Ring*Con 2012: Ein Erfahrungsbericht

Bekenntnis und Bekehrung eines Nicht-Fantasyfans

von Barbara Kotzulla
Alle Fotos: Barbara Kotzulla/Unicum

Lauter Hobbits, schöne Drachenköniginnen, hier und da mal ein Harry Potter und dazwischen unzählige Fans und ihre Stars aus Film und Fernsehen: Vom 5.–7. Oktober lud die Ring*Con zur größten Fantasy-Convention Europas nach Bonn. UNICUM schickte Redakteurin Barbara auf die Reise nach Mittelerde. Diese kam zwar ohne den Einen Ring, aber dafür um einige Erfahrungen und interessante Eindrücke reicher, wieder. 

Das erste Mal

Im Jahr 2002 fand die erste Ring*Con statt. Damals richtete sich das Programm hauptsächlich an Fans der Werke von Autors J.R.R. Tolkien. Zehn Jahre später beheimatet das Maritim Hotel in Bonn am Convention-Wochenende nicht nur Hobbits, Elben und Orks aus dem "Herr der Ringe"-Kosmos, sondern auch Krieger aus der TV-Serie "Game of Thrones", Zauberer aus "Harry Potter" und allerlei weitere Fantasyfiguren aus aller (Fabel-)Welt.

Und dazwischen sitzte nun also ich. Unverkleidet, aber das sind viele. Ohne Ahnung, da bin ich alleine. Klar, ich fand die "Herr der Ringe"-Filme toll und "Game of Thrones" ist das Beste, was ich seit langem im TV gesehen habe. Aber als Fan würde ich mich nicht bezeichnen, zumindest nicht in der Art und Weise, wie es die Besucher der Ring*Con tun.

Die Ring*Con ist ein Fest für die Besucher. Hier treffen sich die Fantasyfans, hier tauschen sie sich aus, hier lernen sie in Workshops mehr über ihre Leidenschaft, hier kommen sie den Schauspielern ganz nah. Es ist eine ganz besondere Atmosphäre, die das ganze Wochenende lang herrscht. Oder, wie es Annika Leichner, Szeneforscherin und Geschäftsführerin von myfanbase.de, ausdrückt: "Ein Besuch auf der RingCon ist vergleichbar mit einem großen Familientreffen, bei dem jeder mit offenen Armen empfangen wird. Aus diversen Fandoms treffen auf der Ring*Con Gleichgesinnte zusammen, die für ein Wochenende gemeinsam in eine ‚andere Welt‘ abtauchen und nur eins wollen: Spaß haben. Diese positive Grundstimmung überträgt sich auf alle Beteiligten, sodass selbst die Stargäste sich gerne unters Volk mischen und mit den Besuchern feiern."


Zwei "Game of Thrones"-Fans
Sookies aus "True Blood"
Hobbit-Mädchen
Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt
Eine Besucherin aus "Pleasantville"
"Game of Thrones" war oft vertreten

Panel oder Workshop?

Ich folge der Fan-Kennerin in mein erstes Panel: Eine Stunde lang stellen sich die "Game of Thrones"-Darsteller Natalia Tena ("Osha") und Joe Dempsie ("Gendry") den Fragen des Publikums. Die scheinen nie zu versiegen und zeigen einmal mehr, wie sehr sich die Fans mit ihrer Lieblingssendung oder ihrem Lieblingscharakter beschäftigen. 

Für viele Fans sind diese Frage-Antwort-Runden der Hauptanziehungspunkt auf der Convention. Deswegen sind sie nach Bonn gekommen: Sie wollen ihren Stars wie Kristin Baur aus "True Blood" oder Daniel Gilles aus "Vampire Dairies" ein, zwei, drei Fragen stellen. Einige bleiben den ganzen Tag im großen Saal des Hotels sitzen, um ja keinen Darsteller zu verpassen. Sie verlassen höchstens den Raum, um einer Autogrammstunde oder einer Fotosession beizuwohnen.

Ich bin begeistert von dieser Leidenschaft und dem Enthusiasmus, der auch in den Workshops und Vorlesungen zu Vorschein kommt. Es gibt Dozenten, wie Renate Knobloch-Maas, die den Besuchern die elbische Schriftzeichen beibringen. Oder wie Dr. Oliver Bidlo, der über Profiling im "Herr der Ringe" spricht. Das mag man als Außenstehender für verrückt halten, aber genau diese Dinge gehören für viele Besucher der Ring*Con zum Fantum dazu.


Das Zelt der LARP-Spieler von "Broken Crown"
Zum Gruseln gab's auf der Ring*Con wenig
Ein "Harry Potter"-Match vor den Toren des Hotels
Das Publikum war das ganze Wochenende begeistert
Das Ergebnis des "50.000 Orks"-Projekts
Ring*Con unterstütze Sea Shepard mit einer Auktion

Stars in Plauderlaune

Ich bleibe aber vorerst bei den Stars, die sich allesamt auf der Ring*Con entspannt und in Plauderlaune präsentieren. Irgendwelche Allüren? No way. Keine Antwort auf eine persönliche Frage? Gibt es hier nicht! Auf der Bühne geben sich alle Schauspieler von ihrer witzigen Seite, erzählen Anekdoten. Man merkt, dass Ihnen die Menschen im Publikum wichtig sind und, dass sie sich von der Fanliebe geehrt fühlen.

Für einige wie Craig Horner aus "Legend of the Seeker" oder Joe Dempsie aus "Game of Thrones" ist es die erste Ring*Con, die sie besuchen. Andere wie Craig Parker (u.a. Haldir auf "Herr der Ringe") sind fast immer dabei. Letzterer steht auch beim inoffiziellen Highlight der Convention auf der Bühne. Beim Kiwi-Panel am Samstag gibt der "Legend of the Seeker"-Bösewicht gemeinsam mit seinen neuseeländischen "Herr der Ringe"-Kollegen Mark Ferguson (Gil-Galad), Lori Dungey (Mrs. Bracegirdle) und Thomas Robins (Déagol) eine lustige und aberwitzige Performance zum Besten.

Zwei weitere Darsteller aus "Herr der Ringe" wissen ebenfalls die Ring*Con-Besucher zu begeistern: Ob allein oder im Doppelpack – die Auftritte von Sean Astin (Sam) und Billy Boyd (Pippin) waren für Fans ein Muss. Auch dank der Gesangseinlage von Boyd, der "sein" Lied aus der Trilogie intonierte.

Bei dem Auftritt eines durchaus "herausragenden" Darstellers wurde dann auch ich zum Fan. Jason Momoa alias Khal Drogo aus "Game of Thrones" ist schon aufgrund seiner Statur eine imposante Erscheinung. Auf die Bühne kam er dann stets mit mindestens einem Weizenbier in der Hand. Und der Bär von einem Mann entpuppte sich dann doch ziemlich schnell als liebenswerter und humorvoller Teddybär.


Craig Parker ("Legend of the Seeker")
Parker und Lori Dungey im Kiwi-Panel
Kristen Baur ("True Blood")
Joe Dempsie ("Game of Thrones")
Daniel Gilles ("Vampire Dairies")
Craig Horner ("Legend of the Seeker")
Jason Momoa ("Games of Thrones") ohne ...
... und mit einem Weizenbier
Miltos Yerolemou ("Game of Thrones")
Natalia Tena ("Game of Thrones")
"Master of Ceremonys" Mark Ferguson
Billy Boyd ("Herr der Ringe")
Sean Astin ("Herr der Ringe")
Team Starkid gaben ...
... ein Lied zum Besten.

Nach der Show ist Aftershow

Das, nach eigenen Angaben heißgeliebte, Weizenbier ließ Jason Momoa auch am Abend nicht aus der Hand. Die Stargäste ließen es sich am Abend nicht nehmen, einen Abstecher in die Hotelbar zu machen, in der die Ring*Con-Besucher feierten.

Gemeinsam ließ man den Abend ausklingen, tanzte oder besuchte die abschließenden Konzerte. Doch selbst, wenn ein Fan auf der Tanzfläche auf einmal "Harry Potter"-Hexe Natalia Tena traf, blieb die Stimmung entspannt und kippte nie ins Hysterische. Die Fans und ihre Stars genossen gemeinsam die Party, obwohl sich sicherlich einige internationale Besucher über die Musikauswahl des DJs inklusive "Moskau" und 90er-Jahre-Partymusik wunderten. Aber nichts konnte der Feierlaune Abbruch tun, sodass einige Stargäste am Samstag- und Sonntagmorgen sich mit einem kleinen Kater den Besuchern stellten.


Flashmob bei der Talentshow
Die Jury der der Talentshow
Kreativität überzeugt!
Einen Heiratsantrag gab's auch: "Ringträger" war Sean Astin!
Der "Mittelerde"-Chor: Ergebnis eines Workshops
UNICUM Redakteurin Barbara im Fantasyfieber

Das Ende einer Erfahrung

Am Sonntagabend endete dann unter Leitung des "Master of Ceremonies" Mark Ferguson und seiner Co-Moderatorin Lori Dungey ("Mini-Mark" genannt) die Ring*Con 2012. Noch einmal wurden nicht nur die Darsteller, Dozenten und Stargäste geehrt, sondern auch das Organisationsteam und die Fans.

Die Teilnehmer des Chorworkshops durften zwei Lieder einstimmen und auch die Mitglieder des Team Starkid, welche gerade bei jüngeren Besucher dann doch für Kreischattacken sorgten, griffen zum Mikrofon. Den Teilnehmern des Talentwettbewerbs wurde ebenso gedankt, wie den Gewinnern des Kunstwettbewerbs.

Nach drei Tagen Ring*Con fühle ich mich ziemlich geplättet von all den Eindrücken. Ein Wochenende Fantasy, Fantum und Feiern war vorbei. Und mit dem Ende kam für mich die Erkenntnis: Ein so großer Fan von einer Serie, einem Film oder ähnlichem werde ich wohl nie – dafür fehlt mir einfach das Fan-Gen. Doch auch für mich als Nicht-Fan war die Ring*Con ein wunderbares Ereignis. Für alle, die das Fantum leben, war es ein Fest.

So nah wie auf einer Convention kommt man seiner Leidenschaft als Fantasy-Liebhaber wohl nur selten. Und gerade die tiefen Einblicke in die Produktion der TV-Serien und der Kinofilme sowie in das Leben der Schauspieler macht einen großen Reiz aus. In den drei Tagen passierte noch eine Menge mehr: Heiratsanträge, Flashmobs, Lesungen ... Die Ring*Con sprengt jeden Artikel und ist einen Besuch wert.

Das Datum der Ring*Con 2013 ist schon einmal notiert: Vom 18.–20.10. geht es im Maritim Hotel Bonn wieder fantastisch zu. Neugierig geworden? Weitere Infos zur Ring*Con gibt es unter www.ringcon.de

Diskutiert mit im Forum

How I met your mother - HIMYM - Wer ist die Mutter?
Flocke16|
Welche Filme sollte ich sehen?
smeagol|
Super radiosendung gefunden, richtig geil!
camembert|
Ich war im Kino und plötzlich kam ein Film!
Salome|

UNICUM Newsletter

Hier die UNICUM Newsletter bestellen ! (Link)