UNICUM schaut: Iron Sky – Wir kommen in Frieden

Ab dem 26. Oktober auf DVD, Blu-ray und als limitierte Sondereditionen erhältlich

von Barbara Kotzulla
"Iron Sky" | Foto: © Splendid Film

"Inglourious Basterds trifft Star Wars", so wird Iron Sky gerne umschrieben. Regisseur Timo Vuorensola hat mit Fan-Unterstützung eine augenzwinkernden SciFi-Komödie auf die Leinwand gebracht. Die Geschichte um Nazis vom Mond, die endlich wieder die Erde besiedeln wollen, hat definitiv Kultpotenzial, auch wenn es ihr manchmal an Tempo fehlt und nicht jeder Gag zündet.

Abgedrehte Story

Die Story ist so skurril, das sie eigentlich wieder genial ist: Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs schaffen es die Nazis mit riesigen Ufos, sogenannten Reichsflugscheiben, auf den Mond zu flüchten. Dort besiedeln sie fortan dessen dunkle Seite und wappnen sich für eine "friedliche" Rückkehr auf die Erde. Im Jahr 2018 wird ihr geheimes Lager von der Besatzung einer US-amerikanischen Mondmission entdeckt, die von der US-Präsidentin (Stephanie Paul als Sarah Palin-Verschnitt) zu Wahlkampfzwecken ins All geschickt wurde. Die Nazis erschießen kurzerhand einen der vermeintlichen Spione und nehmen den anderen gefangen – doch zu ihrem größten Erstaunen entpuppt sich James Washington (Christopher Kirby) als Afro-Amerikaner.

In Washingtons Besitz befindet sich ein neumodisches Smartphone – vollkommen unbekannt für die rückständischen Nazis vom Mond –, mit dessen Technik die Faschisten unter Führung von Führer Kortzfleisch (Udo Kier) endlich ihr Zerstörungsraumschiff "Götterdämmerung" in Betrieb nehmen könnten. Könnten, denn der Akku geht alle. Um Nachschub zu besorgen reist SS-Offizier Klaus Adler (Götz Otto) gemeinsam mit Washington und seiner Verlobten Renate Richter (Julia Dietze) auf die Erde. Doch der Trip entpuppt sich vor allem für Renate, Lehrerin und "Erd-Spezialistin", als Augenöffner: Denn Nazis sind gar nicht friedlich ... Jetzt liegt es an ihr, die Eroberung der Welt aufzuhalten.

Ein außergewöhnliches Projekt

Sage und schreibe 7,5 Millionen Euro standen dem Finnen Timo Vuorensola bei seiner ersten großen Regie-Arbeit zur Verfügung. Ein großer Teil dessen wurde durch Crowdfunding im Internet organisiert – wer sich an der Finanzierung beteiligte, durfte eigene Ideen einbringen und bekam regelmäßig Einblick in die Produktion. Ein außergewöhnliches Projekt mit einer ungewöhnlichen Story: kein Wunder, dass die Erwartungen an Iron Sky hoch waren.

Wohin ein Großteil des Geldes gewandert ist, sieht man auf den ersten Blick: Kaum ein anderer "Trash-Film" dürfte über so eine optische Wucht verfügen. Die digitalen Effekte sind wirklich eindrucksvoll, und dass statt in New York in Frankfurt am Main gedreht wurde, ist nicht zu bemerken.

Bei der ganzen unglaublichen Optik und den unzähligen Ideen, Anleihen, Verweisen und Seitenhieben, verliert aber leider die Erzählweise an Tempo und Energie. Timo Vuorensola hat Iron Sky einfach mit zu vielen Zutaten gewürzt: Science-Fiction-Schlachten, Polit-Satire, Slapstik-Comedy, die unvermeintliche Liebesgeschichte ... irgendwie fügt sich das alles in Iron Sky nur langsam zusammen.

Wenn es dann aber passt, dann sitzen die Gags und Ideen wie angegossen: So zeigt z.B. Lehrerin Renate Richter ihren Schülern im Unterricht den zehnminütigen Kurzfilm "Der große Diktator" von Charlie Chaplin. In dem auf dem Mond verbreiteten Propaganda-Streifen sieht man lediglich Chaplin mit der Weltkugel herumalbern. Als Renate dann auf der Erde den ganzen Film sieht ist sie baff und versteht ihre Welt nicht mehr. Oder jene Szene, in der ein Abgesandter aus Nordkorea im UN-Sicherheitsrat behauptet, die Bedrohung aus dem Weltall wäre das Werk seines Führers, woraufhin die Beisitzer aus den anderen Ländern nur lachen können. Fast schon beklemmend ist auch das Ende: Als die Nationen der Erde den großen Helium-3-Vorrat der Nazis auf dem Mond entdecken, entfacht ein Weltkrieg um diese Ressourcen.

An anderer Stelle war Timo Vuorensola dann doch nicht mutig genug: ein wenig mehr "Clash der Kulturen" hätte man sich schon gewünscht. So fügen sich die "veralteten" Nazis doch ein wenig zu einfach in unsere "neumodische" Welt ein.

Fazit

Iron Sky kann die immensen Erwartungen zwar nicht erfüllen, wer aber Gefallen an abgedrehten Geschichten, guten Visual-Effects und kuriosen Gags findet, dürfte sich hier bestens unterhalten fühlen. Der Humor ist sicherlich Geschmackssache, aber das dürfte all jenen, die sich einen Film über Nazis vom Mond angucken wollen, durchaus bewusst sein.


Iron Sky – Wir kommen in Frieden

Sci-Fi/Komödie, Finnland/Australien/Deutschland, 2012

Regie: Timo Vuorensola

Darsteller u.a.: Götz Otto, Udo Kier, Julia Dietze, Christopher Kirby

Verleih: splendid Film GmbH

VÖ: 26. Oktober 2012

www.ironsky-derfilm.de

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