Schottischer Student stürmt die Gipfel dieser Welt - Teil 2
Mount Everest ist der krönende Abschluss nach zahlreichen Torturen

- Foto: © DMAX/ Discovery
Siebenmal hoch hinaus: Student Geordie Stewart (23) kletterte auf die höchsten Berge der Welt und bezwang 2011 die „Seven Summits“. UNICUM sprach exklusiv mit dem toughen Schotten über Gipfel, Gefahren und Glücksbringer.
Beim Bergsteigen verbraucht man enorm viele Kalorien. Was hast du gegessen?
Das Essen im Höhenlager ist ganz besonders widerlich. Weiter unten geht es noch, aber oben ist es dann ganz schön erbärmlich. Man isst nur noch gefriergetrocknete Mahlzeiten, die man mit kochendem Wasser aufgießt. Auf meinem ersten Anlauf im Sommer nahm ich eine Paketladung Pringels mit rauf, die mir genug Kraft für den Gipfelbereich bringen sollten.
Hattest du irgendwann Angst um dein Leben, als du in höheren Regionen geklettert bist?
Bei meinem ersten Everest-Anlauf hatte ich zwei solcher Momente: Meine Kopflampe gab den Geist auf und ich war ganz allein in der Dunkelheit. Ich bin die Strecke im Free-Climbing mit dem Gedanken aufgestiegen, dass jeder Fehler bedeuten könnte, zu sterben. Eine andere Situation passierte an der höchsten Stelle einer Route. Ich habe runtergesehen und da war eine Leiche direkt unterhalb von mir. Ich hatte noch nie zuvor eine Leiche gesehen. Das hat mich richtig erschüttert.
Freudentaumel, harte Arbeit und Zukunftspläne
Es ist sicherlich hart, einen Berggipfel zu erreichen, aber worauf muss man achten, wenn man wieder heruntersteigt?
Wenn man absteigt, muss man sich auf jeden einzelnen Schritt konzentrieren, weil man auf einem hohem Energielevel für zwölf bis fünfzehn Stunden der Kälte ausgesetzt war. Je tiefer man kommt, umso sicherer wird man. Trotzdem ist es immer noch harte Arbeit. Dein Adrenalin ist alle und auch der Sauerstoffvorrat geht zur Neige. Dabei ist beim Klettern nicht der Gipfel das Wichtigste, sondern vielmehr, es lebend zum Basiscamp zurückzuschaffen, mit allen Fingern und Zehen. Für mich war es richtig hart.
Wie hast du dich nach dieser aufregenden und anstrengenden Zeit gefühlt, als du dann unten warst und alle sieben Gipfel hinter dir lagen?
Wenn man zum Basislager zurückkommt und mit den Jungs zusammen ist, die mit einem da oben waren, dann ist es so eine Art Freudentaumel. Wenn du nach Hause kommst, dauert es einige Zeit, sich wieder richtig einzuleben. Obwohl das Klettern selbst vorüber ist, ist der Prozess, der dahinter steht und der dahin führt, für mich immer noch präsent.
Haben dich das Klettern und die Begegnungen mit Menschen auf sieben Kontinenten verändert?
Es ist einfach eine tolle Erfahrung. Ich denke, ich kann mich glücklich schätzen, einige so wundervolle Orte besucht zu haben. Überhaupt, in sieben Kontinenten gewesen zu sein, ist schon eine überwältigende Sache. Ich habe viele gute Menschen getroffen. Dabei habe ich eine Menge über mich gelernt und über andere. Ich bin in der Zeit unheimlich gereift und es war wirklich das Beste, was ich machen konnte.
Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Es gibt eine Menge Herausforderungen, denen ich mich gerne noch stellen möchte. Jetzt gerade studiere ich in St Andrews, aber wenn ich damit fertig bin, möchte ich gern nach Sandhurst gehen und versuchen, Offizier in der British Army zu werden.
Wissenswertes
- Der Schotte Geordie Stewart ist als erster Student auf die Gipfel der jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente geklettert.
- Los ging's 2008 mit dem Cerro Aconcagua (Südamerika), dem Kilimandscharo (Afrika) und dem Elbrus (Europa).
- Danach folgten von 2009 bis 2010 der Mount McKinley (Nordamerika), der Mount Vinson (Antarktis) und die Carstensz-Pyramide (Australien).
- 2011 gelang ihm mit der Besteigung des Mount Everests der Abschluss der "Seven Summits".
- "Der letzte Aufstieg", eine Doku über ihn, läuft am 3. Juni um 20.15 Uhr auf DMAX.
Der letzte Aufstieg - Trailer
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