Wie ein Superheld fliegen: Base Jumper Jürgen Mühling im Interview - Teil 1
Der Film zum Sprung: "Chronicle – Wozu bist du fähig?" ab dem 17. August auf DVD und Blu-ray

- Jürgen Mühling | Alle Fotos: Privat
Mehr als 10.000 Sprünge in über 25 Jahren: Das ist die Bilanz von Sprungprofi Jürgen Mühling. Anlässlich des DVD- und Blu-ray-Starts von "Chronicle – Wozu bist du fähig" sprach der Adrenalinjunkie über den Reiz des Nervenkitzels und die Grenzen des Fliegens. Eine Rezension zum Film gibt's obendrauf!
Im Gespräch
UNICUM: Wie bist du zum Base-Jumping gekommen?
Mühling: Einerseits wollte ich die Faszination des menschlichen Fluges in seiner reinsten Form für mich erfahren. Andererseits interessiert(e) mich parallel das Ausloten von technischen Grenzen (hier mittels Fallschirm) in Verbindung mit maximaler Herausforderung.
Was ist dein persönlicher Nervenkitzel dabei?
Den Mut zu haben sich seiner Angst zu stellen und das Wagnis einzugehen. Daraus folgt der erhebende Selbstbeweis in der Konfrontation zur Gefahr.
Was war der aufregendste Sprung bzw. deine größte Herausforderung, die du gewagt hast?
Bei mir gibt es hier keine Superlative, sondern einen ganzen Haufen von gleichermaßen spannenden Erlebnissen. Sei es jetzt ein Sprung in den Alpen von einem selbst erklommenen Berg oder der Vollmondsprung von einer abgeschalteten Radioantenne. Auch der Sprung in einen Canyon oder vom Rotorblatt eines Windrades ist jedes Mal ein aufregendes Erlebnis ohne Gleichen.
Wer hat als Kind nicht davon geträumt ein Superheld mit Superkräften sein zu wollen. Findest du, dass du dir das bewahrt hast?
So gesehen „nein“, da mich die Realität irgendwann einholt hat. Allerdings finde ich die wenigen Sekunden, in denen ich zum Beispiel mit meiner Wingsuit nur knapp über dem Boden durch ein Tal fliege schon extrem genial ...
Im Film Chronicle stellen die Hauptcharaktere fest, dass sie mit ihren Kräften über Grenzen hinaus gehen können. Wie probierst du aus bzw. wie stellst du fest wie weit du gehen kannst?
Beim Fallschirmspringen entscheiden letzten Endes nur der Verstand und das Risikobewusstsein über die maximal mögliche Aufgabe. Dazu braucht es vor allem eine ehrliche Selbsteinschätzung, da der menschliche Körper so gesehen recht zerbrechlich ist und man nur sehr wenig Marge für Kardinalsfehler hat. Alles was dabei dann im Erfolg endet, kann möglicherweise „richtig“ sein und zum nächsten Schritt führen. Alles andere, dabei speziell das was eventuell vom Glück beseelt gerade so überlebt wird, sollte eine Lehre sein.
Welche mentalen Fähigkeiten sind notwendig? Was denkst und fühlst du direkt vor einem Sprung?
Sportlich gesprochen ist es die Kunst, sich 100%ig auf die gestellte Aufgabe konzentrieren zu können. Alles Störende wird ausgeblendet, während man sich auf keinen Fall dem Kosmos der angrenzenden Möglichkeiten hingeben darf. Dazu muss ein Base-Springer definitiv auch eine auf Können beruhende Selbstsicherheit haben. Ich persönlich fühle dabei die Aufregung, Anspannung, Angst und Zweifel zeitgleich mit Freude, Erwartung, Willen und Neugier. Im Zenith des Fokus wird mein Sprung dann zum völligen Selbsterlebnis und zum Einswerden mit den Elementen. Ich definiere dadurch förmlich für mich den Sinn des Lebens ...
Welchen Tipp hast du für unsere drei Jungs aus Chronicle, um Ihre Grenzen auch akzeptieren zu können?
Jeder sollte sich seiner eigenen Unzulänglichkeit(en) immer gewahr sein, so es an der Spitze des eigenen Bewusstseins ja bekanntlich keinen Vergleich gibt. Und so bleibt die Verantwortung um die Konsequenzen allzeit bestehen. Also wie wär’s mit: "Riskiere nie mehr, als du bereit zu verlieren bist ..."
Jürgen Mühling in Action
Kurz & kompakt
- Jürgen „Mahle“ Mühling springt seit 1986.
- Er mehr als 10.000 Sprünge absolviert. Davon sind aktuell 987 Base, Tendenz steigend ...
- Im normalen Leben ist er professioneller Fallschirmsprunglehrer und Tandempilot bei TAKE OFF Fallschirmsport in Fehrbellin.
- Er ist u.a Bronzemedaillengewinner bei den Weltmeisterschaften 2001 im Gebäudespringen von den Petronas Towers in Kuala Lumpur/Malaysien.
- Mühling hält den Weltrekord im Base-Springen mit 10 Skyline Gebäuden innerhalb von 24h während des Skyscraper Festivals in Frankfurt am Main.
- Sein aktueller Erfolg: Die nationale Weltbestleistung mit 231 rein deutschen Springern in einer Formation über Eloy/Arizona.
- Der 46-Jährige ist schon vom Fernsehturm und dem Olympiastadion in Berlin gesprungen, außerdem von der Eiger Nordwand in der Schweiz und vom Tafelberg in Südafrika.
Alle Infos zum Film "Chronicle – Wozu bist du fähig?" findest du auf Seite 2!
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