Summa cum gaudi – vier außergewöhnliche Profs - Teil 1

- Michael Suda in Aktion | Foto: Hochschule Rosenheim
Weltfremd, menschenscheu, kauzig – so das Klischee, das vielen Profs anhaftet. UNICUM stellt euch vier Wissenschaftlervor, die in keine Schublade passen. Einer von ihnen ist Michael Suda. Beim Professor für Wald- und Umweltpolitik steht das Lachen bereits im Skript.
Michael Suda: DER KABARETTIST
Technische Universität München, Nordgebäude. Das kühle, graue Wetter lässt den Plattenbau aus den Siebzigern noch trister wirken als sonst. Im fensterlosen Hörsaal N1090 herrscht dennoch gute Stimmung. Vorne steht Michael Suda, Professor für Wald- und Umweltpolitik: schlanke Figur, Brille, sympathisches Lächeln. Er hält einen Kuscheltier-Eisbären in der Hand, den er geradeauf eine Papier-Eisscholle setzt.
Die Vorlesungenvon Professor Suda tragen bisweilen Züge einer Unterhaltungssendung im Fernsehen. Sie sind anschaulich, unterhaltsam und humorvoll. Das Thema heute: Klimapolitik. „Der Eisbär ist das Symbol des Klimawandels geworden“, erklärt Suda. „Nicht, weil er tatsächlich gefährdet wäre, sondern weil die Menschen ihn so süß finden.“
"Summabstimmungen geben einen kreativen Impuls" | Michael Suda
Dann kommt der Bezug zu lokalen Maßnahmen. Wie viel Prozent des bayerischen Staatshaushaltes werden für das Klimaprogramm investiert?“, fragt Suda. „Wer glaubt, dass es fünf Prozent sind, summt bitte jetzt.“ Im Hörsaalklingt es einige Minuten lang wie in einer Chorprobe. Bei 0,2 Prozent ist der Ton am lautesten.
Solche Summabstimmungen sind Suda viel lieber als das klassische Handzeichen. „Sie geben einen kreativen Impuls und animieren die Studenten, genau hinzuhören– und sie bringen sie zum Schmunzeln!“ Die Summabstimmung ist nur eine von vielen Methoden, die Suda anwendet, um seine Vorlesungen humorvoller zu gestalten. Belieb tist auch der „Handyanruf“.
Dabei ruft er mit seinem Handy einen fiktiven befreundeten Wissenschaftler an, um ihm Fragen zu stellen. „Sobald ich telefoniere, hören alle wie gebannt zu“, sagt Suda. „Ganz anders, als wennich die Dinge trocken vom Podium aus erkläre.“
AUSBILDUNG ZUM „MANAGER OF BUSINESS ENTERTAINMENT“

- Foto: Hochschule Rosenheim
Suda passt auf, dass seine Humor-Elemente in der Vorlesung nicht überhand nehmen – und dass sie sich nicht zu oft wiederholen. „Ich probiere immer Neues aus, manchmal geht’s auch schief“, sagt er. Angefangen hat alles 1997. Damals hielt Suda eine Faschingsvorlesung, in der er mit Kinderbüchern wissenschaftliche Theorien erklärte. Die positiven Rückmeldungen spornten ihn an, weiterzumachen.
Er belegte verschiedene Humor-Seminare und machte in der Schweiz eine Ausbildung zum „Manager of BusinessEntertainment“. Die machte ihm so viel Spaß, dass er dieses Feld ausbauen wollte. Seit einigen Jahren steht der 56-Jährige nun regelmäßig auf der Bühne – zusammen mit seiner ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiterin Renate Mayer.
Unter dem Motto „Summa cum Gaudi“ zieht er zum Beispiel die Lehre an deutschen Universitäten durch den Kakao. Aber: „Ich bin kein Comedian“, betont er. Sein Kabarett sei anspruchsvoll und stehe thematisch immer der Welt der Universität oder seinem Fachgebiet nahe. „Es sind Nummern, die ich als Professor vertreten kann.“
"Lachen stärkt das Gemeinschaftsgefühl" | Michael Soda
Trotzdem: Als Schauspieler ist Suda in der deutschen Professorenlandschaft eher ein Exot. Und generell sind Humor und Wissenschaft hierzulande – anders als inG roßbritannien oder den USA – zwei strikt getrennte Gebiete. Genau das findet Suda schade: „Lachen stärkt das Gemeinschaftsgefühl, regt zur Kreativität an und aktiviert das Langzeitgedächtnis“, betont er. „An das, was ich in meinen Vorlesungen lehre, sollen sich die Studenten doch auch nach der Prüfung noch erinnern.“
Deshalb gibt Suda für andere Professoren Kurse zum Thema „Humor in der Wissensvermittlung“ – und die sind fast immer ausgebucht. Natürlich hätten nicht alle Studenten einen Sinn für Humor, aber die meisten seien begeistert. Wenn er in der TU über die Flure geht, begegnen ihm überall strahlende Gesichter. „Mein Fanclub“, sagt Suda dann.
Seine Vorlesung „Umweltpolitik“ ist für die anwesenden Umweltingenieure nur ein Wahlfach. Trotzdem ist sie überdurchschnittlich gut besucht. Und auch von anderer Seite weiß man das Engagement Sudas zu würdigen: Im vergangenen Wintersemester hat seine Fakultät ihm den „Best Teaching Award“ verliehen.
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