Mit Pius Heinz und Boris Becker am Pokertisch

- Fotos: PokerStars.de
Wie ist das, wenn man überraschend zum Pokern gegen den Weltmeister aufgefordert wird? Christoph Köchy war für UNICUM bei der PokerStars European Poker Tour in Prag und schildert das Spiel seines Lebens.
Donnerstag: Ich stehe auf dem Absolventenkongress in Köln und unterhalte mich am UNICUM Stand. Aus dem Nichts fragt mich eine Kollegin: "Kannst du pokern?" Ich bejahe. Was heißt schon Können, das ist schließlich ein Glücksspiel, denke ich. "Gut, wir haben einen Startplatz beim Presseturnier der European Poker Tour in Prag. Ist übrigens schon Montag. Ich gebe mal deine Nummer weiter."
Zehn Minuten später klingelt mein Telefon: "Schön, dass Sie dabei sind, Sie spielen gegen die Pro Player Sandra Naujoks, Boris Becker und Pius Heinz. Bis Montag!"
Freitag: Oh Mann, als ich gestern sagte ich könne pokern dachte ich auch, ich spiele in lockerer Runde gegen ein paar Anfänger. Weit gefehlt. Sandra Naujoks hat 2009 die EPT Dortmund gewonnen, Boris spielt seit gut vier Jahren professionell und zu Pius Heinz muss ich glaube ich nicht mehr sagen als: Las Vegas, Weltmeister, Bracelet, 8,7 Millionen.
Sonntag: Habe einige Poker-Seiten durchgeklickt und fühle mich etwas sicherer. Grundsätzlich stimmen die meisten Experten darin überein, dass ein Anfänger durchaus in der Lage ist einen Profi zu schlagen. An einem Abend. An neun anderen würde er verlieren. Das macht Mut. Ich nehme mir vor, nur mitzuspielen wenn ich wirklich gute Karten habe. Nicht wie damals in der Studenten-WG als ein von mir mit viel Pathos ausgesprochenes All-In nur noch müde belächelt wurde.
Mit dem Kindheitsidol am Pokertisch
Montag: Ankunft in Prag. Ich schlendere zu Fuß Richtung Hilton und nehme von der Schönheit der Stadt wenig wahr. Meine Gedanken drehen sich nur noch um das richtige Blatt. Und um Boris Becker. Ich bin 1980 geboren worden und mitten im Tennis-Boom groß geworden. Stundenlang habe ich vor dem Fernseher mitgefiebert und gelitten, wenn Boris wieder einmal gegen Brad Gilbert verzweifelte. Brad hat später ein Buch über mentale Kriegsführung im Tennis geschrieben: Winning Ugly. Mein Motto für den Abend steht.
Vor Ort werfe ich einen Blick ins Casino. Wahnsinn. Rund 100 Tische, 700 Teilnehmer und ein omnipräsentes Klicken. Immer wieder lassen die Spieler ihre Chips durch die Hände gleiten, quasi eine bewusstseinserweiternde Übung oder einfach nur cool, weil es Pius Heinz und Co. auch so machen.
Den Weltmeister himself treffe ich wenig später bei der Pressekonferenz. Nachdem der tschechische Kollege neben mir seine 22 Fragen zu Martin Staszko losgeworden ist, stelle ich die für den UNICUM Leser entscheidende Frage: "Welches Fach muss man studieren, um mit Pokern reich zu werden?" Pius studiert Wirtschaftspsychologie und sieht es als einen Faktor für seinen Erfolg. Mathe empfiehlt er noch, denn es geht ja nicht um Glück, sondern um Wahrscheinlichkeiten. Er hat bei der Weltmeisterschaft immer versucht seine Emotionen außen vor zu lassen und nur seine Strategie zu verfolgen.
Vorsicht vor der "Black Mamba"
Zu guter Letzt klärt er uns noch auf, dass die Geschichte über sein Training mit einem FBI-Profiler Quatsch ist, seine Eltern nicht besonders religiös sind, sondern den Namen Pius einfach mochten und er nach 20 Tagen froh ist, endlich mal wieder spielen zu können. Ziemlich sympathisch, der Pius. Und erstaunlich souverän, was den Haufen Kohle angeht, der da auf seinem Bankkonto gelandet ist. Ausgegeben hat er davon übrigens noch gar nichts.
Zurück zum Wesentlichen, das Presseturnier beginnt. Ich sitze neben Sandra Naujoks, sichtlich beneidet von den acht anderen Männern am Tisch. Mir persönlich ist die zugegebenermaßen hohe Attraktivität erstmal egal, ich will ja gewinnen. Werde also auf die "Black Mamba" neben mir aufpassen und mich möglichst nicht beißen lassen. Sandra lässt es ohnehin ruhig angehen und interessanter als die ersten Hände ist die Information, dass Pius sehr, sehr viele Facebook-Nachrichten von weiblichen Fans bekommt. Wir sind uns alle einig, dass das nichts mit den 8,7 Mio. Dollar zu tun hat.
Nachdem ich die ersten fünf Blätter gefoldet habe, bekomme ich zwei Damen. Jetzt gilt es. Nach dem Turn steigen alle aus und ich bin das erste Mal Chip Leader. Ich zwinge mich ruhig zu bleiben und schmeiße wieder ein paar mittelmäßige Hände weg. Während Boris von seiner Finca in Spanien erzählt bekomme ich Bube und 8 Pik. Kein Selbstgänger aber ich will ja auch mal wieder mitspielen. Ich setze 200 und lasse mich auch nicht beirren als der Kollege vom SID nach 45 aktionslosen Minuten das erste mal erhöht. Ich gehe mit und verliere. Prompt werde ich von Sandra vorsichtig kritisiert und gelobe Besserung.
Anna gegen Asse
Es folgt die entscheidende Szene: Ich bekomme "Pocket Kings" und setze. Nur der tschechische Kollege, der bisher mit stoischer Ruhe alles weggeworfen hatte, geht mit. Mir egal, ich habe zwei Könige und fühle mich wie einer. Der Flop gibt wenig her: 7, 9 und Dame. Keine Flush-Gefahr. Ich setze erneut, er geht mit. Die weiteren Karten helfen auch nicht weiter und ich setze die Hälfte meiner Chips. Der Showdown ist ein Tritt dahin, wo es sehr weh tut. Der Kollege legt zwei Asse auf den Tisch und streicht den bisher größten Pot des Abends ein. Verdammt.
Direkt im Anschluss bekomme ich Ass Bube suited. Nur Boris und ich sind dabei und da der Flop nichts hergibt, gehe ich All-In. Boris schaut mir tief in die Augen und fragt: "Soll ich?" Ich wünsche es mir, gebe aber lässig zurück: "Besser für dich, wenn du aussteigst." Boris ist niemand, den man mal eben so besiegt. Er grinst und legt Ass König auf den Tisch. Genau die Hand, mit der Pius Weltmeister wurde. Anna Kournikova wird sie genannt, sieht gut aus, gewinnt aber selten. Für mich reicht es und ich bin raus. Kurz nach mir erwischt es aber auch Pius und so kann ich erhobenen Hauptes in die Redaktion zurückkehren.
Fazit:
Jede Menge Spaß mit dem besten Pokerspieler der Welt und Kindheits-Idol Boris Becker. Ich fühle mich als Gewinner.
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