UNICUM hört: Die Toten Hosen „Ballast der Republik“

von Heike Philipp
Die Toten Hosen
Foto: (c) Matias Corral

30 Jahre Punkrock gemischt mit einem 'Schrei nach Liebe' - Die Toten Hosen sind zurück mit einem neuen Album: "Ballast der Republik" (VÖ: 4.5.2012) ist ein grandioses Stück Rockmusik. Mal laut, mal leise, aber immer mit Kraft.

Allein das Intro ist genial. Bedrohliche Klänge, Hundegebell, eine drängende E-Gitarre und dann übergangslos das erste Lied „Ballast der Republik“. Dieser Einstieg zeigt gleich wohin es gehen soll, nämlich immer weiter voran ohne Pause. Das Intro ist purer Luxus. Denn wer gönnt sich so was heute noch auf seiner Platte?
Andi, Breiti, Campino, Kuddel und Vom haben zwei Jahre Arbeit in das Album investiert, das stark an den Sound von "Opium fürs Volk" erinnert. Doch zeigen die Songs „Draußen vor der Tür“ über Campinos schwierige Beziehung zu seinem Vater und „Das ist der Moment“ über das Vatersein, dass Die Toten Hosen erwachsen geworden sind und ihre Fans mit auf diese Reise nehmen. Das unterscheidet DTH auf jeden Fall von den Berliner Punkrockern Die Ärzte, die sich selbst nicht mehr ernst nehmen können und wollen. 

Die Toten Hosen sparen dagegen auch nach 30 Jahren Bandgeschichte nicht mit Sozialkritik und einer gehörigen Portion Rock: "Altes Fieber" beschwört die gute alte Zeit herauf, in "Zwei Drittel Liebe" beschreibt Campino mit elektronisch verzerrter Stimme eine Liebe im Alkoholrausch und "Europa" ist ein provokativer Song über das vergessene Flüchtlingselend im Mittelmeer. Das hört sich nach einem großen Kuddelmuddel an, doch macht das Album unheimlichen Spaß gerade wegen seiner Vielfalt. Wie beim Vorgänger-Album "In aller Stille" strotzt "Ballast der Republik" einfach vor Energie, allen voran das Lied "Tage wie diese". Da darf natürlich ein sportlicher Mitgröhl-Song nicht fehlen. Auch wenn die Hymne "Schade, wie kann das passieren?" textlich sicherlich nicht meisterlisch ist - der Refrain spricht da seine ganz eigene Sprache - wird das Lied in den Stadien garantiert für gute Stimmung sorgen. 

Eine echte Überraschung ist das Jubiläums-Album "Die Geister, die wir riefen". Darauf enthalten sind Cover-Songs, die Punkrockfans und jeden anderen auch begeistern dürften.
Abwärts, Kraftwerk, Herman Hesse, Rio Reiser und Funny van Dannen sind nur einige der Liedspender. Aber auch ein ernstgemeinter Gruß an die Kollegen von Die Ärzte ist dabei. Da mussten erst DTH kommen und den Erfolg aus den Neunzigern „Schrei nach Liebe“ covern, vor allem aber im Hosen-Stil gelungen covern. Sowieso klingen alle Lieder des Albums als stammten sie aus der eigenen Feder.

Die Zeit zum Abschied nehmen scheint trotz hohem Alter der Bandmitglieder noch lange nicht erreicht. Nach der Magical-Mystery-Tour sind die Toten Hosen dieses Jahr wieder bei Rock am Ring am Start. Sie werden als Headliner die Bühne stürmen und garantiert für einen Abschluss des Open Air-Festivals sorgen, den keiner so schnell vergessen wird. Mit „Ballast der Republik“ im Gepäck wird es keinesfalls "Unrockbar".



Ballast der Republik

Die Toten Hosen

Ballast der Republik

JKP / Warner

VÖ: 4. Mai 2012

Für Fans von: Donots, Green Day, erwachsenem Punkrock, Fortuna Düsseldorf, Rock am Ring, deutscher Dichtkunst


UNICUM Newsletter

Hier die UNICUM Newsletter bestellen ! (Link)