UNICUM schaut: Bel Ami
Die starbesetzte Literaturverfilmung gibt's ab 29. November auf DVD und Blu-ray

- Christina Ricci und Robert Pattinson in "Bel Ami" | Foto: Studiocanal
Geld statt Glitzer: In der Verfilmung des französischen Literaturklassikers Bel Ami von Guy de Maupassant versucht sich "Twilight"-Vampir Robert Pattinson als machtgieriger Verführer. In weiteren Rollen spielen u.a. Uma Thurman oder Christina Ricci in dem Drama um Intrigen und Liebschaften im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit.
Ein Spiel ohne Sieger
Eines muss leider direkt gesagt werden: So ganz kauft man dem 26-jährigen Robert Pattinson die Rolle des ehemaligen Soldaten, der verarmt in Paris strandet und sich durch die Betten der Gesellschaft ganz nach oben schläft, nicht ab. Aber wie Bel Ami im Allgemeinen steigert sich auch die pattinson'sche Glaubwürdigkeit mit jeder Filmminute.
Wir schreiben das Jahr 1890. Georges Duroy (Pattinson) strandet mittellos in der französischen Hauptstadt und findet Arbeit als Bahnangestellter. In einem Lokal trifft er auf seinen älteren Kriegskameraden Charles Forestier (Philip Glenister), der in Paris als Journalist arbeitet. Forestier hat Mitleid mit Duroy, schenkt ihm ein wenig Geld und lädt den jungen Mann am Folgetag in seine Wohnung ein. Dort trifft der skrupellose Schönling auf die drei Frauen, die sein Leben verändern sollen: Forestiers gebildete Ehefrau Madeleine (Uma Thurman), die er nach dem Ableben seines späteren Feindes heiratet, schenkt im Ansehen und Macht. Madame Rousset (Kristin Scott Thomas) wird zu einer einflussreichen Fördererin und zu einem Spielball seiner Intrigen. Und schließlich Clotilde de Marelle (Christina Ricci), die Georges Duroy aufrecht liebt, aber doch nicht halten kann.
Die Jagd nach Ruhm und Einfluss, der Konflikt zwischen Liebe und Macht: Der französischer Schriftsteller und Journalist Guy de Maupassant (1850-1893) zeichnete mit seinem Roman Bel Ami ein Gesellschaftsporträt, dessen Eckpfeiler noch heute Aktualität haben. Seine Hauptfigur Georges wandelt sich in dem ironischen Werk vom Aufsteiger zum Intriganten erster Güteklasse. Die Darstellung dieses Wandels gelingt Schauspieler Robert Pattinson im Film leider nur zaghaft. Sein Duroy bleibt eindimensional, stets einen Tacken zu jugendlich und bübisch, eine Entwicklung blitzt nur hier und da auf. Vielleicht mag es auch daran liegen, dass die Chemie zwischen ihm und seinen weiblichen Co-Stars nicht ganz stimmt. Uma Thurman und Kristin Scott Thomas sind "Edward" in Jahren und schauspielerischer Erfahrung weit voraus, so richtig wollen ihre Charaktere einfach nicht zusammenpassen. Einzig mit Christina Riccis Figur Clotilde stimmt die Harmonie.
Dem Regiedebüt der Briten Declan Donnellan und Nick Ormerod mangelt es streckenweise aber nicht nur an atmosphärischer Dichte, sondern auch an Tempo. Erst nach und nach nimmt Bel Ami an Fahrt auf, ist die Story aber erst einmal in Gang gebracht, ist der Film aber durchaus fesselnd. Gerade im letzten Drittel wird es spannend: Wie in einem Krimi zeigt sich nun das Ausmaß der Verstrickungen um den eitlen Duroy, der mal Spielball, mal Spieler ist. Am Ende gibt es keine Sieger, nur die Erkenntnis, dass für einige Menschen die Liebe einfach zu wenig ist.
Bel Ami ist sicherlich nicht nur etwas für Pattinson-Verehrerinnen, auch Kostümdrama-Fans können hier ruhig einen Blick wagen. Aus dem Stoff der Vorlage hätte man sicher noch mehr rausholen können, so ist Bel Ami aber ein solides Machwerk geworden, dem aber vielleicht doch die französischen Leichtigkeit und Chuzpe fehlt.
Bel Ami
Historiendrama, UK/F/I 2011
Regie: Nick Ormerod & Declan Donnellan
Mit u.a.: Robert Pattinson, Uma Thurman, Kristin Scott Thomas, Christina Ricci
Verleih: Studiocanal
VÖ: 29. November 2012










