Mit Tunnelblick zur EM

- Foto | Bilfinger Berger
Nicht nur die Jungs von Jogi Löw arbeiten bereits hart für eine erfolgreiche Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Wenn ab dem 8. Juni die Kugel rollt, hat ein junger Ingenieurstudent in Polen seinen Job bereits erledigt.
Julian Surdykowski kann stolz behaupten, seinen Beitrag zu einem gelungenen Turnier geleistet zu haben. Vor 18 Monaten hatte der polnische Studierende der Technischen Universität Warschau bei der polnischen Niederlassung Bilfinger Bergers als Werkstudent angeheuert, pünktlich zum Baubeginn eines über einen Kilometer langen Straßenbahntunnels zum Hauptstadt-Flughafen.
Der internationale Dienstleistungs- und Baukonzern, der in Vorbereitung des Fußballspektakels im Auftrag der polnischen Regierung verschiedene Infrastrukturprojekte realisiert, setzte den 28-Jährigen vor Ort im Baubüro ein. Sein Aufgabenspektrum dort sei beachtlich, berichtet Julian: „Vom Verfassen von Ausschreibungen einzelner Bauabschnitte über das Anfertigen von Konstruktionszeichnungen bis zur konkreten Bauüberwachung durfte ich mich an verschiedensten Stellen einbringen.“
Vor allem seine theoretischen Kenntnisse als Projektmanager, die er aus seinem Zweitstudium an der Handelshochschule Warschau mitgebracht hatte, konnte er hier praktisch erproben. „Mitarbeiter motivieren zu können habe ich beispielsweise erst in der Praxis als die entscheidende Fähigkeit kennengelernt, die sie ist.“
500 Praktikanten und Werkstudenten europaweit im Einsatz

- Foto | Bilfinger Berger
Auch wenn ihn der Vollzeitjob während des Studiums sehr gefordert hat, ist er froh, die Entscheidung für den frühzeitigen Praxiseinstieg gefällt zu haben. „Solche praktischen Erfahrungen schon während des Studiums zu sammeln, ist unendlich wertvoll – selbst wenn die Doppelbelastung einen zwischendurch klar an die Grenzen bringt.“
Harald Möller, ehemaliger Vorsitzender der Geschäftsführung von Bilfinger Berger Building Polska, hat die Ausschreibungsphase der EM-Fußballstadien und mehrerer Infrastrukturprojekte hautnah miterlebt. Mittlerweile verantwortet der Bauingenieur von Deutschland aus das Hochschulmarketing des weltweit operierenden Konzerns. Die Betreuung von Studierenden fällt in seinen Bereich. Rund 500 Praktikanten und Werkstudenten sind derzeit europaweit im Einsatz. „Bei großen Bauvorhaben lernen Studierende innerhalb eines Projektes vom Tiefbau bis zum Hochbau die verschiedensten Bauverfahren kennen“, erläutert Möller.
Sie sind von der Gründung bis zur schlüsselfertigen Übergabe dabei, kommen mit Management-, Controlling- und Reporting-Aufgaben in Kontakt und werden in schnittstellenübergreifende Prozessabläufe involviert. „Den Einsatz von Studierenden in Großprojekten, wie beispielsweise den Infrastrukturprojekten in Polen, halte ich deshalb für überaus vorteilhaft.“
Seiner Erfahrung nach gibt es einen idealen Zeitpunkt, um während des Studiums in die Praxis einzusteigen. „Im Bachelorstudium empfiehlt sich der Einstieg im fünften Semester, im Masterstudium gleich zu Beginn“, verrät Möller. Die Dauer der Praxisphase können die Studierenden zwar grundsätzlich selbst bestimmen, sinnvoll seien Praktika aber erst ab acht Wochen.
Für Julian Surdykowski haben sich die eineinhalb Jahre als Werkstudent jedenfalls mehr als gelohnt: Bilfinger Berger ließ den Studierenden seinen Masterabschluss über die Stahlkonstruktion einer Fußgängerbrücke machen, auf der Fußballfans sicher über den Hauptstadtfluss Weichsel gelangen werden. Aber was noch viel wichtiger ist: Der Baukonzern hat ihn nach seinem erfolgreichen Abschluss in eine Festanstellung übernommen. Darüber ist der junge Pole sehr glücklich – und zufrieden damit, dass sich sein Arbeitsschwerpunkt zukünftig aus dem Büro auf die Baustelle verlagern wird, die Büroaufgaben übernehmen neue Werkstudenten.
Die „noble Auszeichnung“, die Fußballeuropameisterschaft im eigenen Heimatland mit vorbereiten zu dürfen, schmückt seine Karriere als Sahnehäubchen.
Kurz & kompakt

- Foto | Bilfinger Berger
- In Warschau, dem Ort des Eröffnungsspiels der Fußball-EM, modernisierte Bilfinger Berger die Infrastruktur rund um das Stadion, wie Bahnhöfe,
Tunnel und Brücken. - Für den Baukonzern sind rund 500 Praktikanten und Werkstudenten im Einsatz.
- Für die 3.000 Freiwilligen-Jobs rund um die Europameisterschaft haben sich Fußball-Fans aus der ganzen Welt beworben, wie etwa aus Nepal, Ghana und Costa Rica.









