Semesterferien in Europas Osten: Studenten-Ehepaar fährt durch 14 Länder - Teil 1
Ein Traum mit VW-Bus und zwei Kindern

- Landschaft Maramures, Rumänien | Foto: Lorenz Oberdoerster
Das Studenten-Ehepaar Anne (28) und Lorenz (28) Oberdoerster hat seinen VW Bus gepackt und ist mit den beiden Kindern, Emil und Greta, durch den Osten Europas gefahren. Sie ließen Wohnung, Studium und Alltag hinter sich, um in zehn Wochen 14 Länder zu entdecken und 10.000 km zurückzulegen. UNICUM interviewte die angehende Medizinerin und den Ökotrophologen zu ihrem Abenteuer in den Semesterferien.
UNICUM: Im Sommer 2011 seid ihr mit Sack und Pack durch Osteuropa gefahren. Das ist nicht gerade ein typisches Urlaubsziel. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Lorenz: Wir wollten die drei Monate Semesterferien im Sommer nutzen, denn eine solch lange Zeit bekommt man so schnell nicht wieder, vor allem, wenn man berufstätig ist. Da mein Studium ausgelaufen ist, war das die letzte Chance.
Anne: Bereits vorher sind wir gerne in den Osten gefahren. Damals ohne Kinder, aber mit dem Rucksack. Ich habe bei einem Aufenthalt in Warschau ein wenig Polnisch gelernt, sodass ich ein paar Brocken sprechen kann. Zudem ist es exotisch, ohne direkt am anderen Ende der Welt zu sein und es ist preiswert. Das ist für uns auch sehr wichtig.
"Wie eine Reise durch die Zeit"

- Anfang des Urlaubs auf dem Weg zum ersten Schlafplatz in Pommern, Polen | Foto: Lorenz Oberdoerster
Lorenz, hattest du einen anderen Blick auf diese Reise, da du neben Ökotrophologe auch als Fotograf arbeitest?
Lorenz: Der Osten Europas hat mich vor allem als Fotograf gereizt, nicht so sehr als Ökotrophologe. In Rumänien laufen die Kühe auf der Straße, die Menschen gehen mit Sensen und Sicheln auf die Felder, um dort Handarbeit zu betreiben. Wie vor 100 Jahren. Das ist wie eine Reise durch die Zeit. Aus dem Urlaub kommt man immer mit neuen Eindrücken zurück.
Was war denn euer schönstes Erlebnis? Könnt ihr das überhaupt benennen, bei zehn Wochen und 14 Ländern?
Lorenz: Das ist natürlich wirklich sehr schwierig. Am besten hat uns der Norden Rumäniens und dort vor allem die Region Maramures gefallen. In Albanien haben uns die Lebensart und Freundlichkeit der Menschen sowie die unberührte Landschaft beeindruckt.
"Wir führen kein typisches Studentenleben"
Habt ihr stets Kontakt zu den Einwohnern gesucht?
Anne: Den Kontakt hatten wir zwangsläufig durch die Kinder, denn Kinder schaffen Verbindungen, auch ohne Worte. Gerade die Menschen in Osteuropa haben eine ganz andere Auffassung. Da dürfen Kinder noch laut sein und toben.
Lorenz: Vom 15-jährigen pubertierenden Jungen bis zu 80 Jahre alten Männern und Frauen sind alle kinderbegeistert.
Anne: Als alleinreisendes junges Pärchen wären wir sicherlich auf mehr Abweisung gestoßen.

- Marktfrau verkauft, was sie gefunden hat; Sighetu, Rumänien | Foto: Lorenz Oberdoerster
Anne, du steckst noch mitten in deinem Medizinstudium. In den Semesterferien müsstest du doch sicherlich lernen, hättest Prüfungen gehabt. Wie hast du das mit der langen Reise koordiniert?
Anne: Nein, ich hatte in den Semesterferien keine Prüfungen. Die sind immer in der letzten Semesterwoche und ab da habe ich den Kopf frei, bis im Oktober das Semester beginnt. Ich habe zwar Praktika, aber da kann ich mir aussuchen, in welchem Semester ich die mache.
Lorenz: Bei einem solchen Vorhaben muss man die Mehrarbeit im nächsten Semester in Kauf nehmen.
Wie habt ihr Studium und Elternsein unter einen Hut bekommen?
Anne: Mit einem Jahr sind die Kinder in den Kindergarten gekommen. Dort waren Sie dann bis halb vier betreut und in dieser Zeit machen Lorenz und ich alles. Wir haben auch einen großen Freundeskreis, auf den wir uns verlassen können. Ich bin sogar in Regelstudienzeit und auch Lorenz hat sein Studium in Regelstudienzeit weitergeführt.
Lorenz: Man muss sich natürlich anders strukturieren.
Anne: Wir führen nicht mehr das typische Studentenleben (lacht).
Für eure Fahrt habt ihr nicht irgendein Auto genommen. Warum fiel die Wahl auf einen alten VW-Bus?
Lorenz: Mit einem Bus verbinden viele die Möglichkeit, irgendwohin hinfahren und stehenbleiben zu können.
Anne: Das ist ein Stück Freiheit.
Lorenz: Wir haben schon immer damit geliebäugelt und angefangen unser kleines Auto auszubauen. Das war aber nicht das Wahre. Dann hatten wir das große Glück, einen gut ausgestatteten Bus im Internet zu finden. Ich schaue zufällig aus unserem Fenster und der Bus steht direkt vor unserer Tür. Der Wagen wurde von einem jungen Studenten verkauft, der hier bei uns um die Ecke wohnt.
Anne: Dadurch hatten wir sofort Vertrauen, weil wir nicht das Gefühl hatten, über den Tisch gezogen zu werden.
"VW-Bus ist für uns ein Stück Freiheit"

- Pause am Wegesrand; Moldova, Rumänien | Foto: Lorenz Oberdoerster
Das war doch sicherlich auch nicht leicht, die Reise zu finanzieren. Mit einem alten VW-Bus, dessen Reparaturen nicht günstig sind …
Anne: Unser Bus musste nur ein einziges Mal für 70 Euro repariert werden. Dazu war Diesel auch nicht besonders teuer und übernachtet haben wir die Hälfte der Zeit in der Natur.
Lorenz: Das war auch das Schöne. Dadurch, dass wir uns Gebiete im Osten rausgesucht haben, die touristisch noch nicht erschlossen sind, haben wir uns auf eine Wiese bei einem Bauer, an die Steilklippen am Schwarzen Meer oder auch am Donaudelta mit unserem Bus hinstellen können. Zusätzlich haben wir unsere Wohnung in Kiel untervermietet. Das ist natürlich ein großer Vorteil, wenn man diese Kosten nicht hat.
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