UNICUM hört: Bat for Lashes "The Haunted Man"

Out now: Das dritte Album der britischen Ausnahmekünstlerin

von Christina Scholten
Bat for Lashes | Foto: EMI Music/Ryan McGinley

Ganz schön dramatisch. Auf ihrem neuen Album The Haunted Man bezaubert die britische Songwriterin Nathasha Khan alias Bat for Lashes mit dunkel-poppigen Klängen, hinter denen die pure Lebensbejahung steckt.

Sie sitzt im Dunkeln und singt

Björk kann es. Kate Bush auch. Experimenteller Gesang mit Frauenstimme und mysteriösen Hintergrundklängen, die außergewöhnlich und gerade deswegen eingängig sind. Zwischen diesen musikalischen Ikonen reihte sich Bat for Lashes schon vor ihrer dreijährigen Pause geschmeidig ein. Mit ihren ersten beiden Platten unterstreicht die 33-jährige ihre anspruchsvolle Musik, die beide für den Mercury Music Prize nominiert worden sind.

Doch gegenüber ihrem Debütalbum "Fur and Gold" und dessen Nachfolger "Two suns", beides konzeptuell angelegte Projekte, sitzt Kahn nun im Dunkeln und singt. Dort, wo vorher bunte Esoterik stand, bringen folkloristische und angenehm spirituelle Beats und Features, wie dem eines Männerchors, ein Zauberwald an Musik hervor. In diesem Wald ist es auf eine unbedrückende Art und Weise mysteriös und obwohl es düster ist, fühlt man sich kein bisschen unwohl.

Im Prinzip ist es wieder ein Konzeptalbum, in dem Khan die Zeit vor der Aufnahme des Albums reflektiert. Dort stand sie vor allem unter Druck der Erwartungen, eingeengt in ihrer Wohnung in Brighton. Traurig und alleine habe sie sich da gefühlt, äußerte sich die Songwriterin gegenüber der britischen Zeitung "The Guardian". Die Aufarbeitung dessen steckt in dem Album. Schon das Cover mit der schwarz-weiß Fotografie einer nackten Nathasha Khan, die einen ebenso nackten und dürren Mann über ihren Schulter trägt, hinterlässt den ersten Eindruck davon, der beim Hören bestätigt wird.

Sammelsurium aus positiven Elementen

Mit ihrer Single-Auskopplung "Laura" bringt Bat For Lashes allerdings ein auf den ersten Blick nicht so repräsentatives Stück heraus. Eine sanfte und traurig anmutende Ballade, in der ein Mädchen besungen wird, das auch ein Alter Ego der Sängerin sein könnte, wie die "Pearl" auf dem "Two Suns"-Album. Laura soll Kraft schöpfen und ihre Stärke erkennen. Und das steht stellvertretend für das, was das Werk kennzeichnet. Vielleicht mag das der Grund für die Wahl dieses Songs zur Vorstellung ihrer neuen Arbeit sein und nicht das viel poppigere "All of your Gold", das mit Tanzpotential einen größeren Anklang im Mainstream finden wird.

The Haunted Man ist trotz all seinen teils verstörenden und tiefen dramatischen Klängen ein Sammelsurium aus positiven Elementen. Eine Reinkarnation, weg von den schlechten Gedanken, verpackt die Sängerin in einem Kraftakt von Musik. Präzise und detailreiche Kompositionen können so unangestrengt klingen, wenn sie gut gemacht sind.



 

Bat for Lashes

The Haunted Man

EMI Music

VÖ: 12. Oktober 2012

Für Fans von: Kate Bush, Ladyhawke, The Dø

www.batforlashes.com

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