UNICUM schaut: Drive

Ästhetisch düsterer Streifen mit Ryan Gosling, ab 29. Juni 2012 auf DVD und Blu Ray

von Roman Milenski
Foto: (c) Universum Film

Nikolas Winding Refn ist ein Fuchs. Mit Drive erschuf der dänische Regie-Virtuose einen so kruden, stilprägenden Mix, dass der noch junge Film schon eine feste Gemeinde von Anhängern rekrutiert hat. 

 

Liebes Publikum von RTL und "Filmen" wie The Fast And The Furious: Nein, Drive ist nichts für euch. Also, spart euch das Geld bzw. den illegalen Download! Was zwar irgendwie klingt, wie ein Streifen in dem sich Hauptschulabbrecher unrealistische Verfolgungen in stillos getunten Autos liefern, ist in Wahrheit alles andere als das. Drive ist ein einziger Kontrast. Ein Motiv des Mainstream-Actionkinos verpackt im Arthouse-Look. Ein Neo-Film Noir mit Anlehnungen an das Grindhouse-Kino. Das uneheliche Kind von Steve McQueen und Sonny Crockett.

Personifiziert werden diese Gegensätze im Charakter des Hauptdarstellers Ryan Gosling. Der namenlose "Driver" ist ein einsamer, wortkarger Außenseiter. Tagsüber Mechaniker und Stuntman in Hollywood, begibt er sich abends in eine dunkle, kriminelle Parallelwelt und bietet seine Fahrkünste als Fluchtwagenfahrer an. Das Ganze aber ohne Tempo 200 innerorts oder Sprünge über 50 Meter. Sein Hauptziel bei der Flucht wie im Leben ist es bloß unauffällig in der Masse zu verschwinden. Emotional taut er nur gelegentlich auf. Dann, wenn er sich um seine Nachbarin Irene (Carey Mulligan) und ihren kleinen Sohn kümmert. 

James Dean ist auferstanden

Foto: (c) Universum Film

Doch bevor sich zwischen den beiden eine Affäre entwickeln kann, kommt Irenes Mann Standard (Oscar Isaac) aus dem Gefängnis. Ganz resozialisiert ist dieser noch nicht. Kaum in Freiheit, muss Standard schon wieder einen Überfall begehen, um alte Schulden zu tilgen. Weil der Driver Irene und den Jungen beschützen will, bietet er sich als Fahrer an, damit die Sache endgültig aus der Welt kommt. Doch diesmal verläuft nichts reibungslos. Plötzlich hat der Driver die Mafia am Hals, zu der er jedoch schon vorher eine Verbindung hatte. Wie gut, dass er sich zu wehren weiß.  

Gosling mimt den typischen Antihelden mit Bravour. Mit seiner Rolle in Drive hat sich der Kanadier selbst ein Denkmal gesetzt. Im Netz grasiert mit Foto-Galerienprofessionellen Fan-Videos oder Super Mario im Drive-Look der Kult um den Driver - typische Merkmale: Stuntman-Jacke mit Skorpion und Leder-Handschuhe. Und die Ritterschläge sind berechtigt. Goslings großartige schauspielerische Leistung in Drive erinnert an das Talent von James Dean.  

Trotz allem Hype um Ryan Gosling, muss aber vielmehr die Arbeit von Regisseur Nikolas Winding Refn gelobt werden. Refn ist ein Meister der Ästhetik. Auf einer Metaebene hält er seine Filme stets im düster ruhigen Stil des Film Noirs und mischt diesen mit banaleren Genres, die eigentlich nicht dazu passen, zu einem stimmigen Gesamtkonzept. Das will gekonnt sein. Seine Filme sind zudem oft erst ab 18 zugelassen, was schlichtweg an einigen Szenen mit schockierender Brutalität liegt, die plötzlich die Ruhe stören. Während ihn viele Cineasten für solche Stilbrüche in den Himmel loben, kritisieren andere die ihrer Meinung nach sinnlosen, übertriebenen Gewaltdarstellungen. Da sind sie wieder, die Kontraste.



 

Drive

Actiondrama, USA 2011

Regie: Nikolas Winding Refn

Darsteller u.a.: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston

Verleih: Universum Film

VÖ: 29. Juni 2012

 

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