Uni Köln: Zu viele Leichen im Keller
Pietätlosigkeiten und eine Selbsttötung an der Uni Köln

- Die Medizinische Fakultät der Uni Köln (Bild: Ausschnitt des Uniklinik-Campus) hat im doppelten Sinn mit Leichen im Keller zu kämpfen | Foto: Chris1977 (Lizenz: Creative Commons BY-SA 3.0)
Trauer, Betroffenheit und große Aufregung herrschen derzeit an der Uni Köln: Nachdem chaotische Zustände im Leichenkeller des anatomischen Instituts bekannt geworden waren, hat sich ein Professor das Leben genommen.
Mit „Bestattungsrückstand“ umschreibt die Universität zu Köln die unappetitlichen Zustände, die sich über einen längeren Zeitraum in der Anatomie entwickelt hatten: Mehr als 80 Leichen von Körperspendern wurden nicht oder nur verspätet bestattet. Zum Teil waren Präparate wegen fehlerhafter Aufbewahrung verschimmelt, und bei drei Leichnamen konnte nicht einmal mehr die Identität festgestellt werden.
Schnell hatte die Uni-Leitung „offensichtliche Unregelmäßigkeiten“ eingeräumt: „Das widerspricht allen Vorstellungen vom Umgang mit Verstorbenen und selbstverständlich auch den akademischen Gepflogenheiten“, so Uni-Sprecher Patrick Honecker. Mit Hilfe eines Rechtsmediziners wird die Situation seit zwei Wochen aufgearbeitet.
Keine Straftat, aber „problematische Aktenführung“
„Eine sehr problematische Aktenführung“ sei Ursache der Zustände, so die Uni-Leitung in einer ersten Erklärung – aufgefallen sei das alles, als die Geschäftsführung des anatomischen Instituts im vergangenen Jahr gewechselt habe. Und, ganz wichtig: Die Staatsanwaltschaft Köln, die von der Uni informiert worden war, lehnte die Aufnahme von Ermittlungen ab, weil keine Straftat vorliege.
Dennoch nahm sich der frühere Leiter des anatomischen Instituts einige Tage später das Leben. Studenten und Mitarbeiter reagierten erschüttert – und machten die aktuelle Berichterstattung für den Freitod verantwortlich: „Hiermit wurde wieder einmal durch schnelle Vorverurteilung – und durch die Presse – ein Lebenswerk und damit leider auch das Leben eines großartigen Menschen zerstört“, heißt es in einem Leserbrief.
Berichten zufolge schrieb der Anatom in seinem Abschiedsbrief, er habe von den Zuständen zwar gewusst, sie aber nur aus Rücksicht auf eine überforderte Mitarbeiterin geduldet. Die alleinige Schuldzuweisung sei für ihn zu viel gewesen, da in Wirklichkeit längst eine Regelung gefunden worden sei, den „Bestattungsrückstand“ abzubauen.
Anatomie: Kühlsysteme seit Jahren defekt?
Dennoch kommen zwischenzeitlich immer mehr unappetitliche Details an die Öffentlichkeit. Die drei unidentifizierbaren Leichen, berichtet der „Kölner Stadtanzeiger“, sollen in einem Lagerraum entdeckt worden sein, der seit 20 Jahren nicht mehr regelmäßig benutzt wurde. In manchen Räumen sei anscheinend schon seit Jahren das Kühlsystem ausgefallen.
Und Studenten erzählen davon, dass im vergangenen Wintersemester ein Kurs des Professors, der sich jetzt das Leben genommen hat, ohne weitere Angabe von Gründen abgebrochen wurde. Die Universität selber will sich derzeit nicht mehr äußern: Man arbeite die Situation auf und werde anschließend über das Ergebnis berichten, heißt es.









