Nur noch "Frau Schavan"

Bundesbildungsministerin entdoktort

Annette Schavan verliert ihren Doktortitel. | Foto: Getty Images
Annette Schavan verliert ihren Doktortitel. | Foto: Getty Images

"Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat heute die Entscheidung getroffen, die schriftliche Promotionsleistung von Frau Schavan für ungültig zu erklären und ihr den Doktorgrad zu entziehen."

So die Aussage des Dekans der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf am Abend des 5. Februar, nachdem der Fakultätsrat getagt hatte. Ein langes Hick-Hack findet damit zumindest sein vorläufiges Ende - mit schlechtem Ergebnis für die unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel, als deren Vertraute Schavan gilt, stets unterstützen Bundesministerin.

Genugtuung verspüren unter anderem die Plagiatsjäger von VroniPlagWiki, die per Twitter mitteilen: "Uni-D-Dorf ist zu danken. Das Vertrauen in die Wissenschaft kehrt zurück".

Seiner Sache sicher, erklärt der Dekan für den Fakultätsrat, dass kein "zusätzliches auswärtiges Gutachten nötig ist". Dem Argument der Schavan-Verteidiger, vor 30 Jahren hätten andere Zitierstandards gegolten, wurde eine Absage erteilt. Das Kennzeichen eines Plagiats sei damals wie heute die "nichtgekennzeichnete Übernahme fremder Texte".

Mit 13 zu zwei Stimmen bei einer Enthaltung sah der Fakultätsrat den Tatbestand der "vorsätzlichen Täuschung durch Plagiat" als gegeben an - damit ist der Doktortitel, den Annette Schavan ausgerechnet mit einer Arbeit über "Person und Gewissen" erlangte, nach mehr als 30 Jahren futsch.

Die Ministeriums-Website war am Abend noch nicht aktualisiert. Schavans Anwälte erklärten, die Ministerin wolle gegen den Titel-Entzug klagen. 

Doktortitel weg, Amt aufgegeben

Was daraufhin folgte, ist der bedauerliche Rücktritt der Bundesbildungsministerin. Am Samstagnachmittag zog Annette Schavan die Konsequenzen aus der Aberkennung ihres Doktortitels und verkündete gemeinsam mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel diesen unvermeidlichen Schritt. Weiterhin betonte Schavan nochmals ihre Bereitschaft gegen die Aberkennung juristische Schritte einzuleiten. Ein Kampf, den sie allein für ihre wissenschaftliche Reputation führen wird. Am Verwaltungsgericht Düsseldorf ist nun ihre Klage (Aktenzeichen 15 K 2271/13) eingegangen, wobei sich der Prozess hinziehen dürfte. Die durchschnittliche Klagedauer beträgt rund elf Monate.

Ganz unbegründet scheint die Aussicht auf Erfolg nicht zu sein, obwohl bisher noch kein Gericht einen Titelentzug durch eine Fakultät rückgängig gemacht hat. Doch Restzweifel bleiben auch nach dem Urteil des Fakultätsrates bestehen. So ist die Doktorarbeit nicht eindeutig lediglich zusammengeschrieben worden. Auch wenn es damals klare Leitlinien für die Verwendung von Zitaten gab, so fehlte an dieser Stelle die Sorgfaltspflicht der Prüfer. „Selbstkritisch konstatiert zwar die Fakultät, dass es in ihrer Geschichte immer wieder in einzelnen Bereichen oder bei einzelnen Personen Defizite in der Betreuung oder in der Prüfung von Dissertationen gegeben haben kann.“ Mit dieser offiziellen Erklärung vom 5. Februar 2013 macht es sich die Universität Düsseldorf jedoch zu einfach. Klar ist: Ein Plagiat ist ein Plagiat - ob vor 30 Jahren oder einem Monat begangen. Doch haben die Prüfer ebenfalls eine Verantwortung zu tragen, der sie sich nicht so leicht entziehen können sollten. Aber dieser Disput wird vor Gericht zu entscheiden sein.

Neubesetzung

Bis zum Ende der Legislaturperiode ist bereits eine Nachfolgerin für das Ministeramt gefunden: Johanna Wanka. Für sieben Monate wird sie Schavans Arbeit aufnehmen und wahrscheinlich keine großen Bildungsthemen zur Diskussion stellen. Die Plagiatsjäger werden derweil trotzdem mit den Hufen scharren, um die Doktorarbeit der promovierten Mathematikerin zu analysieren.

Am 14. Februar hat die derzeitige Wissenschaftsministerin in Niedersachsen dann das Amt der Bildungsministerin übernommen. Gleichzeitig erhielt Annette Schavan ihre Entlassungsurkunde vom Bundespräsidenten Joachim Gauck. Doch Annette Schavan will weiterhin Bundestagsabgeordnete bleiben und sich nicht komplett aus dem politischen Leben verabschieden. 

 

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