UNICUM schaut: In Time

von Roman Milenski
Foto: (c) 20th Century Fox

"Nur die Armen sterben jung" - mit der Aldous Huxley-artigen Dystopie In Time (DVD- & Blu Ray-Start: 13.04.) liefert Hollywood tatsächlich mal wieder Innovatives mit etwas Tiefgang. 

Zeit ist Geld. Als Teil des hektischen Hollywood-Apparats, weiß Andrew Niccol - Regisseur und Drehbuchautor von In Time - das bestimmt nur zu gut. Und da der gebürtige Neuseeländer auch noch Spezialist für gesellschaftskritische Science-Fiction ist (Regie und Drehbuch zu Gattaca, Drehbuch zu Die Truman Show), machte er aus diesem Motiv gleich mal einen pessimistisch futuristischen Film.

In Time spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die Menschen dank Genmanipulation mit 25 aufhören zu altern. Klingt großartig, hat aber einen Haken: Die Lebenszeit ist gleichzeitig auch Währung, durch einen Countdown in den Unterarm implantiert. Man kauft einen Kaffee, hält das Handgelenk unter einen Scanner und schon lebt man 3 Minuten weniger. Zusätzliche Zeit kann wie gehabt durch Arbeit, Geschenke oder auf kriminellen Wegen erlangt werden. Ist die Zeit jedoch abgelaufen, war es das. Die Moral dieses neuen Systems: Die Armen leben mit meist nur einem Tag Restzeit auf ihrer Uhr eine ganz neue Definition von "carpe diem", während die Reichen de facto unsterblich sind. Zusätzlich sind die Städte in Zeitzonen aufgeteilt, in denen die verschiedenen, sozialen Schichten isoliert voneinander leben. 

Das gilt zumindest solange, bis Arbeiter Will Salas (Justin Timberlake) den Klassenkampf startet. Durch Zufall rettet er einen lebensmüden Reichen vor dem Tod. Dieser schenkt ihm nicht nur seine gesamte Restzeit von 116 Jahren, sondern verrät Will auch das Geheimnis hinter dem Gesellschaftsprinzip, das die Armen bewusst unten halten will. Mit seinem neuen "Vermögen" verschafft sich Will Zugang zu den wohlhabenden Zeitzonen, um die Oberschicht aufzumischen. Doch kaum pokert er in luxuriösen Casinos um noch mehr Zeit, wird er vom "Timekeeper" Raymond Leon (Cilian Murphy), einem Polizisten zur Erhaltung der Ordnung des Wirtschaftssystems, verhaftet. Er wirft dem Emporkömmling vor, sich die Zeit widerrechtlich angeeignet zu haben und knüpft ihm alles bis auf zwei Stunden wieder ab. In einer Kurzschlusshandlung entführt Will Sylvia (Amanda Seyfried), die Tochter des Finanzmogul Weis (Vincent Kartheiser).

Die Idee ist gut, aber...

Mit Sylvia als Geisel flieht Will zurück in sein Ghetto. Sylvia, anfangs noch angewidert von ihrem Entführer, erleidet schließlich dem Stockholm-Syndrom und verliebt sich in Will. In bester Bonnie & Clyde- und Robin Hood-Manier machen die beiden gemeinsame Sache, rauben Banken aus und verteilen die Zeit an die Armen. Das perfide System gerät ins Wanken.

Das erschreckende an Andrew Niccols Zukunftsvisionen ist eigentlich die Tatsache, dass sie jeweils auch ein Stück aktueller, gesellschaftlicher Wahrheit enthalten. Gentechnologie wie in Gattaca, die totale Manipulation durch die Medien wie in Die Truman Show oder Sozialdarwinismus und die ungleiche Verteilung von Kapital wie bei In Time, sind weniger ferne Utopien als Problemstellungen unserer Zeit. Ihrem geistreichen Plot können die Bilder von In Time leider nicht immer folgen. Der Look des Films ist zwar im Hochglanz der Blu Ray eine Augenweide, die lethargisch wirkenden Actionszenen und das charakterlose Agieren der Darsteller trüben die Sicht jedoch etwas. Pop-Sternchen Justin Timberlake wäre momentan gerne ein ernst zunehmender Schauspieler, ist er aber schlichtweg nicht.




In Time - Deine Zeit läuft ab

Science-Fiction, USA 2011

Regie: Andrew Niccol

Darsteller u.a.: Justin Timberlake, Amanda Seyfried, Cillian Murphy

Verleih: 20th Century Fox

VÖ: 13. April 2012

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