Kunstprojekt: Student trug tausende Bienen auf seinem Kopf - Teil 2

Zuvor war Marlon Middeke bereits auf der Documenta in Kassel zu sehen

von Janina Finkemeyer
Ganz schön mutig - Student Marlon Middeke hatte tausende Bienen auf dem Kopf
Foto: Lionel Roux

Angst? Scheinbar ein Fremdwort für Marlon Middeke. Für ein Kunstprojekt von Pierre Huyghe hatte der Kasseler Student tausende Bienen auf seinem Kopf. Zuvor war er bereits auf der dOCUMENTA (13) in Kassel zu sehen.   

"Das hat sich fast so angehört wie ein Formel 1-Wagen, der direkt um meinen Kopf saust"

Wie war denn das Gefühl mit so vielen Bienen auf dem Kopf? Das ist sicher tierisch laut …

Das Summen der einzelnen Bienen ist zu einer riesigen Geräuschkulisse geworden. Das hat sich fast so angehört wie ein Formel 1-Wagen, der direkt um meinen Kopf saust. Irgendwie ganz lustig, aber ich musste mich wirklich sehr konzentrieren und ruhig verhalten.

Gab es gar keinen Schutz zwischen deinem Kopf und den Bienen?

Ich war schon ein bisschen geschützt, aber wie genau, das kann ich gar nicht sagen. Ich kann nur verraten, dass es definitiv kein Helm war.

Konntest du denn noch normal atmen?

Der Mund war die ganze Zeit geschlossen und ich musste durch die Nase atmen. Das Gute ist, dass Bienen es gar nicht mögen, wenn Luft irgendwo rauskommt. Deswegen konnte ich durch die Nasen atmen, ohne dass die Tiere sich in meine Nasenlöcher gesetzt haben.

Und was war mit den Ohren?

Da hatte ich so kleine Netze drüber, damit die Bienen nicht reinkriechen konnten.

"Ich sage selten nein zu neuen Sachen und gucke einfach was passiert."

Ganz schön mutig - student Marlon Middeke hatte tausende Bienen auf seinem Kopf
Marlon Middeke mit tausenden Bienen auf seinem Kopf - Foto: Linoel Roux

Wie sind die Bienen dann wieder von deinem Kopf runtergekommen? Das stell ich mir schon etwas riskant vor...

Das war kein Problem. Es gab einen Bienenkorb, über den ich meinen Kopf halten musste. Mit einem Besen hat der Imker die Bienen dann Stück für Stück ganz vorsichtig runtergefegt. Natürlich musste man sich auch wieder sehr ruhig verhalten, aber Sorgen habe ich mir nicht gemacht. 

Bist du immer so optimistisch?

Ich bin irgendwie sehr unverfroren mit allen Dingen die ich tue. Ich sage selten nein zu neuen Sachen und gucke einfach was passiert. Mit Optimismus oder Mut würde ich das gar nicht unbedingt in Zusammenhang bringen.

Das ist schon sehr mutig, schließlich laufen viele Menschen schon vor einer einzigen Biene davon.

Naja, ich wusste wie ich mich verhalten muss und der Imker war auch die ganze Zeit da. Zwar wurde ich zuvor auf der documenta schon ein paar Mal von den Bienen gestochen, aber das war nicht so schlimm. Für den Fall, dass was passiert, waren aber auch Mediziner vor Ort. Ich musste mir also keine Sorgen machen. In solchen Momenten denke ich nicht an die Sicherheitsrisiken, sondern einfach nur an das Positive an der ganzen Sache.

Würdest du so ein Projekt nochmal mitmachen?

Auf jeden Fall, obwohl es schon echt anstrengend war. Allein die volle Konzentration kostet viel Kraft und die Hitze war auch nicht ohne. Die Bienen erzeugen eine Temperatur von 37 Grad. Diese Hitze die ganze Zeit direkt auf dem Kopf zu haben, ist schon enorm kräftezerrend. Nach den Performances hatte ich auch immer leichte Kopfschmerzen.


Zur Person

Marlon Middeke (24) studiert Umweltingenieurwesen in Kassel. Sein Interesse für Kunst hat er von seinen Eltern geerbt, die Kunst studierten. Sein Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten war jedoch nicht groß genug, um selbst ein Kunststudium anzufangen. Nach den Projekten mit Pierre Huyghe hat er aber neuen Mut gefasst. Sein Umweltingenieurstudium hängt er bald an den Nagel, um sich doch für Kunst einzuschreiben.

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