UNICUM hört: Machine Head "Unto the Locust"

- Foto: Roadrunner Records
Die Wachablösung im Metal-Kosmos ist endgültig vollzogen. Machine Head katapultieren sich mit Unto the Locust in neue Höhen. Who the fuck is Metallica?
Mit dem Erfolg ist das so eine Sache. Vor ziemlich genau viereinhalb Jahren schrieben Machine Head mit „The Blackening“ Musikgeschichte. Dutzende Preise, eine Grammy-Nominierung und eine drei Jahre lange Welttournee, an deren Ende die „The Blackening“ vom Metal Hammer zum Album der Dekade gekürt wurde, zeugen von besonderer Güte. Große Fußstapfen, die „Unto the Locust“ da auszufüllen hat.
Doch schon früh wird klar: Diese Platte ist ein Monster mit großen Füßen. Nach einem atmosphärischen Gregorianischen Intro, bei dem Rob Flynn seine neuen Sangeskünste präsentiert, wälzt „I am Hell (Sonata in C#)“ knapp neun Minuten lang neue Rillen in den Langspieler. Messerscharfe Riffs vom Duo Flynn/Demmel und das unglaubliche Drumming von Dave McClain machen schon früh klar, dass Unto the Locust ein Nackenbrecher vor dem Herrn ist. Statt den Fuß vom Gas zu nehmen und dem Hörer eine Verschnaufpause zu gönnen, geht das Quartett mit dem Iron-Maiden-Tribute „Be Still And Know“ weiter in die Vollen. Tempo, Melodie und ein furioser Soloteil mit dualen Harmonien sorgen nicht nur bei Fans der guten alten Zeiten für Freudentränen.
Mit dem bereits vorab veröffentlichten Quasi-Titeltrack „Locust“ begeben sich Machine Head dann auf Zeitreise. Ziel ist 1994, das Jahr ihres Debüts „Burn My Eyes“. Viel Groove, sehr tiefe Gitarren und direkte, harte Riffs treffen auf die progressive Spielfreude der The-Blackening-Ära. Weiter geht es mit meinem persönlichen Lieblingsstück „This is the End“. Nach einem akustischen Intro brechen Death-Metal-Riffs aus den Boxen; Blast-Beats dröhnen im Stakkato; gefolgt von einem epischen Chorus, der auch lange nach den 6:05 Minuten Spielzeit der Nummer nachhallt. Jede Google-Suche nach „Metal“ sollte diesen Track an erster Stelle ausspucken.
Die Ballade „Darkness Within“ bietet kurz Zeit, um Luft zu holen. Erst akustisch, später elektrisch, beeindruckt sie sowohl mit gesanglicher, als auch mit instrumentaler Virtuosität. Rob Flynn war sich nicht zu schade, nach der vergangenen Tour klassischen Gitarren- und Gesangsunterricht zu nehmen. Das Endergebnis ist ein ungewöhnlicher, aber herausragender Track, der die Tradition der schwermütigen Band-Balladen der Band („Descend the Shades of Night“, „Farewell to Arms“) weiterführt.
Mit „Pearls Before The Swine“ folgt der einzige nicht ganz lupenreine Track. Kleine Arrangement-Probleme bringen die Nummer leicht ins Stocken. Immer noch gut, aber nicht so hervorragend, wie die sechs anderen Titel. Ganz anders der Abschluss der Platte, „Who We Are“. Ein Kinderchor und Streichinstrumente eröffnen die letzten sieben Minuten des (Metal-)Albums des Jahres (Stand: Oktober 2011). Die treibenden Riffs und der Stadion-Chorus (“This is who we are / this is what I am / we have nowhere else to go / divided we will stand“) dürften das Lied zu einem unverzichtbaren Teil jedes Machine-Head-Konzerts machen. Ende November könnt ihr euch davon überzeugen, wenn die Jungs aus der Bay Area in Deutschland gastieren.
Machine Head haben mit „Unto the Locust“ erneut bewiesen, dass sie nach einem Hammer-Album noch eins nachlegen können. Wie war das noch gleich bei Metallica und Slayer? Nach dem schwarzen Album, respektive Seasons in the Abyss, kam von der alten Garde des Thrash Metal nicht mehr viel. Unto the Locust kickt die alten Herren endgültig vom Metal-Thron.
Machine Head
Unto the Locust
Label: Roadrunner Records (Warner)
VÖ: 26. September 2011
Für Fans von: Metallica, Slayer, Trivium
Auch als Deluxe Edition mit drei Bonus-Tracks („The Sentinel“ – Judas Pries Cover, „Witch Hunt“ – Rush Cover, „Darkness Within – Acoustic Version) und Making-Of-DVD erhältlich.










