UNICUM hört: Santigold "Master Of My Make-Believe"

von Barbara Kotzulla
Foto: Warner Music Group - Sean Thomas

Santigold is back! Vier Jahre nach ihrem gefeierten Erstling meldet sich die US-Künstlerin mit nigerianischen Wurzeln eindrucksvoll zurück. Auf Master of my Make-Believe widersetzt sie sich erneut jedem Einordnungsversuch und führt stattdessen den von ihr ins Leben gerufenen Urban Rrriot Sound in die nächste Dekade. Ob man Santigolds Talent in einer Plattenkritik fassen kann? UNICUM versucht's ...

Im Musikkosmos unserer Tage wimmelt es nur so von starken Frauen bzw. auf Selbstbewußtsein getrimmten Frauenfiguren. Da inszeniert sich eine Lady Gaga als androgyner Alien mit Liebesbotschaft, eine Lana del Rey gibt die Ghetto-Queen mit gebrochenem Herz, während Madonna über jegliche Altersgrenzen hinweg tanzt.

Auch die US-Sängerin Santi White alias Santigold weiß, sich selbst zu inszenieren: auf dem Cover ihres aktuellen Albums Master of Make-Believer zeigt sie sich als Mafia-Pate vor einem Selbstportrait als berittener Soldat, umringt von sich selbst in der Personifikation der Amazone. Der Unterschied zwischen Santigold und GagaLanaMadonna: Die Attitüde ist authentisch, die Musik ist ehrlich, das Talent ist echt. 

2008 veröffentlichte Santigold ihr Debütalbum. "Santogold", nach ihrem ehemaligen Pseudonym benannt, gehörte mit seinem Mix aus Pop, Rock, Dub und Electro zu den wichtigsten Newcomer-Alben des Jahres und öffnete der New Yorkerin die wichtigsten Türen der Musikszene. Sie tourte mit M.I.A. und Björk, eröffnete Shows für die Beatie Boys, stand mit Jay-Z und Kayne West auf der Bühne und schrieb Songs für Christina Aguilera und Lily Allen.

Vier Jahre nach ihrem Debüt ist Santigold immer noch wandelbar wie ein Chamäleon, wechselt spielerisch zwischen den Musikgenres und lässt sich nicht ohne weiteres in eine Schublade stecken. Auf Master of my Make-Believe erklingen wuchtige Trommelschläge, folgen Pop-Melodien auf HipHop-Beats, wirkt jeder Track wie ein urbanes Dschungelmärchen, jeder Song scheint sein volles Potential auszuschöpfen. Santigold ist die Kriegerin der Großstadt, die mit ihrer rotzig-leidenschaftlichen Art den Takt der Tanzfläche bestimmt.

Mit den üblichen Charthits haben Santigolds Tracks wenig zu tun. Allein "Disparate Youth" (s. Video) wird mit seinem entspannten Groove die Masse begeistern können – und ist passend dazu auch im Werbespot eines großen Telekommunikationsunternehmen zu hören. Die weiteren Tracks auf Master of my Make-Believe fordern ein Hörverständnis fernab der allgegenwärtigen, immer gleichen Dance-Musik. Die Kämpferin Santigold bohrt sich mit ihrem wilden Genre-Mix, der verstärkt auf HipHop-Akzente setzt, in die Gehörgänge und fordert Aufmerksamkeit.

Anspieltipp soll aber dennoch das ruhige "The Riot's Gone" sein, ein kleines, mitreißendes Pop-Stück, das nach Sehnsucht klingt. Eine Oase zwischen den anderen, grandiosen zehn Tracks auf Santigolds Master of my Make-Believe. 


Santigold 

Master of Make-Believe

Warner Music Group 

VÖ: 04. Mai 2012 

Für Fans von: M.I.A., Diplo, Kelis, Urban Rrriot-Sounds, Musik ohne Schubladendenken, HipHop/Reggae/Dub/Electro-Mixturen, Musikerinnen mit Größenwahn

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