UNICUM schaut: The Amazing Spiderman
Die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft in Neuauflage. Ab 08.11. auf DVD und Blu-ray

- Kopfüber: Andrew Garfield in "The Amazing Spiderman" | Foto: Sony Pictures
Braucht die Welt nach der Spiderman-Trilogie mit Tobey Maguire wirklich eine Neuauflage der Superhelden-Saga? Spätestens nach dem Abspann der neusten Comicverfilmung "The Amazing Spiderman" wird klar: Die Geschichte der Spinne schmeckt auch im Neuaufguss – und ist an vielen Stellen humorvoller, kreativer und schlüssiger als die drei Vorgänger.
Spinne gegen Echse
Peter Parker gehört zum Typus unbeliebter Nerd. Bei einem Besuch in einem Forschungslabor wird er jedoch von einer genetisch mutierten Spinne gebissen und entwickelt als Folge übermenschliche Kräfte. Als er trotz seiner neuen Fähigkeiten einen Verbrecher laufen lässt, setzt der Schlüsselmoment in der Wandlung von Mensch zu Superheld ein: Der Gangster erschießt auf seiner Flucht Peters Onkel und Vormund, der sich ihm tapfer in den Weg stellte. Auf schmerzhafte Art muss Parker so die wichtigste Lektion seines Lebens lernen, denn "aus großer Kraft folgt große Verantwortung".
Auch The Amazing Spiderman basiert auf dem festen Fundament der Spinnen-Story, doch schafft Regisseur Marc Webb es tatsächlich der allseits bekannten Ausgangsgeschichte einen neuen Dreh zu verleihen und zugleich das Gesicht des Superhelden zu wahren. Sein Spiderman Andrew Garfield passt perfekt in die Rolle und verkörpert den merkwürdigen Loser Peter Parker mit einem jugendlich-verknautschten Gesicht und jede Menge Glaubwürdigkeit. Gegen seinen Vorgänger Tobey Maguire, der in den Jahren 2002-2007 drei Mal in den blau-roten Anzug stieg, wirkt der in England aufgewachsene Garfield weniger glatt und weinerlich. Seine Darstellung lässt die Figur Spiderman realistischer und kantiger wirken – zwei Attribute, die sich auch auf Drehbuch und Regie übertragen lassen.
The Amazing Spiderman beginnt mit dem Abschied der Parkers von ihrem kleinen Sohn Peter. Richard Parker arbeitete an einem geheimen Wissenschaftsprojekt und forschte gemeinsam mit Dr. Curt Connors (Rhys Ifans) im Bereich der artübergreifenden Genetik. Aus unerklärlichen Gründen mussten Peters Eltern fliehen und ließen ihn bei seinem Onkel Ben (Martin Sheen) und seiner Tante May (Sally Field) zurück. Jahre später entdeckt Teenager Peter in einer Aktentasche seines verstorbenen Vaters Aufzeichnungen, die ihn auf die Spur von Dr. Connors und Oscorp Industries bringen. Bei einem unerlaubten Besuch in der Forschungsabteilung lernt er nicht nur den ehemaligen Freund seines Vaters kennen, sondern wird auch von einer Spinne gebissen. Angeregt durch seine eigenen körperlichen Veränderungen, liefert Peter Dr. Connor die ihm fehlende Formel aus den Unterlagen des Vaters. Connor wiederum sieht sich durch Druck seiner Geldgeber gezwungen, das genetische Experiment an sich selber auszuprobieren. Der Wissenschaftler, der mit einem fehlenden Arm lebt, injiziert sich mutierte Echsen-DNA – und verwandelt sich daraufhin immer wieder in den grausamen Lizard. Es kommt zum Kampf zwischen Spinne und Echse, in den auch Peters Freundin Gwen Stacy (in blond: Emma Stone) und ihr Vater, Polizeichef George Stacy (Denis Leary) verwickelt werden.
Neue Leichtigkeit
Die rothaarige Mary Jane wird durch die Blonde Gwen Stacy ersetzt, J. Jonah Jameson, der spinnenfeindliche wie cholerische Chef des Daily Bugles, kommt gar nicht vor, und Spidermans Identität erfahren gleich vier Menschen. The Amazing Spiderman unterscheidet sich in vielen Punkten von der vorangegangenen Trilogie. Gottseidank, kann man da nur sagen, denn so beschreitet die Comicverfilmung mit einem ganz neuen Verve und Takt den scheinbar schon so ausgetretenen Superheldenpfad.
Marc Webbs Peter Parker braucht lange, um sich mit seinen neuen Kräften zu arrangieren und wird wie seine Umgebung davon buchstäblich überrascht. Erst unzählige kaputte Türen später, ist aus dem schüchternen Jungen Spiderman geworden. Und bis Spiderman letztendlich ein Superheld wird, dauert es fast den ganzen Film. Aber selbst im Kampf gegen das Böse bleibt die Spinne ein typischer Teenager – und spielt z.B. während der Jagd auf den Lizard ein Handyspiel. Peter Parker wie Spiderman müssen erst einmal erwachsen werden und tragen dabei in der Schule als auch in der Kanalisation Wunden davon.
The Amazing Spiderman begleitet der Zuschauer die Spinne auf diesem Weg, oft blickt er durch die Augen Spidermans auf die Skyline von New York. Hier wird der Superheld nachvollziehbar, auch, weil Andrew Garfield in durchaus mit einer Verletzlichkeit und Verschlossenheit, aber auch mit großer Wut spielt. Seine Besetzung ist ebenso ein Glücksfall, wie die der anderen Figuren. Besonders die Chemie mit Emma Stone stimmt, kein Wunder, dass sich beide Schauspieler während des Drehs verliebt haben.
Die Neuverfilmung The Amazing Spiderman wartet mit unzähligen lustigen Szenen, spannenden Storylines und kreativen Ideen aus. Wo "Spiderman 3" aus 2007 doch eine massive Ernsthaftigkeit mit sich brachte, gibt die 2012-Version dem Spinnenfranchise seine Leichtigkeit und den Spaß zurück. Die Welt braucht einfach mehr Spiderman!
The Amazing Spiderman
Comicverfilmung, USA 2012
Regie: Marc Webb
Darsteller u.a.: Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Martin Sheen
Verleih: Sony Pictures Home Entertainment
VÖ.: 09. November 2012










