UNICUM schaut: Rum Diary

Sex, Drugs & Johnny Depp: Ab dem 18. Januar auf DVD und Blu-ray erhältlich

von Barbara Kotzulla
Johnny Depp und Amber Heard in "Rum Diary" | Foto: Universum Film

Hunter S. Thompson, exzentrischer Schriftsteller und kompromissloser Journalist, ist spätestens seit "Fear and Loathing in Las Vegas" Kult. In der Verfilmung des 1971 erschienenen Romans verkörpert Johnny Depp das künstlerische Alter Ego in Perfektion – kein Wunder also, dass der Schauspieler nun ebenfalls in der filmischen Umsetzung des Thompson'schen Erstlings Rum Diary mit dabei ist. Leider gelingt es Depp nicht, mit diesem Werk seinem verstorbenen Freund ein weiteres Denkmal zu setzten. Die Trinker-Dramödie entfesselt trotz exotischer Kulisse und explosivem Storypotenzial einfach nicht die volle Sprengkraft. Schön anzuschauen ist's dennoch.

Kein neuer Kultfilm, aber ...

Weiße Strände, türkisblaues Meer: Puerto Rico ist ein Paradies. Doch die Idylle interessiert den Journalisten Kemp (Johnny Depp) erst einmal wenig. Mit einem Kater erwacht er in der Hauptstadt San Juan, wo es ihn direkt zu einem Vorstellungsgespräch bei der örtlichen US-Zeitung führt. Dank seiner gefälschten Referenzen erhält der Dandy einen Job als Horoskop- und Trivial-Schreiberling. Doch Astrologie und Touristenattraktionen interessieren Kemp im Alltag nur wenig: lieber zieht er mit seinem Kollegen, dem Fotografen Bob Sala (Michael Rispoli), durch die Rum-Bars oder besucht Hahnenkämpfe.

Kemps Leben nimmt erst Fahrt auf, als er den Unternehmer Sanderson (Aaron Eckhart) und seine verführerische Verlobte Chenault (Amber Heard) kennenlernt. Ersterer will ihn in zwielichtige Geschäfte verwickeln, in letztere verliebt sich der ambitionierte Schriftsteller auf den ersten Blick. Das Schicksal und der Alkohol scheinen es fortan nicht gut mit Kemp zu meinen – oder, doch?

Aus der Kombination aus Johnny Depp/Akteur und Hunter S. Thompson/Vorlage entsprang in "Fear and Loathing in Las Vegas" ein bizarres wie innovatives Filmvergnügen. Unter der Regie von Terry Gilliam tauchte Depp 1998 vollkommen in die drogengeschwängerte Welt Thompsons ein. Doch nicht nur an harten Rauschmitteln mangelt es in Rum Diary, auch ein wenig mehr Mut würde dem Werk von Regisseur Bruce Robinson gut stehen.

So nimmt uns Robinson mit auf eine Reise ins schwüle Puerto Rico der 1960er-Jahre: Die Einheimischen demonstrieren auf der Straße, während sich amerikanische Touristen in den Hotelcasinos vergnügen. Rum Diary liefert exzellente Bilder, die nicht nur das Fernweh schüren, sondern auch eine müßiggängerische, fast schon bedrohliche Atmosphäre transportieren. Die Buchverfilmung nimmt sich Zeit für diese Ansichten, das Erzähltempo sickert in den erste 45 Minuten von Rum Diary träge von Sonne und Alkohol vor sich hin. Dann nimmt die Story zum Glück Fahrt auf: Hauptfigur Kemp erwacht (ein wenig) aus ihrer Lethargie, die Bilder kommen in Bewegung. Dennoch verschenkt Rum Diary  sein Potenzial. Viele Ereignisse werden nur fragmentarisch angerissen, ebenso die Abgründe, die Hunter S. Thompson in seiner Vorlage beschreibt.

Die Darsteller um Johnny Depp, Aaron Eckhart ("The Dark Knight"), Michael Rispoli und Giovanni Ribisi (als durchgedrehter Religionsredakteur) spielen demgegenüber aber durchweg gelungen auf und holen das Beste aus ihren Rollen heraus. Daneben brechen noch eine Handvoll amüsante Szenen die eher verlangsamte Erzählweise auf.

Tolle Bilder, gute Darsteller, schräge Story: Rum Diary hat zwar nicht das Potential zu einem Kultfilm, sorgt aber insgesamt für unterhaltsame 115 Minuten.


Rum Diary

Drama, USA 2011 

Regie: Bruce Robinson

Darsteller u.a.: Johnny Depp, Amber Heard, Aaron Eckhart, Giovanni Ribisi, Michael Rispoli, Richard Jenkins

Verleih: Universum Film

VÖ: 18. Januar 2013

www.rumdiary-film.de


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Mitmachen könnt ihr per E-Mail: Schreibt uns an onlineredaktion@unicum-verlag.de, Stichwort: "Rum Diary". Einsendeschluss ist der 10. Februar 2013; es gelten die allgemeinen Teilnahmebedingungen.

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