UNICUM trifft: Bud Spencer - Teil 1
Die Biografie „In achtzig Jahren um die Welt“ ist jetzt im Handel erhältlich

- Foto: ©Getty Images - Johannes Simon
Die wenigsten wissen, dass Carlo Pedersoli, alias Bud Spencer, weit mehr Jobs hatte als beim Film. Der 82-Jährige war Schwimmer bei Olympia, Unternehmer, Pilot, Erfinder und jüngster Student Italiens, wie er im UNICUM Interview verriet.
UNICUM: Carlo Pedersoli, wie erklären Sie sich die Faszination der Figur Bud Spencer?
Spencer: Ich stelle alleine oder zusammen mit Terence Hill etwas dar, was für jeden erstrebenswert ist. Jeder hat doch über sich irgendeinen Chef, der ihm Befehle gibt und dem man gerne mal einen Hieb auf den Kopf geben würde.
Sie schreiben im zweiten Teil Ihrer Biografie, es sei Ihnen auch nicht schwergefallen, auf anspruchsvollere Filmangebote zu verzichten, weil es nicht zu der Figur Bud Spencer gepasst hätte?
Fangen wir doch einmal an, Carlo Pedersoli von Bud Spencer zu trennen. Carlo Pedersoli, das ist mein Leben, der Sport, meine moralische Grundauffassung, meine Familie. Bud Spencer zu werden, habe ich mir nie erträumt. Ich habe nie daran gedacht, Schauspieler zu werden. Bud Spencer ist etwas, was das Publikum sich geschaffen hat. Es ist für mich eine Ehre, dass es das so annimmt und auch so mag. Es ist auch etwas, was ich übernehme, aber ich stehe immer noch als einzelner Mensch da, mit meinen Gefühlen, mit meinen Empfindungen.
Was Bud Spencer ausmacht, ist eine besondere slapstickhafte Form von Gewalt. Wie ist das seinerzeit entwickelt worden?
Wir haben sie vom Stummfilm geklaut. Denn Dick und Doof, Buster Keaton, Charlie Chaplin haben die ganze Welt zum Lachen gebracht, ohne ein Wort zu sagen. Da es hier um eine Art der Darstellung ging, die ohne Sprache auskommt, wurde auch bei uns alles sehr genau geplant. Für eine Minute fertigen Film haben wir fast zwei Wochen gearbeitet.
"Ich habe niemals Doubles genutzt"
Kam Ihnen bei den Kampfszenen Ihre sportliche Vergangenheit beim Boxen oder Wasserball zugute?
Das war unerlässlich. Ich habe niemals Doubles genutzt und auch Terence nicht. Und um das hinzukriegen, braucht man eine Vergangenheit als Sportler, sonst schafft man das nicht.
Ein anderes immer wiederkehrendes Element sind Essensszenen, wurden die auch so umfangreich geprobt?
Ich kann nur eines sagen: Wir haben niemals einen zweiten Versuch einer Szene mit demselben Teller Bohnen gemacht. Und zum Teil mussten wir zwanzig Mal dieselbe Essensszenedrehen.
Wer hat da mehr drunter gelitten? Sie oder Terence Hill?
Keiner von beiden.
Sie haben zuerst Chemie studiert, dann Jura, wie kam es dazu?
Und noch ein drittes Fach: Soziologie. Und ich habe keinen einzigen Uniabschluss. Beim ersten Studienversuch, Chemie, war ich der jüngste Italiener, der je an einer Universität studiert hat. Ich war nicht einmal 17. Nach wenigen Monaten bin ich mit der Familie nach Brasilien umgezogen, wo ich drei Jahre geblieben bin. Nach der Rückkehr nach Italien bestand dort die Anwesenheitspflicht in den Lehrveranstaltungen auch am Nachmittag. Also hab ich Jura gewählt. Zur selben Zeit wurde mir aber die Teilnahme als Schwimmer an der ersten Olympiade in Helsinki 1952 angeboten. Vier Jahre später nahm ich an den zweiten Olympischen Spielen teil und von den vorgeschriebenen 22 Prüfungen in Jura hatte ich elf abgelegt. Ich war ja auch mittlerweile der Mittelstürmer in der Wasserball-Nationalmannschaft. Der Trainingsdruck war so stark, dass für das Unistudium praktisch keine Zeit mehr blieb.
Das Studium nicht abgeschlossen zu haben, ist das etwas, das sie rückblickend bedauern?
Es kann mir auch leidtun, aber es war eine Entscheidung. Und dann kommt ja noch das dritte Studium hinzu, Soziologie. Ich war 45 Jahre alt. Eine meiner Töchter, Christiana, studierte Soziologie. Meine Tochter hatte damals Schwierigkeiten, bestimmte Texte zu begreifen. Dann hab ich gesagt: „Du bist faul. Soll ich dir zeigen, wie dein Vater vor dir den Abschluss schafft?“ Und ich habe mich als Student für Soziologie eingeschrieben und habe drei Prüfungen abgelegt, alle mit der Höchstnote und Auszeichnung. Danach habe ich nichts mehr gemacht, weil meine Tochter den Abschluss geschafft hat.
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