Revolution in Libyen: „Jeder Student versucht zu helfen“

von Marie-Charlotte Maas
Revolution in Libyen
Foto: DPA

Seit Monaten kämpfen die Menschen in Libyen gegen das Regime des Machthabers Muammar Gaddafi. Allen voran die jungen Libyer. Hesham Nuri (24) Jahre alt und lebt als Photoshop-Designer in Misrata, einer der meist umkämpften Städte des Landes. Er ist Mitgründer der Facebook-Seite „wefaqlibya“, auf der regelmäßig Fotos und Berichte über die Situation in Libyen gepostet werden, um den Rest der Welt über die Geschehnisse im Land auf dem Laufenden zu halten.

Du bist einer der Gründer der Facebook-Gruppe „wefaqlibya“. Was ist euer Ziel?

„wefaqlibya“ ist ein Zusammenschluss junger Libyer. Unser Ziel ist es der Welt die Gräueltaten des Gaddafi-Regimes gegen die libyschen Zivilisten zu zeigen. Wir kommunizieren via Facebook auch mit Medien in anderen Ländern und ermutigen und informieren die libysche Community außerhalb des Landes. Wir wollen, dass die Welt weiß, was hier passiert.

Vor kurzem wurde eure Seite von Gaddafi-Anhängern gehackt...

Ja, nachdem wir 13 000 Fans hatten. Aber das hat uns nicht davon abgehalten eine neue Seite mit dem gleichen Namen zu starten. Und mittlerweile haben wir glücklicherweise wieder 10 000 Fans.

Wie siehst du die Rolle der Studenten im Kampf gegen Gaddafi?

Jeder Student versucht irgendwie zu helfen. Jeder tut, was er kann, viele das, was sie vor der Revolution auch gemacht haben. Die Medizinstudenten helfen beispielsweise Ärzten die Verwundeten zu verarzten. Andere Studenten kontrollieren die Sicherheits-Checkpoints der Stadt und andere kämpfen gegen Gaddafis Truppen. 

Wie geht es dir dabei, wenn du eine Waffe benutzt? Hast du Angst?

Ich habe eine Waffe, aber ich habe an keinem militärischen Training teilgenommen. Meine Freunde haben mir gezeigt, wie ich damit umgehen muss. Ich habe an mehreren Gefechten teilgenommen. Angst? Die Angst endet, wenn man weiß, dass man für Freiheit, Würde und den Schutz von Zivilisten kämpft.

Stehst du in Kontakt mit all deinen Freunden und deiner Familie? Weißt du, ob es ihnen gut geht?

In Misrata ist es sehr schwierig jemanden zu erreichen. Es gibt keine Kommunikationsmöglichkeiten außer durch Satellitentelefone und Festnetztelefon. Ja, ich habe viele Freunde und ein paar Familienmitglieder verloren.

Sind viele Menschen aus deinem Bekanntenkreis aus Libyen geflohen?

Ja, einige Verwandte und Freunde haben das Land verlassen, um ihre Familie zu schützen. Auch meine Freundin und ihre Familie. Ich kann es nicht erwarten, sie wiederzusehen. 


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