UNICUM schaut: Die Tribute von Panem – The Hunger Games
Ab 30. August auf DVD und Blu Ray

- Foto: Murray Close, Studiocanal
Warum heulen die Buchverlage eigentlich immer? Solange es Romanreihen wie Die Tribute von Panem gibt, gibt es auch genug Nachwuchs an Lesern. Und dank Verfilmungen, rollt auch in Hollywood der Rubel.
Harry Potter, Twilight und jetzt Die Tribute von Panem – das Rezept mundet der Zielgruppe, vornehmlich Teenie-Mädchen, weiterhin. Man nehme ein Fantasy- oder Science-Fiction-Motiv, viele ausgeprägte, jugendliche Hauptcharaktere, gibt einen ordentlichen Schuss Action hinzu und würzt das Ganze mit einer Lovestory. Das Rad wird dadurch allerdings nicht neu erfunden. Und neben diesem altbewährten Rezept, setzt Die Tribute von Panem – The Hunger Games noch auf weitere alte Erfolge und bedient sich munter bei George Orwells 1984, Stephen Kings Menschenjagd oder Filmen wie Das Millionenspiel und Running Man.
Die Tribute von Panem – The Hunger Games spielt in einer nahen Zukunft. Nordamerika wurde durch Revolution und Bürgerkrieg erschüttert. Es entstand der totalitäre Staat Panem, in dem das sogenannte Kapitol, ein Mix aus Großkonzern und Regierung, mit eiserner Härte über das hungernde Volk herrscht. Zur Bestrafung der Menschen werden jährlich die „Hungerspiele“ veranstaltet. Dafür müssen jeweils zwei ausgeloste Jugendliche aus den zwölf Distrikten Panems als Tribute in einem modernen Gladiatorenkampf gegeneinander antreten, den nur einer von ihnen überleben soll. Die Hungerspiele sollen aber nicht nur Peitsche, sondern auch Zuckerbrot für die Bevölkerung sein und werden in einem riesigen Fernsehspektakel inszeniert.
Doch nicht alle sind von den Hungerspielen begeistert. Nicht die verarmten Einwohner der Provinzdistrikte Panems, und erst recht nicht die dort lebenden Jugendlichen, die für diesen Todeskampf ausgelost werden könnten. Aus Distrikt 12 trifft es Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson). Als Außenseiter reisen sie zu den Hungerspielen. Immerhin haben sie mit dem ehemaligen Sieger ihres Distrikts Haymitch (Woody Harrelson) und Stylist Cinna (Lenny Kravitz) kompetente Mentoren an ihrer Seite. Gegen Katniss und Peetas Gewissenkonflikt, ausgelöst durch ihre Beziehung zueinander und der Solidarität mit anderen Tributen, wissen die Mentoren aber auch keinen Rat.
Die „Blaue Periode“
Obwohl sich Die Tribute von Panem in die erfolgreichen Jugendromane der letzten Jahre einreiht, könnten Pädagogen behaupten, dass die Geschichte eigentlich nichts für Jugendliche ist. Die dargestellte Gewalt ist recht explizit, was das Medium Film durch die Bildebene natürlich noch verstärkt. Hinzu kommen die dystopischen und gleichzeitig doch so aktuellen Motive, die eher Zuschauer über 18 interessieren. Die Tribute von Panem – The Hunger Games ist ein Produkt unserer Zeit, mit ihren Ängsten Wirtschaftskrise, soziale Ungleichheit, totalitäre Kontrolle durch Staat und Wirtschaft sowie unterdrückter Sehnsucht nach Veränderung oder gar Revolution.
Wie treffend, dass die Verfilmung von Die Tribute von Panem – The Hunger Games oft ins Bläuliche koloriert ist - ein Trend, der sich in einigen Fantasy- und Science-Fiction-Werken seit Avatar beobachten lässt, darunter zum Beispiel The Avengers oder das ebenfalls dystopische Drama In Time. Ob beabsichtigt oder nicht, motivisch passt es zu den anderen „Blauen Perioden“ der Geschichte. Picasso thematisierte in den Bildern seiner Blauen Periode oft das Schicksal einzelner Außenseiter der Gesellschaft. Im faschistischen Spanien unter Diktator Franco galt die Blaue Periode als Zeit der grausamen Rache des Regimes an seinen Gegner in einem nach dem Bürgerkrieg verwüsteten und verarmten Land.
Gerade Letzteres erinnert stark an die Zustände in Die Tribute von Panem und lässt die gesellschaftskritische Story dann doch sehr aus dem Rahmen von Zauberlehrlingen und romantisch keuschen Vampiren fallen.
Die Tribute von Panem – The Hunger Games
Science-Fiction, USA 2012
Regie: Gary Ross
Darsteller u.a.: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Woody Harrelson
Verleih: Studiocanal
VÖ: 30. August 2012










