"Studieren ohne Grenzen": Bildung fördern in Krisengebieten - Teil 2
Eine deutschlandweite Initiative von Studenten für Studenten

- SOG-Mitglied Felix zu Besuch bei den Stipendiaten in Mweso/Kongo | Foto: Felix Weth
Als Student an einer deutschen Universität vergisst man schnell, dass der Zugang zu Bildung in anderen Ländern purer Luxus ist. Der Verein "Studieren ohne Grenzen" (SOG) setzt sich für Förderprojekte in Krisengebieten wie dem Kongo, Afghanistan und Tschetschenien ein. Die Devise lautet: "Bildung fördern – Selbsthilfe ermöglichen". UNICUM hat mit Philipp von der Berliner Lokalgruppe über die Ziele und Hoffnungen des SOG gesprochen.
"56 junge Menschen können dank uns studieren"
- Studentin im Kongo | Foto: Felix Weth
Ihr reist also auch in die Krisengebiete?
Das ist jetzt nicht die Regel. So eine Reise müssen wir schließlich selbst bezahlen. Die Spendengelder werden für so etwas nicht angerührt, die sind für die Projekte gedacht. Wir freuen uns immer sehr, wenn ein Mitglied in die Region fährt, erwarten das aber von niemandem. Dank unserer Partnerorganisation vor Ort können wir auch so ein gutes Verhältnis mit den Stipendiaten pflegen. Klar helfen Besuche dabei, aber wir wollen auf keinen Fall einen Beobachterstatus bekommen oder die großen Kontrolleure spielen. Wir sind uns bewusst, dass die Studenten genauso alt sind wie wir und einfach viel bessere Kenntnisse von der Lage vor Ort haben.
Nach welchen Kriterien vergebt ihr die Stipendien?
Unsere Partnerorganisation verteilt vor Ort Bewerbungsbögen, die ausgefüllt werden müssen. Sie beurteilt dann auch direkt die Bedürftigkeit der Bewerber. Wir wollen schließlich wirklich nur denen helfen, die sich ein Studium selbst nicht leisten können. Wir in Deutschland richten unser Augenmerk vor allem auf die Motivation und das eingereichte Projekt. Jeder Stipendiat bewirbt sich nämlich mit einem Projekt, das er nach seinem Studium in die Tat umsetzen will. Da sind ganz tolle Sachen dabei. Die Projektideen reichen vom klassischen Gemüseanbau, der dann im Anschauungsunterricht der Gemeinde vorgestellt wird, bis hin zur Aufforstung der durch Krieg zerstörten Landschaft. Auch sind Programme für Frauen darunter, die während des Bürgerkriegs vergewaltigt wurden: Einige Stipendiatinnen planen, diese Frauen später zu selbstständigen Landwirtinnen weiterzubilden. Natürlich steht bei den Studenten später der eigene Lebensunterhalt im Vordergrund. Uns ist aber wichtig, dass sie nach ihrem Studium auch als Gestalter in ihrer Region wirken. Die Stipendiaten wissen am besten, welche Not die Bevölkerung drückt und schlagen dementsprechend geeignete Projekte vor. Die Dringlichkeit können wir in Deutschland nur so beurteilen, wie es aus der Ferne geht.
Was ist dein bisher größer Erfolg bei „Studieren ohne Grenzen“?
56 junge Frauen und Männer können dank der Idee von SOG studieren – das ist definitiv der größte Erfolg unserer Arbeit. Das schönste Erlebnis ist, wenn neue Nachrichten von den Stipendiaten in Berlin eintreffen. In den letzten Jahresberichten haben wir zum Beispiel auch nach ihren Wünschen gefragt und dachten, dass der Großteil um eine bessere Bibliotheksausstattung oder vielleicht eine Erhöhung des Stipendiums bittet. Die meisten aber wünschten sich, dass wir noch mehr Stipendiaten aufnehmen. Die Studierenden vor Ort denken also nicht nur an ihr eigenes Stipendium, sondern auch an die anderen jungen, motivierten Menschen in ihrer Umgebung. Das war die größte Bestätigung für unsere Arbeit.
kurz & kompakt
- "Studieren ohne Grenzen" ist ein gemeinnütziger und mildtätiger Verein
- Der Verein unterstützt Förderprojekte in Tschetschenien, Afghanistan und der DR Kongo
- Er wird vollständig von Studenten/innen getragen
- Die Berliner Lokalgruppe ermöglicht derzeit 56 Stipendiaten im Mweso/Kongo ein dreijähriges Studium
- Für interessierte Berliner: Die Gruppe trifft sich jeden Mittwoch um 19.00 Uhr im Seminarraum 1 der Luisenstraße 57
Weitere Infos findet ihr unter www.studieren-ohne-grenzen.org
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