UNICUM Kinotipp: Cloud Atlas
Die Verfilmung von David Mitchells "Wolkenatlas" startet am 15. November in den dt. Kinos

- Szene aus "Cloud Atlas" | Foto: X-Verleih
Am 15. November kommt das Mammut-Film-Projekt Cloud Atlas in die deutschen Kinos. Dort wird dann alles zu sehen sein, was in einen Film hinein passt. Trotzdem geht es nur um ein Thema: die Verbundenheit der Dinge.
Vielschichtig, aber nicht komplex
Es gibt diesen schmalen Grat, der bestimmt, wann eine Menge zum Übermaß wird. In Hollywood gilt dieses Prinzip nicht. Dort können sich drei Regisseure – die "Matrix"-Macher Lana & Andy Wachowski sowie Tom Tykwer ("Lola rennt") – zusammen tun, um sechs Geschichten zu erzählen, die auf vielen verschiedenen Zeitebenen ablaufen. Dazu spielen zwölf Schauspieler in Starbesetzung (Tom Hanks, Halle Berry, Hugh Grant u.a.) in jeder Zeit einen anderen Charakter, insgesamt macht das 62 Charaktere. Die Summe aus all dem kann sich als gute Unterhaltung sehen lassen.
Die Geschichte des jungen Anwalts (Jim Sturgess) am Ende des 19. Jahrhunderts steht am Anfang des Films – und findet sich wieder in der Episode, die über einen Rebellionskämpfer im Jahre 2144 erzählt. Ein anderer Kontext, das Motiv des Kampfes um die Menschenrechte ist das Gleiche. Nach diesem Prinzip funktioniert die gesamte Handlung, die vielschichtig ist, aber nicht komplex. Ein bisschen wie "The Butterfly Effect".
Schon in der Erzählstruktur spiegelt sich das Grundthema "Alles ist verbunden" wider. Ein angehender Komponist im England der 1930er Jahre (Ben Whishaw) liest das Tagebuch des jungen Anwalts. Einige Briefe aus der Feder dieses Komponisten wiederum finden sich in der nächsten Geschichte einer Journalistin (Halle Berry) wieder, die versucht, 1973 einen Atomskandal der Regierung aufzudecken. Durch die Lektüre des Lebenswerkes der Journalistin wird ein gealterter Verleger (Jim Broadbent) in der nächsten Episode zu der existentiellen Frage kommen, was sein Leben für ihn bedeutet. Er wählt die Freiheit und setzt alles daran, aus seinem Altersheim auszubrechen. Knapp hundert Jahre später wird dieser Ausbruch die Grundlage für eine Rebellion im futuristischen Südkorea sein. Den Abschluss der rotierenden Handlung bildet ein Szenario im Jahre 2346, in dem die Menschen in fast primitiven Stammesverhältnissen leben und eine Rebellionskämpferin aus der Vorgeschichte anbeten.
Weil sie es schafft, die komplette Handlung unterzubringen, ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellerromans von David Mitchell gelungen. Sie setzt die Story so um, dass sie kein "visuelles Hörbuch des Romans ist", wie Mitchell in der Reflektion über die Verfilmung seines Romans in der New York Times lobt. Auffallend gut sind dabei die Jungschauspieler Jim Sturgess und Ben Whishaw, die davon ablenken, dass Tom Hanks enttäuschend alt und schwerfällig geworden ist.
Alles kommt zurück
Ein zusätzlicher roter Faden im Film ist eine hoffnungsvolle Musik, das "Wolkenatlas-Sextett", die konstant zwischen all den großen Gefühlen aus Spannung, Dramatik, Depression und Liebe immer wieder eingespielt wird.
Denn alles ist verbunden. Wer das noch nicht im Subtext verstanden hat, dem wird das auch gerne noch gefühlte 20 weitere Male an verschiedenen Stellen im Film mitgeteilt. Der Film verliert viel dadurch, das ist schade. Aber dafür ist es genau das Richtige für einen gewaltigen Kino-Blockbuster, der berieselnde Unterhaltung bietet. Für Hollywood-Verhältnisse sogar mit ein bisschen Tiefgang, was die Intention angeht.
Als würde man ein Gericht mit allem bestellen
Schlussendlich kann man Cloud Atlas so betrachten, als würde man in ein Restaurant gehen und ein Gericht mit allem oben drauf bestellen, das sonst noch angeboten wird. Ein großer Teller, auf dem alles verbunden ist, weil es dann doch nur aus den gleichen Bestandteilen gemacht worden ist, nur anders zubereitet. Und komischerweise schmeckt es auch noch. Aber zu viel ist es trotzdem.
Cloud Atlas
Drama, USA 2012
Regie: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer
Darsteller u.a.: Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Ben Whishaw, James D’Arcy, Hugh Grant
Verleih: X-Verleih
Kinostart: 15. November 2012
UNICUM sprach zum Kinostart mit Cloud Atlas-Regisseur Tom Tykwer. Das ganze Interview und eine Verlosung findet ihr auf unicum.de/entertainment










