn

- Foto: BiTS Iserlohn
Condoleezza Rice ist nicht allein. Auf jeden Fall nicht beim Campus Symposium der BiTS in Iserlohn. Denn hier referiert sie zusammen mit Ehud Olmert - ein besonderes Treffen im beschaulichen Südwestfalen, das komplett von Studenten organisiert ist.
Ein kurzes Tuscheln noch, bevor gespannte Stille das große Redner-Zelt erfüllt. Weltpolitik im Sauerland, das weiß jeder Zuschauer, gibt es nur ein Mal – im Jahr. Jetzt betreten Condoleezza Rice, ehemalige US-Außenministerin und Ehud Olmert, Ex-Premierminister Israels, zusammen die kleine Bühne und aus der Spannung wird Begeisterung. Denn diese Veranstaltung im pompösen Rahmen haben Studenten organisiert.

- Foto: BiTS Iserlohn
Weltpolitiker im Sauerland
Der ungewöhnliche Rahmen des Symposiums hält Condoleezza Rice und Ehud Olmert nicht davon ab, in die Vollen der politischen Statements zu gehen. So spricht Olmert deutliche Worte bezüglich des Vorgehens im Iran: „Ich verneine den Einsatz des Militärs nicht. So eine Aktion muss jedoch von den Vereinten Nationen und vor allem den USA akzeptiert werden. Es muss weltweites Einverständnis herrschen.“ Kurz vor den Wahlen in den USA bleiben auch Hinweise zu den Erwartungen an den nächsten Präsidenten nicht aus. Es müssten vor allem endlich Entscheidungen getroffen werden, betonte Rice mehrmals. Auch in diesem Punkt herrschte zwischen Rice und Olmert Einverständnis – sie seien alte Freunde, betonen sie. Dies spiegelte sich auch in der Atmosphäre des Gespräches auf der Bühne wieder, bei denen auch das Thema auf die aktuelle Lage Europas gelenkt wurde. Hier zeigte sich Rice besorgt: "Wir Amerikaner wissen, dass Europa unserer wichtigster strategischer Partner ist, deshalb beobachten wir mit großer Besorgnis, was hier auf diesem Kontinent passiert." Deutliche Worte zur Lage der Welt in der Kuschelatmosphäre einer Kleinstadt – das ist eine Besonderheit für alle Beteiligten.
Von Studentenhand gemacht
Klar ist, dass ein Event in dieser Größenordnung, mit über 1000 Gästen aus Wirtschaft und Politik, einen hohen Organisationsaufwand mit sich bringt. Eva Book, zuständig für Presse und Kommunikation, erklärt den Anspruch, der auf jeden Helfer zukommt: „Die Studenten haben das Ding in der Hand und sind auch verantwortlich dafür, dass es läuft.“ Neben 22 ehrenamtlichen Mitgliedern des Organisationteams helfen über 200 Freiwillige unter anderem als Chauffeure, Betreuer und Techniker aus. Darunter sind nicht nur Studenten der BITS, weiß der in Hagen studierende Jan. Er fährt in einem vom Sponsor gestellten Neuwagen die ankommenden Gäste und Referenten zum Campus Gelände. „Es ist eine gute Abwechslung und man lernt viele Leute kennen“, begründet er sein Engagement. Wenn er nicht fahren muss, kann er sich in den großen Zelten die Vorträge anschauen.

- Foto: BiTS Iserlohn
So betrachten viele Studenten ihre Arbeit beim Campus Symposium als eine gute Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen, die nach dem Studium nützlich sein können. Julia und Selina zum Beispiel: sie betreuen jeweils zwei Referenten, unter anderem Uwe Brinks von der Deutschen Post oder Frank Dopheide, der Chairman bei der Werbeagentur Scholz & Friends ist. Die Studentinnen sorgen dafür, dass die Vortragenden pünktlich zu ihren Terminen kommen und gut versorgt sind. Dass dort auch mal private Gespräche entstehen und Visitenkarten ausgetauscht werden, ist nicht selten. Julia ist positiv überrascht: „Es war viel entspannter als Gedacht.“, sagt sie über die Arbeit mit den Referenten. Eine aufregende Gelegenheit, um Kontakte zu schließen. „Und um auch mal hinter die Kulissen zu Blicken“, findet Selina.
Der Geschmack der weiten Welt
Ein leises und permanentes Klirren ist zu hören, als der deutsche Bundeswehr-Generalmajor Carsten Jakobson als letzter Redner am Abend spricht. Er war 2011 als Sprecher der ISAF tätig. Im großen Festzelt nebenan werden die Tische festlich eingedeckt, während der Kommandeur von den Schwierigkeiten der Berichterstattung und dem Einsatz in Afghanistan erzählt. Der glamourösen Veranstaltung des Abends, der Charlie-Award Verleihung, kann die Schwere des Themas jedoch nicht das Flair nehmen. Denn spätestens mit den ersten Schlucken des Sektes zum Abendempfang festigt sich der Geschmack der großen weiten Welt in aller Munde.
Wissenswertes
Die zweitägige Wirtschaftskonferenz „Campus Symposium“ in Iserlohn geht nun schon in die siebte Auflage. 2005 fand sich eine Gruppe von Studierenden der BiTS zusammen, die nicht nur die Theorie zur Praxis werden lassen wollte, sondern auch ihre Hochschule in die Öffentlichkeit bringen wollte. Und weil manchmal nur große Schritte schnell zum Ziel führend, wurde schon im zweiten Jahr Bill Clinton als Redner eingeladen, der prompt zusagte. Auch in den nachfolgenden Jahren konnte das Team neben zahlreichen anderen Rednern große Namen wie Kofi Annan, Tony Blair, Gerhard Schröder oder Al Gore für die Veranstaltung gewinnen. Die Finanzierung dieser Gäste und die großzügige Versorgung wird vor allem durch die großen und kleinen Sponsoren und den Preisen der Eintrittskarten ermöglicht. Die Spannung des Tages hält sich bin zum Abend, an dem die Charlie Award Verleihung stattfindet. In diesem Jahr geht der von einer studentischen Jury vergebene „Preis für Vorbilder“ der jungen Generation unter anderem an Rennfahrer-Legende Niki Lauda.









