Metaller ohne Regenjacken und polnischer Mastspecht
Unser With Full Force Abenteuerurlaub
Einmal im Jahr wird ein kleiner Ort im Osten Deutschlands für ein Wochenende zu einem großen Moshpit. In diesem Jahr fanden knapp 30.000 Anhänger von Metal, Hardcore und Rock ihren Weg zum With Full Force Festival auf dem Flugplatz Roitzschjora in der Nähe von Löbnitz. Wer einmal dort war, kommt gerne wieder. Seit ´97 bringen die drei Veranstalter jährlich die angesagtesten und lautesten Bands aus der ganzen Welt auf die Hauptbühne und in das Bühnenzelt namens „Hardbowle“.
So brachten auch in diesem Jahr Bands wie Volbeat, Hatebreed, Blood for Blood, Knokator, Die Kassierer und Bring me the horizon das kleine Gelände zum beben. Bullet for my Valentine machten am Freitagabend als erster Headliner den Anfang. Eine farbenfrohe Lichtshow und begeisterte Fans ließen die vier Jungs aus Wales ihr Bestes geben und eine gute Show abliefern.
Doch nicht nur während der Konzerte bewiesen die meist männlichen Besucher Textsicherheit und Taktgefühl bei Liedern, die ein Außenstehender vielleicht als Krach bezeichnen würde. Auch bei der Party am Rande des Festivalgeländes am ersten Abend, bei der jedoch hauptsächlich bekanntere Rocklieder aus den Charts gespielt wurde, gab es die sogenannten Moshpits (Anmerk. d. Festivalreporter: Erst wird ein Kreis gebildet, dann im Kreis gelaufen oder in der Mitte seinen Aggressionen freien Lauf gelassen.) und es wurde kräftig mitgesungen.
Leider blieben die Fans der Prügelmusik nicht lange vom Regen verschont. Schon in der Nacht von Freitag auf Samstag öffnete der Himmel seine Pforten und ein kalter Wind ließ das ein oder andere Zelt tanzen. Viele Besucher verschwendeten jedoch keinen Gedanken an Regenjacken und Gummistiefel. Lederjacke sowie Lederstiefel mussten reichen, um dem Wetter zu trotzen. Ein warmer Met oder auch ein kühles Bier für kleines Geld ließen die Kälte für einen Moment vergessen. An einem der vielen Essensstände konnte man eine trockene Pause einlegen. Die Auswahl fiel schwer, da es ein Angebot für jeden Esser gab. Ob vegan, vegetarisch oder mit Fleisch, süß oder herzhaft – es war für jeden etwas zu einem fairen Preis dabei. Auch der Humor blieb zwischen den meist schwarz angezogenen und manchmal bös wirkenden Musikfans nicht auf der Strecke. Zwei kostümierte Herren hinter einem riesigen Schwenkgrill erklärten uns, dass man Leberkäse nicht ohne Kraut isst und dass Haxe aus polnischem Mastspecht gemacht wird. Geschmeckt hat es auf jeden Fall. Am Samstagabend gab es nach dem Headliner Hatebreed noch ein kleines Schmankerl für die Besucher: Das schon fast traditionelle Feuerwerk ließ die Köpfe trotz Regen gen Himmel recken. Das With Full Force ist gespickt von gutes Bands, sehr netten Leuten und einer tollen Stimmung.
Durch seine überschaubare Größe ist es auch für Festivalanfänger keine Reizüberflutung. Und wer das Treiben mal in 50 Meter Höhe mit Rundumblick über das Gelände erleben wollte, tat dies auf einem der begehrten Plätze des Jägermeister Hochsitzes. Diese Aspekte machen das zweitgrößte Metal-Festival Deutschlands zu einem Muss für jeden harten Festivalgänger.




