UNICUM schaut: Machine Gun Preacher

Das biografische Actiondrama erscheint am 24. August 2012 auf DVD und Blu-ray

von Barbara Kotzulla
Szene aus "Machine Gun Preacher" | Foto: © Universum Film

Regisseur Marc Forster ("James Bond 007: Ein Quantum Trost") setzt mit "Machine Gun Preacher" dem Lebenswerk von Sam Childers ein Denkmal. Doch der spannenden Biografie des ehemaligen Drogendealers, der heute im Süd-Sudan ein Waisenhaus betreibt, wird die Verfilmung leider nicht gerecht. Immerhin gibt Hauptdarsteller Gerald Butler alles, um das Raubein mit Herz glaubwürdig zu verkörpern.

Der Prediger mit dem Maschinengewehr

Sam Childers (Gerald Butler) lebt am Rande der Gesellschaft. Der Harley-Davidson-Biker kommt gerade aus dem Gefängnis, doch statt sich um Frau und Tochter im Trailer-Park zu kümmern, flüchtet er lieber in eine Bar, um sich mit Kumpel Donnie (Michael Shannon) vollzudröhnen.

Ehefrau Lynn (Michelle Monaghan) hat während seiner Zeit im Knast ihren Job als Stripperin aufgegeben und zu Gott gefunden. Als Sam eines Abends fast einen Anhalter ermordert, folgt er ihr in die Kirche. Nach der Taufe ändert der ehemalige Drogendealer sein Leben von Grund auf: Er macht sich als Bauunternehmer selbstständig, errichtet ein eigenes Gotteshaus und hält dort Predigten.

Als Sam von dem Leid der afrikanischen Bervölkerung hört, reist er erst nach Uganda und dann in den Süd-Sudan. Gegen alle Widerstände eröffnet er im Kriegsgebiet ein Waisenhaus und stellt sich den brutalen Rebellen der Lord's Resistance Army (LRA) – als "Machine Gun Preacher", als Prediger mit dem Maschinengewehr, kämpft er mit allen Mitteln um die Zukunft der elternlosen Kinder.

Zu wenig Mut & Tiefgang

Machine Gun Preacher basiert auf Sam Childers Buch "Another Man's War" und versucht die eindrucksvolle Biografie des US-Amerikaners in ca. 120 Minuten zu erzählen. Doch die Wandlung des Outlaws in einen barmherzigen wie schwer bewaffneten Samariter bekommt die Verfilmung von Regisseur Marc Foster nur schwer zu fassen.

Nur gerade einmal gefühlte 10 Minuten nimmt sich Machine Gun Preacher Zeit, um Sam vom heroinabängigen Brutalo zum kirchenfrommen Prediger mutieren zu lassen. Dabei werden die tieferen Beweggründe und die eigentliche Motivation für den Sinneswandel dem Zuschauer nie ganz klar. Und auch Hauptdarsteller Gerald Butler wirkt anfangs unsicher, so, als wüsste selbst er nicht, was er eigentlich spielen soll.

Am Filmschauplatz Afrika nehmen dann Story und Butler Fahrt auf – doch nun überschlagen sich die Entwicklungen. Da feuern Sam und seine Unterstützer mit Raketenwerfer auf die feindlichen Rebellen, im nächsten Moment versucht der "weiße Prediger" in seiner Heimat Spenden für sein Projekt zu sammeln.

Machine Gun Preacher will viel und hat die besten Absichten. Doch hier wäre weniger mehr gewesen. Der Film will Gesellschaftskritik sein (reiches Amerika – armes Afrika), Familiendrama (Sam vernachlässigt Frau und Tochter), Psychogramm (Sam ist erst Schläger, dann Prediger, verliert dann wieder die Kontrolle und wird zum Schluss geläutert) und Actionkracher (explodierende Autos etc.) – kann aber letztendlich jedes Genre nur anreißen.

Auch die komplizierten Sachverhalte in Afrika stellt Machine Gun Preacher nur oberflächlich dar. Welche Konflikte im Süd-Sudan tatsächlich ausgetragen werden, wer der Rebellenführer Joseph Kony wirklich ist und wie die Menschen im Krisengebiet leben, wird dem Zuschauer nur im Ansatz verdeutlicht. Machine Gun Preacher bleibt lieber in der Komfortzone und taucht alles in ein Schwarz-Weiß. Denn sicherlich hätte auch ein differenzierterer Blick auf die Person Sam Childers dem Film gut getan.

So bleibt Machine Gun Preacher ein durchaus unterhaltsamer Film, dem es aber leider an Mut und Tiefgang fehlt. Machine Gun Preacher regt zumindest dazu an, einen Blick auf das Leben und Werk des echten Sam Childers zu werfen – z.B. auf www.machinegunpreacher.org


Machine Gun Preacher

Actiondrama/Biografie, USA 2011 

Regie: Marc Forster

Darsteller u.a.: Gerald Butler, Michelle Monaghan, Michael Shannon

Verleih: Universum Film

VÖ: 24. August 2012

www.machinegunpreacher.org

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