Festivals: Hilfe von Prof. Uschmann
Lebensberatung für den Mikrokosmos "Festival"
Die Festivalsaison rückt näher! Doch so schön die Veranstaltungen auch sind, so viel verlangen sie den Besuchern ab. Wie baut man betrunken ein Zelt auf oder kommt bei Slayer bloß in die erste Reihe? Zum Glück gibt's Experte Oliver Uschmann.

- Oliver Uschmann - Foto: Sylvia Witt
Im März 2012 erschien sein neues Buch Überleben auf Festivals - sowohl Ratgeber, als auch eine auf jahrelanger Feldforschung basierende Milieustudie der deutschen Festivallandschaft.
Und deshalb haben wir dem studierten Germanisten, Schriftsteller (Harmut und ich) und Musikjournalisten kurzerhand die Ehrenprofessur für Festivalwissenschaft verliehen.
Für UNICUM beantwortet Prof. h.c. fest. Uschmann die
Der Festival-Professor hilft!
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Die beste Stelle zum Campen

- Foto: (c) Getty Images
Anna (18) aus Wittlich:
Hi Festival-Professor!
Unsere Eltern haben meinen Mädels und mir endlich erlaubt auf Festivals zu fahren und dort zu campen *freu* :))) Aber wo auf dem Campingplatz ist die beste Stelle?
Festival-Prof Uschmann rät: Meidet Plätze dicht an Wegen und Außenzäunen!
Hi Anna!
Verfahrt streng nach dem Ausschlussprinzip. Also: Wo campen wir auf keinen Fall? Am Rande der Wege werden euch ständig Menschen aufs Zelt geworfen. Unschuldig liegt ihr da, plötzlich wird es dunkel und ein großer Leib drückt das Dach auf euer Gesicht zu. Direkt am Außenzaun benetzt rund um die Uhr der Sprühregen der Stehpinkler euren Zeltstoff mit glitzernden Urintröpfchen. Am Besten ist es mittig im schattigen Schutz größerer Burglager, aber nur bei einem freundschaftlichen Verhältnis zum Burgherrn.
Den infantilen Freund bändigen

- Foto: (c) Getty Images
Laura (22) aus Würzburg:
Lieber Festival-Professor,
ich lasse meinen neuen Freund nicht mehr alleine mit seinen Kollegen vom Fußballverein zu Rock am Ring fahren. Ich habe schon böse Geschichten über die Jungs gehört – Bierrutschen, Wettfurzen oder dämliche Schilder zum Mädelsaufreißen. Wie kann ich ihn auf dem Festival im Zaum halten?
Festival-Prof Uschmann rät: Außer Fremdgehen sollte er alles dürfen!
Liebe Laura,
hier musst du abwägen. Willst du deinen Freund lieber die 361 anderen Tage des Jahres im Zaum halten oder die vier Tage auf dem Festival? Es ist klüger, ihn sich im Reservat austoben zu lassen, damit er im Alltag voller Dankbarkeit für die Freiheiten, die du ihm lässt, immerfort deinen Anweisungen folgt. Hierbei sind glasklare, einfache Regeln wichtig, weil komplexe Gesetze im Suff nicht memoriert werden. Sag ihm: „Du darfst bei Rock am Ring alles machen, was du willst: außer dein Fleisch in fremde Körper zu versenken! Wenn das passiert, landest du auf dem Autopsie-Tisch. Ansonsten: Hau rein!“
Bei Slayer in die erste Reihe mogeln

- Foto: (c) Getty Images
Ronny (25) aus Plauen:
Hallo Festival-Professor!
Ich komme immer zu spät zu Slayer, weil mich die anderen Bands nicht interessieren und ich vorher nur in meinem Campingstuhl sitze, Bier trinke und eindöse. Wie kann ich mich dann noch am besten, und ohne großen Ärger, durch die Menge in die erste Reihe mogeln?
Festival-Prof Uschmann rät: Vorher in der Szene Arschkriechen!
Hallo Ronny!
Indem du drei Monate vor Beginn des Festivals ein Online-Metal-Magazin namens Nackenmatte, Unholy Diver oder Schweiß im Schritt gründest, dich bei allen Plattenfirmen in den Verteiler eintragen lässt, neun von zehn Alben in die Hölle lobst, um bei den Materialgebern beliebt zu bleiben (in den Himmel lobst du nur die christlichen Metaller), eine Interview-Rubrik einführst und auf dem Festival ein paar Backstage-Termine für Gespräche mit den kleinen Bands verabredest. Selbst, wenn du im ersten Jahr noch nicht Slayer vors Mikro bekommst, kannst du sie dir nach deinem Schwatz mit den Excrementory Grindfuckers immerhin von hinten ansehen…oder gemütlich von vorne in die erste Reihe klettern.
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Zeltaufbau mit 1 Promille

- Foto: (c) Getty Images
Philipp (26) aus Gießen:
Hey Festival-Professor!
Ich habe zwei linke Hände und bei der Ankunft auf dem Campingplatz auch meist schon ein paar Bierchen intus. Hast du irgendwelche Tipps zum einfachen und schnellen Zeltaufbau?
Festival-Prof Uschmann rät:
Andere für sich arbeiten lassen!
Hey Philipp!Du solltest dir aus deiner Gruppe den „Kümmerer“ ausgucken und ihn die Arbeit machen lassen. Jede Gruppe hat einen. Du fängst an, signalisierst guten Willen und stellst dich dann mit hängenden Schultern vor dein unfertiges Zelt. Nun musst du laut seufzen und unauffällig zum „Kümmerer“ schauen, dann kommt er angestapft und sagt: „Komm her, ich mach das schon!“ Lass dich nicht davon irritieren, dass in seiner Fürsorge ein Hauch Ärger mitschwingt. Das gehört zu der inneren Freude, die er dabei empfindet, dazu.
Moshpit-Schmerzen überspielen

- Foto: DVD "Braveheart", (c) 20th Century Fox
Sven (29) aus Gladbeck:
Tach Festival-Professor!
Ich mache gerne den „Braveheart“ bei Auftritten von Agnostic Front oder schnalle mich auf Autodächer, um meine Kollegen zu beeindrucken. Danach tut mir alles weh, ich will aber vor meinen Kumpels keine Schwäche zeigen. Wie überspiele ich den Schmerz, so dass keiner was merkt?
Festival-Prof Uschmann rät:
Mach's wie Dr. House!
Tach Sven!Du spielst das ganze Festival über deinen Freunden Dr. House vor. Den kennst du sicher – ein zynischer, schmerzmittelsüchtiger Arzt mit taubem Bein. Du musst natürlich schon vor Beginn der Blessuren damit anfangen! Humpele, schlucke Pillen und analysiere deine Mitcamper, in dem du ihnen die Wahrheit sagst. Zum Beispiel: „Frank hat schon immer auf Jessica gestanden. Gerade eben starrt er ihr wieder auf den Arsch.“ Die Autodachspiele passen zu der Rolle – „privat“ steht House nämlich auf kindliche Spektakel wie Monster Truck-Rennen und Wrestling.
Postfestivalistische-Entzugserscheinungen

- Foto: (c) Andrea Fauré
Tim (23) aus Göttingen:
Lieber Festival-Professor,
ich kann mich nach Festivals immer nur schwer wieder in den Alltag integrieren. In den ersten Tagen danach, renne ich nur mit Bierbecher in der Hand an der Uni rum oder stagedive aus Versehen im Hörsaal. Wie überstehe ich den Entzug am besten?
Festival-Prof Uschmann rät:
Kalter Entzug mit Klassik und Jazz!
Lieber Tim!Da hilft nur exzessives Luftgitarre spielen vor der Uni, nach der Uni und zwischendrin in einem leer stehenden Seminarraum. Das ist dann wie ein Nikotinpflaster. Eine andere Option ist der Radikalentzug. Direkt nach dem Festival zwei Wochen lang nur noch Jazz, Klassik und Die Drei ??? aufs Ohr geben. Ist anfangs anstrengend, beruhigt aber schließlich auf seltsame Art und Weise die Nerven.











