UNICUM schaut: Moonrise Kingdom

- Szene aus "Moonrise Kingdom" | Foto: Universal Pictures
Mit skurrilen Figuren und stilvollen Szenerien schafft Regisseur Wes Anderson eine kleine Welt, die mit Situationskomik die Probleme der großen Welt wiederspiegelt. Moonrise Kingdom ist ab dem 27.09. auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Du, lieber Wes Anderson ...
Du hast mich schon wieder erwischt. Der Abspann ist schon lange vorbei, ich sitze vor dem schwarzen Bildschirm und stecke darin fest, ich möchte lieber in deinem Film bleiben. Die Welt, die du dort kreierst, ist zwar auch schwierig. Aber dafür ist sie unendlich schön.
Das liegt auch daran, dass alles ganz unverhohlen künstlich ist. Jede Aufnahme könnte ein noch schöneres Foto sein, eine Hommage an die alten Tage, im Vintage-Modus aufgenommen. Moonrise Kingdom lebt von diesem Effekt, weil er die Realität unter dieser Haube nur schemenhaft sichtbar werden lassen möchte. Unter der seichten Oberfläche ist ein ganzer Ozean Tiefe, Wes Anderson, damit hast du das Gegenteil von vielen Hollywood-Filmen geschaffen.
Dein Film zeigt eine der schönsten Liebesgeschichten, die das Kino gesehen hat. Suzie Bishop (Kara Hayward) und Sam Shakusky (Jared Gilman) lieben einander so sehr, dass sie bereit sind, füreinander zu kämpfen. Sie beide sind Außenseiter, verschrobene Typen und psychisch labil. Sie sind erst zwölf Jahre alt. Gemeinsam flüchten sie für ein gemeinsames Leben so ernsthaft vom einen Ende der kleinen Insel zum anderen, dass die Ironie sich selbst in der romantischen Idee dahinter verliert. Verfolgt werden sie von einer Horde Pfadfinder, einem gewohnt tragisch-komischen Bill Murray als Suzies Vater und einem nicht so gewohnt melancholischen Bruce Willis als den Inselpolizisten. Deine Figuren sind alle seltsam, Wes Anderson, irgendwie neurotisch und stehen weit weg von dem, was normal ist. Aber du weißt: Das macht sie nicht nur einzigartig, sondern schafft eine große Sympathie-Basis beim Zuschauer, die nicht auf Mitgefühl, sondern einer gewissen Wiedererkennung basiert.
Diese ganze Skurrilität macht fröhlich. Weil sie die große Welt in der Miniatur wie ein Puppenhaus rekonstruiert, mit einem großen Augenzwinkern. Das Leben im Pfadfinderlager als Spiegel einer geordneten Gesellschaft, in der jeder seinen zugewiesenen Platz hat, mit Neid und Vorurteilen als Begründung zum Mobbing. Eine depressive Jugendliche auf einer kleinen Insel, geprägt von den verkorksten Eltern. Und ein tapferer Pfadfinder, der seinen eigenen Weg geht, weil er nie Eltern hatte. Moderne Thematiken, verpackt in einen schönen Sommer der 60er Jahre. Mit Moonrise Kingdom erkennt man deine Liebe zu den Menschen, Wes Anderson. Und sie färbt ab.
Das Schönste ist eigentlich, dass am Ende gar nicht viel anders zu sein scheint, als es vorher war. Aber das ist eben auch die Realität unter der Haube. Und weil das unheimlich genial ist, Wes Anderson, bleib ich noch einen weiteren Moment sitzen und bleibe in deiner Welt.
Moonrise Kingdom
Komödie, USA 2012
Regie: Wes Anderson
Darsteller u.a.: Bruce Willis, Edward Norton, Bill Murray, Tilda Swinton
Verleih: TOBIS/Universal Pictures
VÖ: 27. September 2012










