Southside 2011 – Warum Schlamm und Regen dem Festivalbesucher nicht den Spaß verderben können

Matsch und viel Wasser von oben - so hatten die 50.000 Besucher des 13. Southside Festivals sich das Wochenende wahrscheinlich nicht erhofft. Schon im letzten Jahr waren Gummistiefel und Regenjacke die besten Begleiter und durften auch in diesem Jahr nicht fehlen. Doch Festivalbesucher sind hart im Nehmen und nicht einmal eine halbe Wattwanderung kann sie davon abhalten zu tanzen, zu singen und ihre Lieblingsband zu bejubeln.

Zuflucht für Regenscheue gab es in den zwei Zirkuszelten, die Red Stage und die White Stage. I blame Coco gab sich auf der Red Stage die Ehre. Die Tochter von Sänger Sting konnte trotz einiger Mängel beim Sound und mit deutlich musikalischer Nähe zu den Songs ihres berühmten Vaters, über den ersten Schauer hinwegtrösten.

Doch auch die Bühnen ohne schützendes Regendach blieben nicht leer. The Hives, mit gewohnt selbstbewusstem Auftreten und schicker Garderobe im Gepäck, brachten die Menge auch im Regen dazu, das Tanzbein zu schwingen. Die Schwedin Lykke Li zeigte ein weiteres Mal auf dem Zwillingsfestival, dass ihre Mischung aus Elektro, Gitarre und Klavier, gespickt mit Schellenringen und Kastagnetten,  sehr gut ankommt und sorgte für Überfüllung im Roten Zelt.

Headliner des ersten Tages waren die festivalerprobten Foo Fighters. Die energiegeladene Darbietung von Altbekanntem und dem größten Teil ihrer neuen Platten „Wasting Light“ ließ keine Erwartung offen und der hohe Anspruch des Publikums  wurde nicht enttäuscht. Mit dem Klassiker „Everlong“ entließen die Jungs um Dave Grohl die regennassen Fans in ihre Zelte.

Auch am Samstag hatte der Regen nicht aufgehört und das Festivalgelände über Nacht in ein Wattenmeer verwandelt. Die Festivalbesucher blieben jedoch gelassen. Wer keine Gummistiefel im Gepäck hatte, erwarb welche auf der Shopmeile oder betrat das Matschfeld mit Plastiktüten um die Füße. Erst während des Auftritts von Elbow streckte die Sonne ihre Strahlen wieder durch die Wolkendecke und wurde von jubelnden Massen herzlich willkommen geheißen. Die Eels und Portishead begeisterten das Publikum mit souveränem Auftreten und der Tag endete mit einem großartigen Auftritt von Arcade Fire, die eindrucksvoll bewiesen, dass ihr Album „The Suburbs“  zu Recht musikalisch das letzte Indie-Jahr bestimmte. Mit dem zweiten Headliner reiste gegen Abend dann auch die Regenfront ab in Richtung Norden, zum großen Bruder, dem Hurricane Festival.

Friendly Fires konnten an einem sonnigen und windreichen Sonntag der gut gelaunten Menge den ersten Höhepunkt des Tages liefern. Die drei alten Schulfreunde aus England, überzeugten nicht nur musikalisch mit einer Mischung aus Club- und Popsongs, gepaart mit einer ordentlichen Portion Percussion. Auch der Hüftschwung von Sänger Ed McFarlane brachte die Herzen der weiblichen Zuschauer zum Schmelzen.

Auch für die Zeit zwischen den Bands hatte sich das Southside und ihre Sponsoren ein sehr gutes Programm überlegt. Auf der White Stage zeigen seit letztem Jahr Akrobatikkünstler, Beatboxer und Artisten ihr Können. Ein namhafter Energydrinkhersteller beauftragte verschiedene Djs, die an einem ihrer Stände ihre Plattenteller kreisen ließen und das Publikum zwischen den Essensständen zum Tanzen brachten. Dieses Alternativprogramm fand großen Anklang bei den im Durchschnitt 18 bis 25-Jährigen und sollte auch im nächsten Jahr nicht fehlen. Auch der Jägermeister Hochsitz wurde vom Southside Publikum gut angenommen. „Runterkommer“ schwärmten von der Aussicht und sind auch von den Regenponchos der orangen Marke überzeugt.

Neben Rock- und Popbands fehlte es in diesem Jahr auch nicht an elektronischer Musik. Das Drum n Bass-Duo Chase and Status , die auch in Kooperation mit Künstlern wie Plan B oder Nneka arbeiten, ließen das Kondenswasser unter dem Zeltdach der White Stage enorm ansteigen. Leider wurde den beiden Londonern durch einen Stromausfall sprichwörtlich der Saft abgedreht und ihr Auftritt fand ein jähes Ende. Mit der spanischen Band Chrystal Fighters folgte ein Act, der die Tanzwut der Jungs und Mädels weiter anheizte. Die ausgelassene Stimmung auch auf der Bühne ließ den Auftritt der Spanier zu einem Statement der Sonderklasse werden. Während sich am dritten Tag auf den Campingplätzen schon leichte Aufbruchsstimmung breit machte, steuerte das Southside Festival dem letzten Höhepunkt entgegen. Nach langer Bühnenabstinenz in Deutschland, gaben sich in diesem Jahr Incubus die Ehre und wurden mit einer unglaublichen Begeisterung empfangen. Das herzliche Willkommen des deutschen Publikums zauberte Sänger Brandon Boyd auf der Bühne ein permanentes Lächeln ins Gesicht, was die Sympathie zwischen Band und Publikum nur noch mehr wachsen ließ. Leider etwas abrupt, aber mit Ausblick auf ein neues Album im Herbst diesen Jahres, verließ die Band die Bühne und den Veranstaltern gelang ein perfekter Abschluss für ihren südlichen Zwilling. Mit gelungenem Line-up und einem Publikum, das jedem Wetter trotzte, ist das Southside 2011 eine rundum gelungene Sache. 

Der Band-Mix aus Rock, Indie, Elektro, Newcomern und Altbewährtem sowie einem Publikum, das für jeden Spaß zu haben ist, sowie das überschaubare Gelände, auf dem sich auch Festivalneulinge gut zurecht finden, macht das Southside zu einem der besten Festivals in Deutschland. Und noch ein Tipp für alle Festivalbesucher, die denken, Regenjacke und Gummistiefel seien überbewertet: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung!


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