"Studieren ohne Grenzen": Bildung fördern in Krisengebieten - Teil 1
Eine deutschlandweite Initiative von Studenten für Studenten

- SOG-Mitglied Felix zu Besuch bei den Stipendiaten in Mweso/Kongo | Foto: Felix Weth
Als Student an einer deutschen Universität vergisst man schnell, dass der Zugang zu Bildung in anderen Ländern purer Luxus ist. Der Verein "Studieren ohne Grenzen" (SOG) setzt sich für Förderprojekte in Krisengebieten wie dem Kongo, Afghanistan und Tschetschenien ein. Die Devise lautet: "Bildung fördern – Selbsthilfe ermöglichen". UNICUM hat mit Philipp von der Berliner Lokalgruppe über die Ziele und Hoffnungen des SOG gesprochen.
Im Interview
"Unser Ziel ist es, junge Menschen aus Krisengebieten dafür zu qualifizieren, selbstständig zum Wiederaufbau ihrer Region beizutragen." – Bildung und Nachhaltigkeit gehen für den studentischen Verein "Studieren ohne Grenzen" Hand in Hand. "Hilfe zur Selbsthilfe" nennt es Philipp von der Berliner Lokalgruppe.
Der Geschichtsstudent ist einer der beiden Koordinatoren der Stipendiatenbetreuung des in der Hauptststadt initiierten Stipendienprogramms. Mit seinen Kommilitonen ermöglicht er derzeit 56 Gleichaltrigen in Mweso/Kongo ein Studium an der landwirtschaftlichen Uni.
- Universität im Kongo | Foto: Felix Weth
UNICUM: Wofür setzt sich „Studieren ohne Grenzen“ ein?
Philipp: „Studieren ohne Grenzen“ ist ein recht großer Verein. Angelehnt an „Ärzte ohne Grenzen“ wurde er 2003 als „ Etudes Sans Frontiéres“ in Frankreich gegründet. 2006 wanderte das Konzept dann nach Deutschland. Seitdem bilden sich bei uns an vielen Universitäten immer wieder Lokalgruppen. SOG wird von der Basis bis zum Vorstand allein von Studenten getragen. Bundesweit gibt es insgesamt vier Bildungsprojekte. Gemeinsam mit der Aachener Lokalgruppe engagieren wir in Berlin uns mit einem Stipendienprogramm im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Andere Gruppen ermöglichen zum Beispiel Studierenden aus Tschetschenien einen Studienaufenthalt in Deutschland. Momentan wird außerdem ein Förderprogramm in Afghanistan aufgebaut.
Gibt es einen Leitgedanken hinter „Studieren ohne Grenzen?
In Deutschland genießen wir das Privileg, ohne Probleme studieren zu können. Mit unseren Projekten versuchen wir dies auch jungen, motivierten Menschen in Krisenregionen zu ermöglichen. Wichtig ist bei „Studieren ohne Grenzen“, dass es sich um Aktionen von Studierenden für Studierende handelt; wir machen das in unserer Freizeit. Wir möchten aber nicht nur die Programme initiieren und betreuen, sondern versuchen daneben, auch unsere Kommilitonen in Deutschland für die Thematik zu sensibilisieren. Wir organisieren Ausstellungen, Kinoabende und werben in Vorlesungen um neue Mitglieder. Es ist uns wichtig, auch hier ein Bewusstsein für die oft schwierige Studiensituation in anderen Ländern zu schaffen.
Kann jeder Student eine Lokalgruppe gründen?
Ja, jeder Student, der an einer Universität studiert, kann eine Lokalgruppe aufbauen. Bei SOG betreut nicht jede Gruppe ein eigenes Projekt. Es gibt viele Lokalgruppen, die sich erst einmal anderen anschließen. Es gibt auch solche, die sich allein auf das Spendensammeln konzentrieren. Diese Gruppen organisieren dann zum Beispiel Partys oder Spendenläufe, auf denen Geld gesammelt wird. Das kommt dann natürlich dem ganzen Verein zugute. Erst dadurch können wir unsere Projekte überhaupt realisieren.
"Wir sollten öfter über den Tellerrand gucken"
- Das SOG-Team Berlin | Foto: Felix Weth
Wer macht bei euch mit?
Das ist das Tolle bei „Studieren ohne Grenzen“: Bei der Arbeit für den Verein trifft man nicht nur Leute aus seinem eigenen Studiengang wieder. Bei uns in Berlin engagieren sich Mediziner, Politologen, Sprachwissenschaftler und viele mehr. Das macht den Reiz aus: Man bewegt sich nicht nur in einem kleinen Zirkel. Man diskutiert gemeinsam, arbeitet gemeinsam. Wir sind ein richtig gutes Team, das sich auch privat versteht.
Und was ist nach dem Abschluss?
Auch nach dem Studium kann man „Studieren ohne Grenzen“ treu bleiben. Oft setzt man natürlich neue Schwerpunkte, zieht in eine andere Stadt oder hat wegen der Arbeit keine Zeit mehr für SOG. Uns ist es dann wichtig, sanfte Übergänge zu schaffen. Der Verein ist sehr dynamisch: Die Studenten binden sich eben nicht 50 Jahre daran, sondern nur eine gewisse Zeit lang. Das Wissen wird an die neuen Mitglieder weitergegeben. Die sehen die Dinge vielleicht auch wieder ein wenig anders und bringen neue Ideen mit, an die wir noch gar nicht gedacht haben. Das ist immer sehr erfrischend.
Wie viel Zeit investierst du in die Vereinsarbeit?
Das ist recht unterschiedlich und hängt davon ab, wie viel ansteht. Wir treffen uns jeden Mittwochabend. Donnerstag und Freitag erledige ich weitere Sachen für SOG. Bei der Bewältigung des Stipendienprogramms gibt es immer Stoßzeiten. Die Stipendiaten, die ausgewählt wurden, schreiben zum Beispiel einen Jahresbericht. Dafür müssen wir Fragen formulieren und später die Auswertung vornehmen. Bei 56 Stipendiaten, die jeweils zehn Seiten abliefern, kommt da schon etwas auf uns zu. Trotzdem wollen wir das ganze Verfahren transparent halten und jedem Stipendiaten ein persönliches Feedback geben.
Was ist dein persönlicher Anreiz, bei „Studieren ohne Grenzen“ mitzumachen?
Wir in Deutschland, einem Land in Frieden und Wohlstand, sollten einfach öfter über den Tellerrand blicken. Ich will etwas schaffen und Gleichaltrigen in anderen Regionen helfen. Bei der Arbeit im Verein sieht man direkt die Früchte, die sie trägt. Das Ganze ist keine abstrakte Sache, wir sind ständig im Kontakt mit dem Projekt. Das macht Spaß. Felix, einer der Gründer von SOG Deutschland, war im vergangenen Sommer noch einmal privat vor Ort in Mweso, dem kleinen Ort unseres Stipendienprogramms. Von dort hat er Bilder und neue Infos mitgebracht, die uns weiter motivieren. Es macht einen schon froh, wenn man sieht, dass die Arbeit etwas bewirkt.
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