Kissen im Gefühlsrausch
Noch keinen Uni-Abschluss in der Tasche und schon eine eigene Firma. Die drei Essener Wirtschaftsinformatik-Studenten Saulius Adamonis, Kai Tschirner und Kai Yu zeigen mit ihrem Online-Shop www.moodrush.de, dass es funktioniert. Ihr erklärtes Ziel: Die Smileys aus der digitalen Welt holen, damit sie auch in der Realität helfen, Gefühle ohne große Worte auszudrücken.
Angefangen hat alles in den Vorlesungen „E-Business“ und „E-Entrepreneurship“ von Prof. Dr. Kollmann an der Uni Duisburg-Essen. „Nachdem wir über die Möglichkeiten eines Start-Ups informiert wurden, sind wir auf den Geschmack gekommen“, berichtet Saulius Adamonis. Was zu dem Zeitpunkt noch fehlte, war die zündende Idee. Bei einem Streifzug durch ein Möbelhaus wurde das Team durch Zufall auf witzige Kissen aufmerksam. „Als wir die bunten Blumen sahen, hatten wir die Lösung gefunden“, sagt Kai Yu. Kennengelernt hat sich das Trio übrigens nicht in der digitalen Welt, sondern durch einen glücklichen Zufall auf dem Campus: „Ich wollte meine Mensa-Karte aufladen und habe Kai Yu gefragt, ob er mir meinen 10-Euro-Schein wechseln kann. Dann haben wir gemeinsam noch eine Zigarette geraucht und so hat sich das ergeben. Kai Yu hat dann später den anderen Kai mit ins Spiel gebracht“, erzählt Saulius Adamonis.
Anfang 2009 hat das Projekt Gestalt angenommen. Bei den Motiven war es den Firmengründern wichtig, von den klassisch gelben Smileys Abstand zu nehmen. „Schwarz ist neutraler und einfach trendy“, kommentiert Kai Tschirner, der die Designs am PC selbst entwirft. Nicht nur das Aussehen, auch der Name soll einer jungen Zielgruppe gerecht werden: „Selbst wenn das Wort ‚moodrush’ im Englischen nicht existiert, wird schnell klar, dass die Kombination ‚Gefühlsrausch’ bedeuten soll“, sagt Kai Yu. Das Firmenkonzept kam beim Lehrstuhl sofort gut an und plötzlich ging alles ganz schnell. Durch die Teilnahme am netSTART-Award, bei dem die „Moodies“ den dritten Platz einbrachten, wurden die Freunde „noch ’mal richtig gepusht“, verrät Saulius Adamonis. Die Idee sei deshalb so gut angekommen, weil es sich nicht nur um eine reine Online-Dienstleistung handle, sondern etwas „zum in der Hand halten“ sei. Noch vor dem Launch der Website im Mai 2010 konnte man mithilfe des netSTART-Teams erste Prototypen entwickeln und Testläufe auf anderen Plattformen starten. „Generell griff die Uni vor allem beratend unter die Arme und sorgte hier und da für das Schubsen in die richtige Richtung“, erklären die Jungs, die auf finanzielle Unterstützung verzichten mussten. Hierfür wäre die staatliche Exist-Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Forschung zuständig gewesen, für die die nötigen Voraussetzungen nicht erfüllt waren.
So musste das eigene Kapital ausreichen, wodurch anfangs alles noch sehr provisorisch war. „Um lange Lieferzeiten zu ersparen, bestellen wir die Moodies nicht einzeln beim Hersteller in China. Aus Platznot haben wir die heimische Garage zum Zwischenlager umfunktioniert und die eigenhändig gestopften Kissen einzeln zur Post gebracht“, klagt Kai Yu. Mittlerweile haben die Drei aber einen zuverlässigen Logistikpartner an ihrer Seite, der sich um Lagerung und Versand kümmert. Genug zu tun bleibt trotzdem noch. Zu meistern ist dies dank strikter Aufgabenteilung: Während sich Kai Tschirner um Design und Marketing kümmert, erstellt Kai Yu Statistiken und wertet Kundendaten aus. Saulius’ Spezialgebiet ist das Programmieren. Momentan muss moodrush.de noch als reiner Nebenjob betrachtet werden. So wird sich darum gekümmert, „wenn Zeit da ist“, sagt Kai Tschirner, der von seinen Kommilitonen als „nachtaktiv“ bezeichnet wird. Schließlich wollen sich alle drei erst um ihren Bachelor-Abschluss kümmern, der in Kürze ansteht.
Um allein von den Moodies leben zu können, müssen noch mehr Kissen unter die Leute gebracht werden. Ein großer Schritt in die richtige Richtung war dabei die Weihnachtszeit, in der dank passender Werbung ca. 300 Kissen verkauft wurden. Dies hat rund 50 Prozent des Jahresgeschäfts ausgemacht. Für die Zukunft arbeitet das Team daran, die Produktpalette noch zu erweitern. Außerdem soll bald jeder seine eigenen Schmusekissen kreieren können. Generell legt das Team viel Wert auf Kundennähe: „Uns ist wichtig, eine Vertrauensbasis herzustellen, schließlich handelt es sich um ein sehr emotionales Produkt“, verrät Kai Tschirner. Wenn alles gut läuft, wandern die Kissen bald aus der Online-Welt in die Kaufhausregale, um noch mehr Menschen in einen „Moodrush“ zu versetzen.










