UNICUM schaut: The Grey – Unter Wölfen

Eisiger Thriller mit überraschendem Ende: Ab dem 21. September auf DVD und Blu-ray

von Barbara Kotzulla
Szene aus "The Grey – Unter Wölfen" | Foto: Universum Film

Ein Flugzeugabsturz über der eisigen Tundra, sieben Überlebende in einer unmenschlichen Schneewüste, eine knurrende Bedrohung in der Dunkelheit: In The Grey – Unter Wölfen nähert sich Regisseur Joe Carnahan ("A-Team") im Gewand eines atmosphärischen Thrillers zwei existenziellen Themen an: dem Leben – und dem Sterben.

"Lebe und stirb heute Nacht"

"Einmal noch in die Schlacht. Ein letztes gutes Gefecht. Lebe und stirb heute Nacht. Lebe und stirb heute Nacht" – Ottway (Liam Neeson) muss oft an das Gedicht seines Vaters, eines irischen Trinkers mit poetischer Ader, denken. "Lebe und stirb heute Nacht", geht es ihm durch den Kopf als er sich sein Gewehr ansetzt, um sich selbst zu töten. "Lebe und stirb heute Nacht" zitiert er, als er sich kurze Zeit später mit nur wenigen anderen um ein Feuer schart. 

Das Flugzeug, dass Wildjäger Ottway und weitere Mitarbeiter einer Ölbohrstation in Alaska nach Hause bringen sollte, ist abgestürzt. Nur sieben Männer entkommen dem Crash im Nirgendwo unbeschadet. Die Überlebenschancen stehen gleich Null. Ihre einzige Chance: Sie müssen sich den Weg Richtung Süden bannen. Doch nicht die Kälte wird sich schon in der ersten Nacht als ihr größter Feind entpuppen. Die Männer sind mitten in einem Wolfsrevier gestrandet, die Tiere dulden keine Eindringlinge.

Einzelgänger Ottway führt die Gruppe an. Doch auch seine Jagdkenntnisse können nicht verhindern, dass einer nach dem anderen dem Gesetz der Natur zum Opfer fällt.

Schatten in der Dunkelheit

Ein anderer Regisseur mit einem anderen Ansatz hätte aus The Grey – Unter Wölfen wahrscheinlich einen reißerischen Survival-Kracher mit viel Blut, Action und einem Happy End gemacht. Zum Glück nimmt sich Joe Carnahan, eigentlich ein Spezialist fürs Brachiale ("A-Team", "Smokin' Aces"), in seinem jüngsten Werk zurück und setzt voll auf atmosphärische Bilder und die Qualität seiner Darsteller.

Die Landschaft präsentiert sich durchgängig in Grau, Schwarz und Weiß. Atemberaubend und tödlich zugleich. Über die Stille der Natur legt sich in The Grey – Unter Wölfen immer wieder Musik, die Isolation der Überlebenden wird so für den Zuschauer greifbar.

Jede Figur, allen voran natürlich Ottway, kämpft nicht nur im ihr Dasein, sondern auch mit inneren Dämonen, der Verzweiflung oder der Hoffnung. Obwohl die Rollen in ihren Anlagen recht klischeehaft angelegt sind – der Rebell, der Familienvater, die rechte Hand des Anführers –, gelingt es den Darstellern, ihnen Leben einzuhauchen und sie fühlbar zu machen.

Liam Neeson, der in den vergangenen Jahren lieber auf Bombast-Action a lá "Battleship" gesetzt hat, überzeugt in The Grey – Unter Wölfen auf ganzer Linie. Er verkörpert den seelischen Schmerz seiner Figur eindringlich, verwandelt sich vom Selbstmordkandidaten zum Überlebenskämpfer, ohne dabei die Todessehnsucht ganz zu verlieren. Für Ottway gibt es eigentlich keinen Grund zum Leben, doch der Jäger verspührt den natürlichen Überlebensdrang eines jeden Wesens.

Auch die Bedrohung durch die Wölfe wird glaubhaft dargestellt. Meist bleiben sie nur Schatten in der Dunkelheit, oft hört man nur ihr Geheul in der Nacht. Wenn sie dann aber angreifen, endet es fast immer tödlich. Hierbei werden sie aber nicht zu Monster stilisiert. Ihr Verhalten ist begründet, denn sie wollen ihre Höhle und damit ihren Nachwuchs beschützen. Als die Gruppe einen der Wölfe töten kann und ihn über dem Feuer brät, schneidet einer der Männer den Kopf des Tieres ab und wirft ihn in die Richtung seines Rudels. "Wir sind hier die wilden Tiere," ruft er triumphierend – wie zur Bestätigung schallt es im aus dem Wald entgegen.

Der Mensch isoliert in der Natur und in seinem eigenen Ich: The Grey – Unter Wölfen ist ein überraschend tiefsinniger Thriller, der aber dennoch nicht mit Spannungsmomenten geizt. Das Ende kommt dann mehr als unerwartet. Unser Tipp: Bis zum Ende des Abspanns warten!


The Grey – Unter Wölfen

Thriller/Action, USA 2011 

Regie: Joe Carnahan

Darsteller u.a.: Liam Neeson, Frank Grillo, Dermot Mulroney

Verleih: Universum Film

VÖ: 21. September 2012

www.thegrey-film.de

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