Welt-Aids-Tag: „…kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken …“ - Teil 2
Student Moritz über seinen Einsatz als Botschafter für die Kampagne „Positiv zusammen leben!“

- Moritz ist Botschafter des Welt-Aids-Tages 2012 | Foto: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Mit 24 Jahren erhält Moritz die erschreckende Diagnose: HIV-Positiv. Doch sein Germanistik-Studium zieht er weiterhin durch und hat ein klares Ziel: sein Leben genießen. Als Botschafter des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember 2012 will er jungen Betroffenen Mut machen.
„… man vorsichtig sein sollte, es am Arbeitsplatz zu sagen.“
Hast du negative Erfahrungen gemacht, wenn du von deiner Erkrankung erzählst?
Nein, bisher nicht. Man sollte es nur denjenigen sagen, denen man vertraut. Die Reaktionen haben mich erstaunt. Alle hatten Angst um mich, nicht um sich selbst.
Du bist Botschafter "Positiv zusammen leben!", die in diesem Jahr den Schwerpunkt "HIV im Arbeitsleben" hat. Sorgst du dich, wie es mal an deinem zukünftigen Arbeitsplatz wird?
Ich mache mir da eigentlich wenig Sorgen. Ich weiß auch nicht, ob ich es meinem Arbeitgeber sagen würde, weil es nicht relevant für meine Leistung ist. Ich bin nicht öfter krank und genauso leistungsfähig.
Was würdest du anderen Betroffenen raten?
Was ich sagen muss, ist, dass man vorsichtig sein sollte, es am Arbeitsplatz zu sagen. Wenn sich deine Erkrankung rumspricht, dann kannst du die Informationen nicht mehr kontrollieren. Ich würde es mir deshalb gut überlegen.
Gerade jetzt geht es dir gut, deine Blutwerte sind stabil, du brauchst keine antiretrovirale Therapie.
Bei mir sind die Werte bisher stabil und mein Immunsystem funktioniert. Wie lange das so bleibt, weiß ich nicht. Für mich kommt eine Therapie auch erst aus medizinischen Gründen infrage.
Was meinst du damit?
Es gibt verschieden Gründe mit einer Therapie anzufangen. Manche brauchen das Gefühl, dass sie etwas dagegen tun. Oder um seinen negativen Partner zu schützen, denn durch die erfolgreiche Therapie liegt das Ansteckungsrisiko nahezu bei Null. Ich persönlich würde gerne so lange wie möglich warten.
„Wenn man das nicht tut, dann ist alles positiv.“
Einmal begonnen, muss man die Therapie ein Leben lang fortsetzen.
Mittlerweile sind die Tabletten so gut, dass man auch mal eine vergessen darf. Das sollte nur nicht fünfmal im Monat sein. Vor der Einnahme habe ich keine Angst, auch nicht, dass ich eingeschränkt sein werde.
Aber bedeutet es nicht auch ein Leben lang mit Nebenwirkungen zu kämpfen?
Es können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Alpträume, aber auch Depressionen auftreten. Doch was passiert mit mir bei 40 Jahre Medikamenteneinnahme? Vielleicht gehen dadurch meine Organe kaputt… Aber die Alternative wäre es die Tabletten nicht zu nehmen und das bedeutet zu sterben.
Dadurch lässt du dich nicht abbringen, anderen jungen Menschen Zuversicht zu geben.
Der Vorteil der zukünftigen Infizierten ist, dass sie nicht mehr in dem Maße wie vor 20 Jahren mit dem Thema Tod umgehen müssen. Es ist eine chronische Krankheit, die unter Kontrolle zu bringen ist. Es ist so schade, dass man aufpassen muss, wem man es erzählt. Aber das ist das Ziel der Kampagne, zu vermitteln, es gibt keinen Grund zur Ausgrenzung.
Was ist deine Botschaft an junge HIV-Positive?
Was ich noch einmal betonen möchte: Ihr seid damit nicht allein. Dieses „Scheiße, ich bin positiv und allein“ ist nicht real. Das ist mir jetzt während des Gesprächs noch einmal ganz klar geworden. Dieses Gefühl kann einen in die Resignation treiben, gerade am Anfang. Auf diesen Trugschluss darf man sich nicht einlassen. Wenn man das nicht tut, dann ist alles positiv (lacht).

- Anzeigen für die Kampagne "Positiv zusammen leben!" | Foto: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Hintergrund
Die Antidiskriminierungskampagne „Positiv zusammen leben!“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wird in Partnerschaft mit dem Bundesministerium für Gesundheit, der Deutschen Aids-Hilfe und der Deutschen Aids-Stiftung realisiert und vom Fachverband Außenwerbung unterstützt. Erstmals rief 1988 die Weltgesundheitsorganisation am 1. Dezember zum Welt-Aids-Tag auf.
Dieses Jahr machen sich sechs Männer und Frauen gemeinsam für die Kampagne in Deutschland stark und wollen Vorurteile gegenüber HIV-Positiven am Arbeitsplatz bekämpfen. Mobbing und negative Auswirkungen auf die Karriere sind reale Folgen für die Betroffenen, wenn ihre Erkrankung bekannt wird. Die Botschafter rufen deswegen zu Solidarität, Toleranz und Unterstützung auf.
Weitere Infos unter www.welt-aids-tag.de
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