UNICUM schaut: Margaret
Das starbesetzte Drama ist seit dem 07. September im Handel erhältlich

- Matt Damon und Anna Paquin in "Margaret" | Foto: 20th Century Fox Home Entertainment
Seit 2006 feilte Regisseur Kenneth Lonergan ("You Can Count On Me") an seiner zweiten Regie-Arbeit Margaret. Die Produktion wurde nicht nur von einem Gerichtsverfahren überschattet, sondern auch von Unstimmigkeiten mit dem Filmstudio. Lonergan hatte Margaret ursprünglich als dreistündiges Coming-of-Age-Drama angelegt. Zum Glück sind's "nur" 144 Minuten geworden. Weniger hätten dem mühsamen Machwerk aber auch gut getan.
Ein Film in der Sackgasse
Beim Kinostart im Herbst 2011 wurde Margaret von einem Großteil der US-amerikanischen Rezensenten in den Himmel gelobt: Ein ambitioniertes Drama mit Tiefgang. Die Darsteller um Anna Paquin ("True Blood") und Matt Damon ("Die Bourne Identität") großartig. Die Story intelligent und mitreißend. Nach 144 Minuten Margaret muss man sich allerdings hierzulande fragen, ob die Kollegen aus Übersee doch einen anderen Film gesehen haben.
Dabei klingen Story und Idee spannend: Die 17-jährige New Yorkerin Lisa (Paquin) ist auf der Suche nach einem Cowboyhut für einen bevorstehenden Reiturlaub. In den Geschäften ist keiner auszutreiben, aber auf dem Kopf eines Busfahrers (Mark Ruffalo) entdeckt sie einen. Winkend und rufend läuft sie also dem Bus hinterher, irgendwann grüßt der Fahrer zurück. Dabei übersieht er eine rote Ampel und überfährt eine Frau. Bei der Befragung durch die Polizei gibt Lisa zunächst an, dass die Ampel grün war und die Frau selbst für den Unfall verantwortlich ist. Doch nach und nach nagt das schlechte Gewissen an dem Teenager.
Regisseur Kenneth Lonergan wollte in Margaret den Weg eines Teenagers nachzeichnen, der durch ein traumatisches Ereignis in die Welt der Erwachsenen gestoßen wird. Ein löbliches Unterfangen, dass allerdings in eine Sackgasse läuft.
Wenig überzeugend
Da sind die Darsteller: Die sonst so talentierte Anna Paquin zetert und keift sich ihren Weg durch den Alltag, stellt sich im nächsten Moment wieder trotzig-selbstbewusst den Problemen, nur um dann in der nächsten Sekunde wieder eine vollkommen unbegründete Handlung zu vollziehen. Die Figur der Lisa bleibt dabei eindimensional, eine innere Entwicklung ist kaum erkennbar. Und Symphatien kann man für das traumatisierte Mädchen schon gar nicht entwickeln. Letztendlich nervt Lisa nicht nur die anderen Figuren in Margaret, sondern auch irgendwann den Zuschauer mit ihrer affektierten Art.
Die anderen Figuren, darunter Matt Damon als Lehrer, der sich mit der Hauptfigur Lisa einlässt, bleiben seltsam blass und agieren nur als schmückendes Beiwerk im Hintergrund. Einzig J. Smith-Cameron schafft es als Mutter zu überzeugen.
Allerdings bleibt fragwürdig, warum gerade Smith-Camerons Rolle mit einer eigenen Storyline bedacht wurde. Im Film fängt Lisas Mutter eine Beziehung mit dem Unternehmer Ramon (Jean Reno) an, die leider mit dem Herzinfarkt des Mannes frühzeitig beendet wird. Dieser Nebenschauplatz zieht die überhin schon überladene Geschichte noch mehr in die Länge.
Margaret wandelt sich vom Coming-of-Age-Film zum Psychogramm zum Rechtsdrama zur Mutter-Tochter-Tragödie. Ein Höhepunkt ist währenddessen nicht zu erkennen. Am Ende bleibt der Zuschauer vollkommen unberührt zurück.
Margaret
Drama, USA 2011
Regie: Kenneth Lonergan
Darsteller u.a.: Anna Paquin, Matt Damon, Mark Ruffalo, Kieran Culkin
Verleih: 20th Century Fox Home Entertainment – CineProject
VÖ: 07. September 2012










