Stille Nacht für Studenten? - Teil 1

Nicht für die, die an den Feiertagen arbeiten müssen

von Ann-Christin von Kieter und Almut Steinecke
Foto: Bildwerk 7/ Inés Kieferle, Thinkstock

Nicht bei jedem ist an Weihnachten faulenzen angesagt. UNICUM erzählt sieben Geschichten von Studenten und Uni-Mitarbeitern, die über die Feiertage im Einsatz sind.

Mit Spaß und Musik in der Kirche

Alles hört auf ihr Zeichen: Renée Kingma (22) ist Dirigentin im Kirchenchor | Foto: Bildwerk 7/ Inés Kieferle

"O Tannenbaum" gehört nicht unbedingt zu Renée Kingmas Lieblingsliedern. Zum Glück darf sie selbst bestimmen, was an Weihnachten gesungen wird. Denn die Freiburger Mathematikstudentin ist Dirigentin im Reichenbacher Kirchenchor - mit gerademal 22 Jahren. Rund 30 Leute im Alter von 50 bis 80 Jahren betreut die nebenberufliche Kirchenmusikerin. Der Altersunterschied bereitet dabei keine Probleme: "Die hören ganz gut auf mich und sind diszipliniert. Am Anfang waren wir noch sehr vorsichtig miteinander, aber mittlerweile verstehen wir uns echt gut. Die Proben machen richtig viel Spaß", lobt Renée ihre Gesangsgruppe. An den Feiertagen wird es daher harmonisch zugehen. Auch innerhalb der Familie: "Meine Arbeit kann ich ja ganz gut integrieren. Wir gehen meistens eh in die Kirche. Dann kommen die eben zu mir und verfolgen den Auftritt."

Bereitschaftsdienst aus Überzeugung

Wenn der Baum brennt, ist Hendrik Budke (25) zur Stelle | Foto: Thomas Wolfzettel

Sicherheit liegt ihm am Herzen: Student Hendrik Budke, Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Marburg-Mitte. Der 25-jährige Lehramtsstudent hat sich für den Feiertagsdienst gemeldet. "Ich feiere zum ersten Mal mit meiner Freundin Jenny Weihnachten in unserer ersten gemeinsamen Wohnung, und da möchte ich gerne dazu beitragen, dass der Brandschutz für die Stadt sichergestellt ist." Dafür muss er die ganze Zeit seinen "Funkalarmempfänger" angeschaltet haben, sowohl an Heiligabend rund um die Uhr als auch durchgehend an beiden Weihnachtsfeiertagen! Deswegen hängt aber nicht der Haussegen schief, "Jenny ist auch in der freiwilligen Feuerwehr und kommt mit." Außerdem, sagt Hendrik, habe er mal ein Zitat gelesen: ",Eine Gesellschaft lebt davon, dass es in ihr Mitglieder gibt, die mehr tun, als sie eigentlich müssten', das möchte ich gerne." Gerade an Weihnachten.

Menschen warmherzig auffangen

Ferdinand Schneider (22) versorgt Obdachlose in der Wärmestube | Foto: Thomas Sing

Ferdinand Schneider, Student der Sozialen Arbeit in Nürnberg, absolviert gerade sein praktisches Studiensemester beim Katholischen Verband für Soziale Dienste in Augsburg. Daher hilft der 22-Jährige auch in der Augsburger "Wärmestube", einer Auffangstation, die Menschen, die auf der Straße leben, Essen und eine Rückzugsmöglichkeit bietet, um sich tagsüber aufzuwärmen. "An Heiligabend richten wir ein Weihnachtsfrühstück aus", erzählt Ferdinand, "ich werde um 9 Uhr morgens anfangen und bis 14 Uhr arbeiten." Ferdinand bekommt kein Geld, dafür etwas anderes: "Zum einen ist dieser Einsatz wichtig für mein Studium, denn ich kann mir auch vorstellen, später mit obdachlosen Menschen zu arbeiten. Zum anderen macht er vor allem Spaß: Die Menschen, denen ich hier helfe, sind direkt, offenherzig, ehrlich; so kann ich selbst auch so sein, wie ich bin."

Tierischer Einsatz

Sabine Schmidt (48) betreut Labormäuse über die Feiertage | Foto: Matthias Schmiedel

Auch am Campus herrscht Betrieb. Für Uni-Mitarbeiterin Sabine Schmidt ist das normal. Die 48-jährige Tierpflegerin arbeitet im Tierforschungszentrum der Uni Ulm. Hier leben Schafe, Schweine, Kaninchen und Mäuse zu medizinischen Forschungszwecken. Alle müssen auch während der Feiertage versorgt werden. Schmidt ist für die Mäuse zuständig, schiebt den alljährlichen Weihnachtsdienst schon zum zwanzigsten Mal. "Sowohl an Heiligabend als auch an beiden Weihnachtsfeiertagen bin ich bis zu sieben Stunden da, gebe den Mäusen Futter, säubere ihre Käfige", erzählt Schmidt. "Tierversuche gibt es nun einmal. Da muss man dafür sorgen, dass es den Tieren dabei so gut geht wie möglich. Menschen, die sich darüber aufregen, weil sie Tierfreunde sind, aber an Weihnachten eine Gans essen, finde ich persönlich schlimmer."

 

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