UNICUM trifft: Anna Fischer
Die Rocksängerin, Schauspielerin und überzeugte Berlinerin im Interview

- Anna Fischer in "Heiter bis wolkig" | Foto: Constantin Film
Anna Fischer (26) gilt als frechste Berliner Schnauze des deutschen Films. Deutlich braver kommt sie in "Heiter bis wolkig" (ab 6. September im Kino) daher. Im UNICUM Interview spricht sie über ihre Rockband, Schauspielschulen und Auswandererpläne.
"Krasses Ding!"
UNICUM: In deinem neuen Film "Heiter bis wolkig" wird die von dir gespielte Marie mit der Mitleidsnummer abgeschleppt. Tim (Max Riemelt) gibt vor, einen Hirntumor zu haben und vor seinem Tod noch einmal mit einem Mädchen schlafen zu wollen. Würde auch Anna auf so eine Masche reinfallen?
Anna Fischer: Nee, keine Sorge. Ich stehe überhaupt nicht auf Anmachsprüche, da bin ich zu realistisch. Bei so einer Geschichte würde ich zwar schon hingehen und ihn kennenlernen wollen. Aber mit dem nach Hause zu gehen, ist schon ein krasses Ding.
Deine Filmschwester Edda (Jessica Schwarz) hat wirklich Krebs und muss sich mit dem Sterben auseinandersetzen. Ihren Frust lässt sie vor allem an Marie aus. Der Film ist aber trotzdem sehr lustig. War es schwer, diese Balance zu halten?
Das ist sehr spannend gewesen. Meine Figur ist ein komplett liebenswürdiges Mädchen, das keine großen Abgründe hat. Klar, die Schwester ist krank und das ist wirklich ein krasses Schicksal, aber sie versucht konsequent, das Beste daraus zu machen. Im Grunde dreht sich der Film um die Frage: Wenn du nicht mehr viel Zeit zu leben hättest – was würdest du machen?
"SO ROTZIG BIN ICH GAR NICHT, ICH KANN AUCH LIEB SEIN"

- Szene aus "Heiter bis wolkig" | Foto: Constantin Film
Du hast einmal gesagt, du bist beim Film "der Handlanger der Geschichte". Wie viel von Anna steckt vielleicht doch in Marie?
Natürlich gibt es da bestimmte Gemeinsamkeiten. Wie man lacht, zum Beispiel. Aber ansonsten bin ich doch ganz anders. Ich bin viel rabaukiger unterwegs, nicht ganz so lieb und sag auch schon mal direkt, was mir nicht passt.
Du wirst oft in die Ecke "Berliner Göre" gesteckt. Fällt es dir schwer, ein Mädchen mit "Herz aus Gold" zu spielen, wie es im Film heißt?
Nee, gar nicht, das macht absolut Spaß. Das ist genau das, was man nicht gewohnt ist. Und so rotzig bin ich gar nicht, ich kann auch lieb sein (lacht).
Neben der Schauspielerei machst du auch Musik, zum Beispiel mit deiner Band "Panda". Was macht dir mehr Spaß?
Beides ist total anders, das sind zwei komplett verschiedene Welten. Auf der Bühne bist du halt du. Da kannst du auch mal schlechte Laune haben. Das Tolle an der Schauspielerei ist, dass du in Situationen kommst, in die du normalerweise nie kommen würdest. Ich mache beides sehr gern!
Du wolltest dich nie zwischen Film und Bühne entscheiden müssen. Das letzte Album von Panda ist vor fünf Jahren erschienen. Die Musik scheint also schon etwas unterzugehen.
Das Problem ist, dass du das zeittechnisch nicht hinbekommst. Du kannst nie im Voraus planen, was du auf lange Sicht machst. Da leidet zwangsläufig etwas. Und klar, die Musik geht auch unter, weil man kommerziell nicht den Erfolg hat. Das war aber auch eine bewusste Entscheidung. Ich verkaufe als Schauspielerin ja mein Gesicht, meinen Körper, alles, was ich habe. In der Musik wollte ich dafür keine Kompromisse eingehen, sondern mache das lieber etwas kleiner und feiner, aber so, wie ich das will. Ich will mir treu bleiben und nicht zwischen Bands stattfinden, mit denen ich nichts zu tun haben will. Es gibt ja auch Auftritte, in kleineren Clubs, das steht nur meist nicht in der Zeitung.
"ICH KÖNNTE MIR VORSTELLEN, AUF BALI EINE BAR AUFZUMACHEN"
Du warst nicht an der Schauspielschule, hast keine konventionelle Ausbildung gemacht. Bedauerst du das manchmal?
Nein, eigentlich nicht. Ich glaube, dass dann eine gewisse Natürlichkeit flöten geht. Natürlich muss man sein Handwerk auch lernen, sich weiterbilden. Aber das passiert sowieso, beim Drehen, beim Machen.
Du bist 26 und eine der erfolgreichsten jungen deutschen Schauspielerinnen. Hattest du vielleicht trotzdem mal den Wunsch zu studieren?
Klar, ich habe mit dem Gedanken gespielt, aber es hat sich einfach nicht ergeben. Ich denke manchmal, ich sollte mehr lernen, mehr Wissen sammeln. Jetzt mit dem Alter denkt man sich ab und zu, das wäre eigentlich ganz geil! Aber es ist noch nicht so die Dringlichkeit da. Außerdem gibt es so viele Fächer. Da steht man da und denkt: Boa, ja, ist alles irgendwie geil. Aber da etwas auszuwählen? Schwierig!
Hast du denn einen Plan B, falls es mit der Schauspielerei mal nicht mehr so gut läuft?
Klar, ich hab schon einen Plan, aber erst mal schauen, wie sich das entwickelt. Ich könnte mir auch etwas anderes vorstellen, zum Beispiel auf Bali eine Bar aufzumachen. Aber abwarten! Vielleicht gehe ich auch ins Musikmanagement, da hätte ich Bock drauf.
Kurz & kompakt
- Anna Fischer wurde 1986 in Ost-Berlin geboren und ist eine der erfolgreichsten deutschen Nachwuchsschauspielerinnen.
- Richtig bekannt wurde sie mit ihrer Rolle in "Groupies bleiben nicht zum Frühstück".
- Nebenbei macht Anna auch Musik. In ihrer Rockband "Panda" singt sie in Berliner Slang (eine der Singles: "Jeht kacken").
- Die Berlinerin liebt die Stadt über alles: "Du musst dort nicht irgendwas
darstellen, was du nicht bist." - Eine Rezension zu Anna Fischers aktuellem Film "Heiter bis wolkig" (ab 6. September im Kino) findet ihr hier auf unicum.de/entertainment









