UNICUM schaut: King of Devil’s Island

von Holger Wendt
Foto: Alamode Film | Links: Stellan Skarsgård

Nach wahren Begebenheiten. King of Devil's Island gibt dem Subgenre des Gefängnisfilms neuen Schub und überzeugt mit einem furchtbar gemeinen Stellan Skårsgard. 

Norwegen 1915. Ruhig und gleichmäßig klatschen die Wellen gegen die Kaimauer von Bastøy, einer Gefängnisinsel für straffällige Jungen vor Oslo. Die Stille wird gebrochen durch Motorengeräusche, die immer lauter werden. Ein Kutter nähert sich von der Seeseite und legt schließlich an der Kaimauer an. Zwei Jungen werden von Bord gebracht. Ihr Atem schneidet die Luft entzwei. Der eine zittert. Ihnen wird ein Bündel ausgehändigt – eine schmucklose Anstaltsuniform, die alle Jugendlichen der Anstalt tragen müssen. Das Boot tritt die Rückreise allein an. 

"Kein Tabak! Kein Alkohol! Keine persönlichen Gegenstände!" Der Aufseher Bråthen (Kristoffer Joner) empfängt die Neuankömmlinge mit harten Worten. Was danach folgt, gehört zum Protokoll: Die Jungen (C-5 und C-19) werden geschoren, gewaschen und müssen sich dem Anstaltsleiter Hakon (Stellan Skarsgård) stellen. "Diese Insel ist mein Schiff", sagt er wie ein Kapitän, der die folgende Meuterei bereits wittert. Hakon möchte die straffälligen Jungen unter seiner Obhut zu christlichen Menschen erziehen, notfalls prügelt er ihnen den Heiligen Geist mit dem Rohrstock ein. Das Leben, wie es Erling und Ivar, so heißen die Neuankömmlinge, kannten, ist vorbei. Auf sie warten Zwangsarbeit und körperliche Züchtigung. 

Besonders sadistisch ist Bråthen. Sein Hang zur Prügelstrafe ist aus heutiger Sicht verwerflich, aber Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts leider keine Seltenheit. Erling will sich dem brutalen Regime nicht beugen. Der Konflikt ist vorprogrammiert.  Er schmiedet einen Fluchtplan, den er in einer Nacht- und Nebelaktion durchsetzen will. Doch was ist er bereit, für seine Flucht zu opfern?

Authentisch und unkonventionell

Foto: Alamode Film

Jedes Subgenre hat seine Eigenheiten und angestammten Konventionen. Gefängnisfilme machen da keine Ausnahme. Es gibt Figuren, die in vielen Filmen dieser Machart wiederkehren (der sadistische Aufseher, ein Häftling, der zur Revolte anstachelt) und Handlungsstränge, die so stereotyp zum Gefängnisfilm gehören wie der Deckel zum Topf. Klar, wird irgendwann die Anstalt gestürmt. Ebenso vorhersehbar sind die Versuche den Willen des Widerständlers zu brechen. 

Doch Marius Holsts King of Devil’s Island geht über diese Konventionen hinaus. Der Film spielt mit wahren Begebenheiten, die sich Anfang des letzten Jahrhunderts in ähnlicher Form in Bastøy ereignet haben. Unter dem Anschein der ‚Authentizität‘ werden die inhumanen Haftbedingungen der Jungen noch glaubhafter. Die Schicksale der teils unschuldig eingesperrten Jugendlichen noch viel rührseliger. Es folgt ein Finale, das einem den Boden unter den Füßen wegreißt. Auch da stand die Realität Pate. Traurig, aber wahr.



King of Devil's Island

Drama, Norwegen 2010

Regie: Marius Holst

Darsteller: Stellan Skårsgard, Benjamin Helstad, Kristoffer Joner

Verleih: Al!ve 

VÖ: 27.07.2012

www.kingofdevilsisland-film.de


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