Semesterferien in Europas Osten: Studenten-Ehepaar fährt durch 14 Länder - Teil 2

Ein Traum mit VW-Bus und zwei Kindern

von Heike Philipp
Landschaft Maramures, Rumänien
Landschaft Maramures, Rumänien | Foto: Lorenz Oberdoerster

Das Studenten-Ehepaar Anne (28) und Lorenz (28) Oberdoerster hat seinen VW Bus gepackt und ist mit den beiden Kindern, Emil und Greta, durch den Osten Europas gefahren. Sie ließen Wohnung, Studium und Alltag hinter sich, um in zehn Wochen 14 Länder zu entdecken und 10.000 km zurückzulegen. UNICUM interviewte die angehende Medizinerin und den Ökotrophologen zu ihrem Abenteuer in den Semesterferien.

Habt ihr eure Reise vorher durchgeplant oder seid ihr immer der Nase nach?

Anne: Wir hatten ganz grob geplant, dass wir nach Litauen wollen und von da aus nach Bulgarien. Informiert haben wir uns in Reiseführern von Bulgarien, Albanien, Rumänien und Montenegro. Wenn ich dann vorne im Bus saß, habe ich während der Fahrt eine Route festgelegt.

"Natur, Sonne, die Kinder - das vergessen wir lange nicht"

Landschaft Maramures, Rumänien
Landschaft Maramures, Rumänien | Foto: Lorenz Oberdoerster

Welche Punkte wolltet ihr unbedingt besuchen?

Lorenz: Gerade mit dem Bus waren wir ziemlich autark. Wir hatten alles dabei: Schlafzimmer, Küche, und wenn man die Tür aufgemacht hat, hatten wir ein großes Wohnzimmer vor der Tür. Da kam es auch immer wieder vor, dass wir von der Route abgewichen sind. Oder es an einem Ort besonders schön war und wir länger geblieben sind.

Was war denn der schönste Umweg, den ihr gemacht habt?

Lorenz: Reisende in Albanien haben uns den Tipp gegeben, vor dem nächsten Pass links abzufahren. Am Ende einer Schotterstraße sollte ein ganz einsamer Strand sein. Das haben wir gemacht, obwohl wir ein paar Höhenmeter zum Strand runter mussten. Schon bei der Abfahrt, haben wir uns gefragt, ob wir die Straße wieder hoch kommen würden. Albanien hat sowieso schon Straßen, die nicht so ‚wunderbar‘ sind, aber diese Straße war unbefestigt und extrem sandig. Wir haben uns aber erst einmal keine weiteren Gedanken dazu gemacht und verbrachten zwei wundervolle Tage an diesem einsamen Strand, bis unsere Vorräte knapp wurden. 

Anne: Auf der Rückfahrt sind wir dann doch stecken geblieben.

Lorenz: Zum Glück kam jedoch kurze Zeit später ein deutsches Ehepaar mit einem Jeep vorbei und hat uns rausziehen können. Das war aber wirklich größtes Glück, da ja an dem Strand so gut wie niemand war. 

Das hört sich auf jeden Fall abenteuerlich an. Wie empfindet ihr im Nachhinein die Reise?

Anne: Vor allem war diese Reise ein wahrgewordener Traum. Viele haben zu uns gesagt, das geht nicht mit zwei Kindern. Für mich war es deshalb wichtig, dass ich das trotzdem gemacht habe.

Lorenz: Die Kinder selbst hatten daran viel Spaß. Emil war damals vier und erzählt immer noch viel von unseren Erlebnissen. Wir waren zum Beispiel auf der Suche nach einem Steinadler, den wir dann auch in Albanien gefunden haben. 

Anne: Der ganze Urlaub ist voller schöner Momente, voller Natur, Sonne und den Kindern. Das vergessen wir lange nicht.

Gewusst wo

Übernachtungsplatz im Donaudelta, Rumänien
Übernachtungsplatz im Donaudelta, frühmorgens wurden alle von einer Ziegenherde geweckt; Rumänien | Foto: Lorenz Oberdoerster


Bekommt ihr die 14 Länder, durch die ihr gefahren seid, noch hin?

Anne: Das habe ich sogar noch im Kopf. PolenLitauen, dann wieder zurück durch Polen,  Slowakei 

Lorenz: … in die Hohe Tatra …

Anne: … dann sind wir durch Ungarn nur durchgefahren, daraufhin haben wir zwei Wochen im Norden von Rumänien verbracht. Von Rumänien aus sind wir an der Küste des Donaudeltas runter nach Bulgarien und haben an der bulgarischen Küste Strandurlaub gemacht. Nach einer mörderischen Tour von anderthalb Tagen Fahrt durch die Türkei und Griechenland kamen wir in Albanien an. Von dort ging es in den Norden nach Montenegro, Kroatien, durch Slowenien, um in Österreich Freunde zu besuchen. Schließlich zurück nach Deutschland.


Kurz & Knapp

  • Lorenz hat dieses Jahr angefangen, nebenberuflich als Fotograf zu arbeiten. Eine Auswahl an Bildern findet ihr unter www.lorenzoberdoerster.de
  • Zurzeit ist Lorenz hauptberuflich als Ökotrophologe in einem Reha-Zentrum und am Städtischen Krankenhaus als Dozent beschäftigt. 
  • Anne würde gerne ihren Facharzt in Pädiatrie machen, um später Kinderärztin in einem Krankenhaus zu werden. 
  • Wenn Emil anfängt zu studieren, sind Anne und Lorenz gerade einmal 40 Jahre alt.
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