Wie wird man eigentlich... Schriftsteller?
Autor und Poetry Slammer Patrick Salmen im Interview

- Foto: (c) Uwe Lehmann
Von wegen Lehrer werden! Patrick Salmen (26) hat zwar auf Lehramt studiert, sich mittlerweile aber erfolgreich im Literaturbetrieb niedergelassen. Er war deutschsprachiger Meister im Poetry Slam, schreibt Bücher und geht auf Lesetouren. Im Interview mit UNICUM erzählt der Wuppertaler, warum Bier einer solchen Laufbahn den Anstoss geben kann und was dran ist am Trend Poetry Slam.
Patrick, sicherlich träumen tausende, junge Germanistik-Studenten von der Karriere als Literat. Die wenigsten werden es. Wie hast du es geschafft mit dem Schreiben deinen Lebensunterhalt zu bestreiten?
Vor ein paar Jahren war ich zum ersten mal bei einem Poetry Slam, eigentlich nur als Zuschauer. Allerdings hatten die da am Ende noch eine offene Bühne und ich zufällig einige Texte von mir dabei. Meine Kollegen haben mich dazu animiert auf die Bühne zu gehen, und da ich schon ein paar Bierchen getrunken hatte, fiel mir die Entscheidung nicht schwer (lacht). Mein Auftritt kam dann auch gut an, ich habe nette Leute kennengelernt und sofort gemerkt, dass ich mich in der Szene sehr wohl fühle.
Der Durchbruch kam mit dem Sieg bei der deutschsprachigen Meisterschaft 2010. Irgendwann stand ich an dem Punkt, wo ich allein vom Auftreten und Schreiben leben konnte, auch wenn mir dabei etwas mulmig zumute war.
Immerhin hast du dafür eine sichere Karriere als Lehrer aufgegeben.
Genau. Ich hatte gerade mein Germanistik- und Geschichtsstudium in Wuppertal erfolgreich beendet und wollte mein Referendariat beginnen. Doch dann habe ich mir gedacht, als Lehrer könnte ich ja später immer noch arbeiten, falls es mit der Literatur nicht mehr läuft.
Neben den Slams bist du als Schriftsteller noch in anderen Disziplinen aktiv. Es wurden bereits Kurzgeschichtenbände von dir veröffentlicht, ein Roman folgt, du trittst mit deinem Lese-Kabarett auf und bist ständig mit Lesungen auf Tour. Ziemlich viel auf einmal. Wofür bringst du die meiste Motivation auf?
Schwer zu sagen. Eigentlich macht genau diese Mischung den Reiz aus. Aber prinzipiell macht mir das Schreiben an sich am meisten Spaß. Wobei ich nicht wüsste, ob es mir ohne die Auftritte noch genau so viel Spaß machen würde (lacht). Das Schreiben ist halt das, was mich motiviert und letztlich alles Andere trägt. Ich bin kein extrovertierter Typ, in das Bühnenleben wachse ich erst noch hinein.
Wie arrangierst du dich denn mit dem Auftreten? Eine gewisse Unterhalter-Mentalität ist dabei doch gefordet.
Meine Ambition ist es immer, dass meine Geschichten im Vordergrund stehen, nicht meine Person. Ich halte mich zurück. Klar, der "Rampensau-Faktor" spielt eine Rolle und vielleicht gestehe ich mir nur nicht ein, dass ich ihn habe. Aber von mir aus, könnte da auch jemand Anderes stehen und meine Texte lesen, solange die nur richtig rüberkommen.
Poetry Slams sind in den letzten Jahren sehr populär geworden. Von einigen "elitären" Kreisen in der Literatur kommt aber auch Kritik. Was setzt du dem entgegen?
Poetry Slams sind eben eine Nische zwischen Literatur, Theater und Comedy. Es geht um Unterhaltung, dessen muss man sich bewusst sein. Meistens gewinnt der Text, der für die meisten Lacher gesorgt hat, und nicht der vielleicht geistreichste. Das ist aber nicht negativ. Humoristisches Schreiben kann eine größere Herausforderung sein, als beispielweise auf die Tränendrüsen drückenden Pathos zu verfassen. Außerdem geht es bei den Slams nicht immer unbedingt ums Gewinnen. Die lustigen Texte siegen zwar oft, andere bleiben aber in Erinnerung.
Und wohin geht der Hype?
Gute Frage. Es ist natürlich extrem geworden. Die deutschen Meisterschaften 2011 in Hamburg, in einer Arena vor 4000 Leuten, waren total surreal für eine Literaturveranstaltung. Aber das Ganze wird sich wieder einpendeln. Ich wäre auch nicht böse drum, wenn es nachlässt.
Du gibst hin und wieder auch Workshops für kreatives Schreiben. Was würdest du allen ambitionierten Nachwuchsautoren, die vielleicht einen ähnlichen Weg wie du gehen wollen, raten?
Man sollte immer schreiben, weil es einem selber große Freude macht und weil man den Zwang verspürt zu schreiben, nicht deshalb, um Bücher zu verkaufen.
Patrick Salmen ist Lyrik- und Prosaautor. Mit seinen Gedichten und Kurzgeschichten nimmt er regelmäßig an Poetry Slams teil, ist mit seinem Programm "Euphorie! Euphorie!" auf Lesetour oder tritt zusammen mit Torsten Sträter in seiner Heimatstadt Wuppertal in der Lese-Kabarettshow "Als eine Kuh des Weges kam, fragte es die anderen Pferde" auf. 2011 kam sein erstes Kurzgeschichtenbuch "Distanzen" heraus, kürzlich folgte sein zweites "Tabakblätter und Fallschirmspringer".
Mehr Infos zu Patricks Auftritten und Büchern bekommt ihr unter: www.patricksalmen.de









