Plagiate: Gut geklaut ist halb gewonnen

Internet sei Dank boomen Plagiate an Unis förmlich. Mit ein paar Klicks findet sich bei Google so Manches, was per Copy & Paste in die eigene Hausarbeit fließt. Die Universitäten rüsten sich mit Plagiatserkennungssoftware.

Ein berühmtes englisches Sprichwort lautet: “If you copy from one author, it's plagiarism. If you copy from two, it's research.” Ganz so einfach ist es aber nicht. Das Urheberrecht versteht unter einem Plagiat „das bewusste Aneignen fremden Geistesguts“. Die Wissenschaft hingegen sieht die Übernahme fremder Textpassagen ohne Quellenangabe als Plagiat.

Fakt ist: Selten war es einfacher an Informationen zu kommen. Dank Internet und Google lässt sich fast zu jedem Thema eine Abhandlung finden – die dann gerne heimlich in die eigene Hausarbeit einfließt. In den letzten Jahren ist die Zahl der Plagiatsfälle an den Unis förmlich explodiert. Ertappte versuchen sich häufig rauszureden, sprechen von unbewussten Textübernahmen. Für Informatik Prof. Dr. Debora Weber-Wulff von der HTW Berlin alles Unsinn: „Plagiate sind immer bewusst.“

Unis rüsten auf

Um den Betrugsfällen Herr zu werden, setzen immer mehr Unis auf Plagiatserkennungssoftware. Unzählige Systeme am Markt versprechen die Täuschungsversuche ausfindig zu machen. Eine aktuelle Studie der HTW Berlin hat aber ergeben, dass selbst die beste Software auf dem Markt nur bedingt empfehlenswert ist.

Das Team unter Leitung von Prof. Dr. Debora Weber-Wulff hat 26 Softwarelösungen unter die Lupe genommen. Nur fünf konnten halbwegs überzeugen. Doch selbst die Testsieger PlagAware, Turnitin, Ephorus, PlagScan und Urkund zeigen maximal 60 Prozent der plagiierten Textanteile an. Die anderen 21 Systeme seien kaum brauchbar. Laut Weber-Wulff könne man stattdessen „genauso gut eine Münze werfen“.

Besonders bedenklich: Bei vielen Programmen lösten schon lose Wortfolgen von drei, vier Wörtern einen Alarm aus – auch wenn kein Plagiat vorlag.

Unsicherheit für Unis und Studis

Die Testergebnisse bedeuten eine große Unsicherheit, sowohl für die Unis, als auch für die Studenten. Verlassen sich Dozenten bei der Korrektur zu sehr auf Softwarelösungen, laufen sie Gefahr, eine Vielzahl von Plagiaten zu übersehen. Andererseits kann eine zu großes Vertrauen in die Technik Studenten unbegründet verdächtigen.

Die Folgen sind für beide Seiten unangenehm. Unis könnten Abschlüsse an Betrüger vergeben, die sich ihren akademischen Grad erschlichen haben. Studenten wiederum droht bei einem Plagiatsverdacht die Exmatrikulation.

Software als Ergänzung

Um das zu verhindern, rät Debora Weber-Wulff den Hochschulen Plagiatserkennungssoftware bewusst anzuwenden. Dozenten sollten Arbeiten zuallererst selbst auf Fälschungen überprüfen. Dazu reicht schon die Google-Suche nach drei bis fünf Wörtern eines verdächtigen Absatzes. Erhärtet sich der Verdacht, kann eine Erkennungssoftware Klarheit schaffen.

Bevor es aber soweit kommt, sollten sich alle Beteiligten darüber im Klaren sein, was ein Plagiat ist und warum nicht einfach so fremde Textpassagen übernommen werden dürfen. Nur so kann ein Bewusstsein für das richtige wissenschaftliche Arbeiten geschaffen werden. Wer trotzdem lieber kopiert, hat es noch leicht unter dem Radar zu bleiben. Wie lange das so bleibt, wird die Zeit zeigen.

Die vollständigen Ergebnisse findet ihr unter plagiat.htw-berlin.de/software/2010.

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